Nach einigem Hin und Her doch ein Stützpunkt

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Vor 20 Jahren verlegten die Brandschützer ihre Unterkunft in die Seligenstädter Straße.

Babenhausen (st) - Heute jährt sich zum 20. Mal ein denkwürdiger Tag für die Feuerwehr Babenhausen. Am 7. April 1991 konnten die Brandschützer ihr neues Zuhause in der Seligenstädter Straße 23a beziehen. Damit endete ein langjähriges Hin und Her um eine neue, den Anforderungen entsprechende Unterkunft.

Was 1975 als unbedingte Notwendigkeit festgestellt wurde, brauchte einen langen Atem bis zur Verwirklichung, wie Werner Flechsenhar, Pressesprecher der Feuerwehr, in einer Rückschau darstellt. Erweiterungs- beziehungsweise Neubauwünsche der Feuerwehr in Verbindung mit einem Beschluss des Kreistages, eine Stützpunktfeuerwehr zu errichten, waren die Grundlage für Überlegungen zur Zukunft der Feuerwehr. „Im Grundsatz war also klar, dass die bisherige Lösung nur ein Provisorium sein konnte“, so Flechsenhar.

Und dennoch zeigte sich sehr schnell eine Babenhäuser Besonderheit: In der Notwendigkeit unumstritten, wurde das Projekt von der Politik aufgeweicht und zerrieben. Zahlreiche Vorschläge von der Renovierung bis zum Neubau an verschiedenen Orten wurden diskutiert und verworfen, neu aufgelegt und erneut verworfen. Endlose und im Kern auch fruchtlose Diskussionen in allen städtischen und politischen Gremien zogen sich wie ein roter Faden durch eine schier endlose Geschichte. Werner Flechsenhar: „Auf Bedürfnisse der Feuerwehr und die Sicherheit der Bürger wurde dabei nur bedingt Rücksicht genommen.“

Aha-Effekt war groß

Das andauernde politische Gezänk, die bis dahin aussichtslose Lage und viele, aber letztendlich abgelehnte Vorschläge zur Neupositionierung, inklusive der Alternative Komplettrenovierung des bestehenden Provisoriums in der Fahrstraße führten im Mai 1986 zu einer Aufsehen erregenden Aktion der Einsatzkräfte: Bei einer Stadtverordnetenversammlung legten 45 Aktive ihren Dienst nieder und überreichten den politisch Verantwortlichen ihre Funkalarmempfänger. Der Aha-Effekt war groß, überregionale Zeitungen und das Hessen-Fernsehen berichteten über die bis dahin einzigartige Aktion.

Da sich aber die Führung der Feuerwehr sehr wohl ihrer Verantwortung für die Sicherheit der Bürger Babenhausens bewusst war, wurden vom damaligen Stadtbrandinspektor Grimm zahlreiche Aktive zur Weiterführung ihres Dienstes und zur Sicherstellung des Brandschutzes „zwangs“verpflichtet. Selbstverständlich wurde diese Verpflichtung ohne Zögern umgesetzt.

Dieser bis dahin in Deutschland einmalige Vorgang und der Zufall brachten dann Bewegung in die Angelegenheit: Ein ausreichend großes und verkehrsgünstiges Gelände in der Seligenstädter Straße, eine ehemalige Gärtnerei, wurde der Stadt zum Kauf angeboten. Und was niemand für möglich gehalten hatte passierte dann doch: Die politisch Verantwortlichen der Stadt fanden zusammen und der neue Standort für den Stützpunkt war gefunden. Trotz Konsens aller Beteiligten und Dringlichkeit dauerte es aber noch bis 1987, bis der Architektenwettbewerb öffentlich ausgeschrieben wurde.

20 Jahre Dienst für den Bürger

Im Frühsommer 1989 wurden von Land und Kreis der Bauzuschuss zugesagt und die erforderlichen Arbeiten vergeben. Und plötzlich ging alles ganz schnell: Im Juli 1989 war der erste Spatenstich, im September Grundsteinlegung und im Februar 1990 Richtfest. 20 Monate nach dem Spatenstich war der große Tag gekommen: Am 6. und 7. April wurde der Feuerwehrstützpunkt seiner Bestimmung übergeben. Am erstmaligen Tag der offenen Tür präsentierte sich die Feuerwehr der Öffentlichkeit und übernahm stolz ihr neues Heim. Vorbei die Zeit der Provisorien und der beengten Ausfahrten in der Fahrstraße. Noch wichtiger: Jetzt konnte die Schutzkleidung ohne Einatmen von Abgasen und mit genügend Platz angezogen werden. Die Möglichkeit, nach den Einsätzen zu duschen, war für die Feuerwehrangehörigen eine neue Erfahrung. Flechsenhar: „So waren die Baukosten von 5,6 Millionen Mark (2,8 Millionen Euro) eine für die Stadt und die Sicherheit der Bürger und die Einsatzkräfte absolut lohnende Investition.“

20 Jahre Stützpunkt bedeuten vor allem 20 Jahre Dienst für den Bürger, nicht nur bei rund 2500 Brand- und Hilfeleistungs-Einsätzen in dieser Zeit, bei ungezählten Absperrdiensten zur Unterstützung der Vereine und bei vielen Einsätzen der Feldküche: Langweilig wird ein Feuerwehrleben nie. Denn um sich den Erfordernissen anzupassen, müssen viele Lehrgänge und Seminare auf Kreisebene und in der Feuerwehrschule in Kassel besucht werden. Schulungsabende, Übungen und Erste-Hilfe-Kurse bilden das Gerüst für die Weiterbildung auf Standortebene. 1991 wurde der Stützpunkt Babenhausen zu einem der Ausbildungsstandorte im Landkreis. Grund- und Truppführerlehrgänge, sowie Seminare zur Höhensicherung werden in regelmäßigen Abständen absolviert

Nicht vergessen werden soll aber auch der Höhepunkt im Veranstaltungsleben: Jedes Jahr am dritten Samstag im Juli findet das traditionelle Sommernachtsfest statt. So wird auch die Arbeit der Feuerwehr im kulturellen Bereich honoriert. Interessenten für den Feuerwehrdienst sind gerne gesehen: Zum „Schnuppern“ besteht jeden Donnerstag im Stützpunkt die Möglichkeit.

Quelle: op-online.de

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