Nach 20 Jahren wieder ein Austausch mit Frankreich

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Neben Unterrichtsbesuchen standen mit den französischen Austauschschülern auch diverse Ausflüge in der Umgebung an.

Babenhausen - (mj) „Oui, oui“, sagt Evelyn Ricker und bejaht damit nicht nur einmal die Frage des OP-Reporters auf Französisch. Und auch sonst taucht hier und da immer wieder französisches Vokabular in ihrem Redefluss auf.

Dass die französische Sprache derzeit bei der Referendarin der Offenen Schule eine übergeordnete Rolle einnimmt, hängt mit den jungen Gästen aus dem Nachbarland zusammen, die im Rahmen eines Schüleraustauschs sich seit einer Woche in Babenhausen befinden.

Die Gruppe im Alter von 15 bis 16 Jahren reiste letzten Freitag mit dem Zug an. Neben Unterrichtsbesuchen standen diese Woche diverse Ausflüge in die Umgebung an, darunter auch nach Frankfurt. Am Mittwoch unternahm man einen historischen Rundgang in der Gersprenzstadt, den Ute Wittenberger leitete. Die ehemalige Französisch-Lehrerin im Ruhestand war dafür prädestiniert. Danach wurde die elfköpfige Gruppe von Bürgermeisterin Gabi Coutandin im Rathaus empfangen. Wie die Verwaltungschefin sagte, seien solche Kontakte wichtig, da man sich bei allem Fremden erstmal durch Vorurteile leiten lasse: „Erst bei einem direkten Kontakt wird deutlich, dass alleine die Persönlichkeit eines Menschen zählt und nicht dessen Nationalität, Hautfarbe oder Religion.“ Die Schüler rief sie dazu auf, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass Europa vielfältige Chancen für ihren zukünftigen Arbeitsplatz bietet.

Zur Überraschung kommen die französischen Austauschschüler nicht aus Bouxwiller, sondern aus Saint Maixent L`Ecole. Die Stadt liegt rund 100 Kilometer von der Atlantikküste entfernt. Genauso weit ist es auch nach La Rochelle, einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. „Das schauen wir uns auf alle Fälle an“, freut sich Ricker schon jetzt auf den Gegenbesuch, der für das kommende Frühjahr bereits beschlossene Sache ist. Den Kontakt ins Nachbarland hat die 26-jährige Referendarin im Internet geknüpft. Die Schüler der beiden Austauschgruppen lernen seit etwa drei beziehungsweise vier Jahren die Sprache des anderen Landes. Die deutsche Gruppe besteht aus Realschülern und Gymnasiasten.

Die jüngst geknüpften Kontakte sind insofern etwas Besonderes, da es Ricker geschafft hat, nach 20 Jahren für die Offene Schule erneut einen Schüleraustausch mit Frankreich auf die Beine zu stellen. Zwar führten hin und wieder Klassen- und Studienfahrten ins Nachbarland, aber ohne festen Kontakt zu dortigen Schulen.

Saint-Maixent-l'École ist eine französische Gemeinde im Département Deux-Sèvres in der Region Poitou-Charentes; sie gehört zum Arrondissement Niort und ist der Verwaltungssitz der Kantone Saint-Maixent-l'École-1 und Saint-Maixent-l’École-2.

Von der neuen Partnerschaft zeigte sich auch Michael Steinhaus, ebenfalls Französisch-Lehrer an der Offenen Schule, begeistert. Er kann die Frage beantworten, warum die Bande nicht zu einer Schule nach Bouxwiller reicht: „So etwas hängt immer vom Engagement der verantwortlichen Lehrer ab.“ In Bouxwiller habe sich die nötige Begeisterung auch aufgrund der unterschiedlichen Schulsysteme leider immer in Grenzen gehalten. Anfängliche Kontakte hätten sich, trotz Bemühungen aus Babenhausen, deshalb nicht aufrecht erhalten lassen. So sei man nun doppelt froh, dass nach einer so langen Zeit wieder ein Austausch, bei dem die Schüler in den jeweiligen Gastfamilien übernachten und auf diese Weise die andere Kultur hautnah kennenlernen, zustande gekommen ist.

Laut Ricker klappe die bisherige Verständigung hervorragend. So hätten die deutschen Schüler mit ihren französischen Kollegen bereits eine Fastnachtsparty gefeiert. „Die Gastgeber haben ganz unkompliziert ein paar Kostüme für die Franzosen besorgt“, sagt die Referendarin nicht ohne Stolz. Mittlerweile sollen es die Gäste bedauern, dass am heutigen Freitag bereits schon wieder der Zug zurück in die Heimat fährt. Den großen Fastnachtsumzug am Dienstag hätten sie alle gerne noch gesehen. So hofft man nicht nur auf französischer Seite auf eine baldige Rückkehr, um in naher Zukunft in deutsch-französischer Freundschaft dieses Babenhäuser Kulturgut zu erleben.

Quelle: op-online.de

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