Nachfolger für Traditionshaus gesucht

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Für Harald Willand kann ein Einzelhändler auch dieser Tage noch erfolgreich sein.

Babenhausen - Der Fastnachtswagen der „Eintracht“ machte es am Dienstag düster deutlich: In der Bummelgass herrschen chinesische Pflastersteine und in den Geschäften immer mehr Billigartikel aus Fernost vor, während der lokale Einzelhandel langsam ausstirbt. In wenigen Monaten könnte auch „Farben Willand“ schließen. Von Michael Just

Da mag es nur wenig trösten, dass Harald Willand nicht das Feld räumt, weil der Umsatz nicht stimmt, sondern weil er mit 65 Jahren in den verdienten Ruhestand geht. Derzeit ist man in der Schlossgasse aber um einen Nachfolger bemüht.

„Farben Willand“ gehört zu den großen Traditionsgeschäften in Babenhausen, das Martin und Anna Willand nach dem Krieg gründeten. Mit dem Tod des Vaters 1976 übernahm Harald Willand den elterlichen Betrieb, nachdem er sich zuvor zehn Jahre lang als selbstständiger Einzelhandelsvertreter und Abteilungsleiter bei Farben Krauth in Darmstadt das nötige Rüstzeug holte. Passioniert baute er das Geschäft räumlich aus und ging mit viel Kompetenz und Gespür auf die Kundenwünsche ein. Wer den Verkaufsraum betritt, ist überrascht, was sich alles finden lässt: Neben Farben und Lacken gibt es Bastel- und Künstlerbedarf, Bilderrahmen, Tapeten, Teppichboden, Kunststoffbeläge, Laminat oder Parkett. Für die entsprechenden Arbeiten hat der Geschäftsinhaber diverse Subunternehmer parat. Stolz kann man auch auf zwei hochmoderne Farbmischmaschinen verweisen, mit denen sich eine Million verschiedene Rezepte kreieren lassen. Selbst beim Autolack gibt es keinen Farbton, den Harald Willand nicht mischen kann.

Dass man bis heute überleben konnte, führt Elisabeth Willand neben den wichtigen Faktoren Auswahl und Qualität auf die Kundennähe zurück. „Beratung ist unser plus. Wir stellen keine Farbe ins Regal und der Kunde holt sie sich dann alleine raus.“ Man frage in jedem Einzelfall nach, für was das Produkt gebraucht werde. „Nur wenn der Kunde das Richtige bekommt und zuhause ein Erfolgserlebnis hat, kommt er zurück.“ Elisabeth Willand vergleicht das Prinzip mit einem Tante-Emma-Laden: „Wer nicht mit Herzblut berät und keine Ahnung mitbringt, kann so einen Laden nicht erfolgreich führen.“ Für das Ehepaar sind 55 bis 60 Arbeitsstunden pro Woche fast die Regel. Auch aus diesem Grund haben sich ihre beiden Kinder andere Berufe gewählt.

Für Harald Willand kann ein Einzelhändler auch dieser Tage noch erfolgreich sein. Trotzdem gibt er zu, dass die Zeiten schwieriger geworden. „Viele Kunden gucken erstmal im Internet, wenn sie etwas brauchen.“ Dazu fehle den meisten Firmengründern heute das nötige Eigenkapital, was durch Zukunfts- und Investitionsängste erschwert werde. Für wichtig hält er eine nachhaltige Aufklärung der Kunden: Dem werde durch Werbung immer suggeriert, dass die Großmärkte billig und der Einzelhandel teuer sind. Das sei falsch: Zwar gebe es dort günstige Artikel, doch vieles sei oft auch teurer als im Einzelhandel. Nicht zuletzt gibt er der Politik eine Teilschuld: Vor allem bei der Altstadtsanierung habe man viel Gleichgültigkeit für die Geschäftsbeeinträchtigungen aus dem Rathaus erfahren. Überhaupt werde die Bedeutung des Mittelstandes nicht erkannt. „Dem gehören rund 80 Prozent aller Betriebe an und die gleiche Prozentzahl der Gewerbesteuer kommt auch von da.“ So sei es nicht verständlich, dass, wenn jetzt große Unternehmen in der Wirtschaftskrise um Hilfe rufen, die Politik umgehend zur Stelle ist. Vor allem, weil diese kaum Steuern bezahlen. „Derzeit sind jährlich rund 60 000 mittelständische Betriebe mit mehreren hunderttausend Beschäftigen in ihrer Existenz gefährdet. Dagegen verblassen die Mitarbeiterzahlen der sogenannten Großen. Zu deren Rettung wird aber wenig oder gar nichts getan.“

Derzeit hofft Willand, dass er einen Nachfolger für sein Geschäft findet. „Im Umkreis von vielen Kilometern gibt es kein Farbenfachgeschäft mehr.“ Hier entstehe eine Nische. Dass es den Namen „Farben Willand“ vielleicht bald nicht mehr gibt, macht den Einzelhändler mit Blick auf den Ruhestand nicht traurig. Leid tue es ihm nur um seine Kunden, die sich dann im immer spärlicher werdenden Angebot der Fachgeschäfte neu orientieren müssten. So wünschen Willand derzeit viele ein glückliches Händchen bei der Suche nach einem Nachfolger, damit dieses Traditionsgeschäft in Zeiten „chinesischer Pflastersteine“ und fernöstlicher Billigprodukte nicht auch noch von der Babenhäuser Bildfläche verschwindet.

Quelle: op-online.de

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