Deutscher Mühlentag: Deftiges im Kulturdenkmal

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Beim Mühlentag gab es für die Besucher Rundgänge.

Hergershausen - „Ich fahre seit Jahren an dieser Mühle vorbei“, sagte eine Eppertshäuserin. Sie nutzte am Pfingstmontag die Möglichkeit, einen Blick ins Innere der historischen Langfeldsmühle am Ortsrand von Hergershausen zu werfen. Von Petra Grimm

Zum vierten Mal beteiligte sich Thomas Winter , seit sechs Jahren Besitzer des malerischen Gehöfts an der Gersprenz, am Deutschen Mühlentag. Neben einem geselligen Fest im Innenhof der 1692 erbauten Mühle lud er zu informativen Führungen ein, nach denen eine regen Nachfrage bestand.

Am Mühlentag gemütlich verweilen konnten die Gäste jetzt schon.

Aus dem ganzen Umland, bis aus Darmstadt oder dem Kreis Offenbach, waren trotz des eher kühlen Wetters zahlreiche Besucher angereist. Bei den Rundgängen war allerhand über die Geschichte der von Georg Kolb, einem Müller aus dem Spessart, erbauten Langfeldsmühle und das inzwischen ausgestorbene Handwerk zu erfahren. Auch wenn in ganz Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg das Mühlensterben begann, wurde in Hergershausen doch noch recht lange Korn gemahlen. „Erst in den 1970er Jahren wurde der Mühlenbetrieb eingestellt. 1960 wurde das letzte Mühlrad, das einen stattlichen Durchmesser von zehn Metern und ein Gewicht von sieben Tonnen hatte, abgebaut. Gemahlen wurde dann mit Elektromotoren. Für Elektrizität sorgt seit 1963 eine Wasserturbine“, sagte Winter, der die Abläufe in der über die Jahrhunderte erweiterten Mühle, in die später auch Landwirtschaft integriert war, erläuterte. Er hatte auch die ein oder andere Anekdote parat. So mussten die Zuhörer doch erstaunt schmunzeln, als Winter vom Abrieb der aus Sandstein bestehenden Mühlsteine erzählte. „Der Sandstein gelangte ins Mehl und konnte nicht mehr entfernt werden. Das hatte den Effekt, dass die Menschen, die dieses Mehl aßen, ihre Zähne deutlich schneller abnutzten.“

Mühlen beheimateten einst über 180 Berufe

Alle Mühlen in Deutschland sind als Kulturdenkmäler geschützt. „Denn sie haben die Menschheit durch ihre technische Entwicklung enorm vorangebracht“, sagte der Hergershäuser. Über 180 verschiedene Berufe seien früher in Mühlen beheimatet gewesen. Korn- und Sägemühlen oder auch Hammermühlen mit Schmieden sind ja vielleicht noch bekannt.

„Es wurden in Mühlen beispielsweise auch Spiegel geschliffen und in England haben sie Sauerstoff in die Bergwerke geblasen. Bis ins 18. Jahrhundert war die Technik in den Mühlen Hightech. Das was in unserer Zeit die Computer sind“, sagte Winter, der mit seiner Tag und Nacht laufenden Wasserturbine maximal 30 Kilowatt Strom in der Stunde produzieren kann. Was er nicht selbst verbraucht, wird ins Netz eingespeist. Nach der abschließenden Besichtigung des Technikbereichs genossen die Besucher noch Speis und Trank in der besonderen Umgebung, in der in Kürze regelmäßig Publikumsverkehr erwünscht ist. Denn nach eineinhalb Jahren Umbau wird Thomas Winter in etwa zwei Wochen sein Gartenlokal in der Mühle offiziell eröffnen. „Der genaue Termin steht noch nicht fest“, sagte er.

Der künftige Mühlenwirt braucht nur noch eins: endlich Sommer

Beim Mühlenfest, bei dem auch Ponyreiten und ein Konzert des TVH-Blasorchesters für Unterhaltung von Klein und Groß sorgten, war das gemütliche Lokal im ehemaligen Kuhstall bereits gut besetzt. Im Schankraum finden 40 Gäste Platz und im großen Außenbereich neben dem Gehöft noch einmal 80 Personen. Das schöne Ausflugsziel wird an den Wochenenden, freitags und samstags ab 12 Uhr und sonntags ab 10 Uhr, immer bis 22 Uhr, zum Verweilen einladen. Angeboten werden deftige Speisen, wie Handkäs, Hausmacher Wurstplatten, Salate und Hackbraten. Jetzt braucht der künftige Mühlenwirt – wie wir alle – nur noch eins: endlich Sommer.

Quelle: op-online.de

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