Kulturgenuss im historischen Ambiente

7. Kunst- und Kulturtage in der Stadtmühle

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Der Harreshäuser Künstler Martin Fleischmann erklärt auf Babenhausens Kunst- und Kulturtagen zahlreichen Interessierten seine Holzobjekte.

Babenhausen - Kreative Vielfalt machte die siebten Kunst- und Kulturtagen der Babenhäuser Kulturschaffenden wieder zu einem beeindruckenden Erlebnis. Zwei Tage war am Wochenende bildende Kunst, Literatur, Theater und Musik geboten. Von Petra Grimm 

Mitmachaktionen zogen das Publikum ins Geschehen, das sich allerdings nicht so zahlreich wie in den Vorjahren ins Getümmel stürzte. Der Kontrast hätte beim Betreten der Stadtmühle kaum größer sein können. Vor der historischen Fachwerkkulisse waren im Hof mannshohe Holzfiguren aufgereiht, die der Langener Künstler Stefan Martin den bekannten Steinstatuen der Osterinseln nachempfunden hat. Mit Säge, Hammer, Stechbeitel und Schleifpapier gelingt es ihm, aus bis zu 300 Jahre alten Fachwerkbalken beeindruckende Holzobjekte zu schaffen, die in ihrer Reduktion auf markante Gesichtszüge an die vormodernen Steinkolosse erinnern. Um an das hölzerne Material für seine Werke zu kommen, muss er auf Zack sein. „Es kommt schon mal vor, dass ich morgens um 6 Uhr auf einer Abriss-Baustelle bin und mit dem Besitzer verhandele, um die alten Balken zu bekommen“, erzählt Martin. Zur Babenhäuser Künstlergemeinschaft ist er über die städtische Kulturbeauftragte Sylvia Kloetzel gestoßen, bei der die Fäden für die Großveranstaltung zusammenlaufen.

In diesem Jahr mussten die Kreativen, die die Organisation in wechselnder Besetzung immer übernehmen, jedoch ohne eine Finanzspritze und größere personelle Unterstützung von Seiten der Stadt auskommen, da keine Haushaltsmittel bewilligt waren. Den Sponsoren, die in die Finanzierungslücke einsprangen, sei man dankbar, sagte Stadtrat Walter Herbert bei der offiziellen Eröffnung, ebenso den Künstlern aus Babenhausen und der Umgebung, die alle auf Gagen verzichteten.

Malerin Ine Reichart lud die Besucher ein, auf der Veranstaltung selbst kreativ zu werden.

Der Wechsel von der Stadthalle als Veranstaltungsort in die historische Mühle mit ihrem Hof und dem idyllischen Biergarten tat dem Kulturgenuss keinen Abbruch. Im Gegenteil. Für das im Vergleich zu den Vorjahren reduzierte Programm bot sie das perfekte Ambiente. „Wir haben uns gedacht, bevor es ganz ausfällt, machen wir es lieber in einem kleineren Rahmen“, sagte Malerin Ine Reichart, die nicht nur eigene Werke präsentierte, sondern in einem Pavillon hinter der Mühle mit ihrem Kollegen Dieter Hartmann aus Mainhausen die großen und kleinen Besucher einlud, selbst mit Pinsel und Acrylfarbe kreativ zu werden.

Neben der Schau der Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Holzobjekte im großen Saal genossen die Besucher auch, mit den Kunstschaffenden ins Gespräch zu kommen. So war der Harreshäuser Martin Fleischmann immer wieder von Leuten belagert, denen er die Entstehung seiner interessanten und oft auch funktionalen Holzobjekte, wie beispielsweise Schalen aus Maserknollen, erläuterte. Er hatte so ungewöhnliche Exponate wie einen aus vielen Holzschichten in Pyramidenform gebauten Couchtisch mit dreidimensionalem Inlay mitgebracht.

Im Hof der Mühle hielt der „Mirror-Man“ Stefan Grote den Gästen mit seinem Ganzkörper-Kostüm den Spiegel vor und unterhielt mit kleinen Kunststücken. Hier hatte auch die Musiktherapeutin und Bewusstseincoach Karin-Gabriele Hoffer einen Stand aufgebaut, an dem die Besucher eingeladen waren, gemeinsam ein Bild zu malen, dass dann am Sonntagnachmittag zugunsten des Lebensmittelpunktes und des Tierheims versteigert werden sollte.

Bilder: Kunst- und Kulturtage in der Stadthalle

Für Illusionen und Zauberei war der Magier Frank Zick im Einsatz. Er moderierte auch souverän den gut besuchten „Bunten Abend“, bei dem Renata Ding und ihr Flötenensemble, zu dem Daniel Schreeck, Ben Meixner und Emil Schnur gehörten, die Musik beisteuerten. Viel Applaus erhielten auch die Gedichtvorträge von Uwe Friedrich, darunter seine humorvolle Erweiterung und Übersetzung von Joachim Ringelnatz Gedicht „Die Ameisen“ in Babenhäuser Mundart. Seine Rezitationen und die von Autor Alex Sonnentag selbst verfassten Haiku und Tanka, eine traditionelle japanische Gedichtform, bildeten einen gelungenen Kontrast zu den Zaubertricks und den Auftritten des Komödien- und Volkstheaters Fischer-May, das mit einem Schlager-Medley und Improvisationstheater vertreten war. Ungewöhnlich und ein Beweis für das breite Spektrum der Künstlergemeinschaft war die meditative Eröffnung des Abendprogramms durch den Klangpädagogen Harald Schneider, der einen großen Sonnengong „bearbeitete“ und die Zuschauer aufforderte, in sich hinein zu spüren und die Schwingungen wahrzunehmen.

Quelle: op-online.de

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