Eine Bank mit Botschaft

„Nacht der Lichter“ lockt heute Abend in die Altstadt

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Bank mit Botschaft – nicht zum Setzen, sondern zum Nachdenken ist dieses Werk von Norbert Biba gedacht. Sie soll ein Zeichen setzen gegen Rassismus und Diskriminierung.

Babenhausen - Heute Abend wird die „Nacht der Lichter“ ab 18 Uhr wieder viele Besucher in die Bummelgass‘ ziehen. Zwischendurch dürften das eine oder andere Paar Füße müde vom Laufen und Einkaufen werden.

Norbert Biba

Doch Vorsicht: Nicht jede Bank, die am Wegesrand steht, ist zum Niederlassen gedacht. Dazu gehört das Exemplar, das vor der Buchhandlung „Auslese“ steht. Auf der rechten Seite ist es strahlend weiß, auf der linken dagegen dunkel, abgewetzt und sogar beschädigt. „Die Bank soll an das einstige Apartheidsystem in Südafrika erinnern. Sie ist ein Mahnmal gegen Rassismus“, sagt Norbert Biba, der hinter dem Objekt steht. Bis Anfang der 1990er Jahre herrschte am Kap eine strikte Rassentrennung sowie die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung. Neben unterschiedlichen Schulen oder Gaststätten gab es für Schwarze auch andere Plätze oder Sitzbänke. Schilder wie „Nur für Europäer“ drückten indirekt aus, dass Farbige darauf nichts zu suchen haben.

Biba ist ein Babenhäuser Bub. Der 59-Jährige wuchs in der Gersprenzstadt auf, seine Mutter spielte über viele Jahre die Orgel in der katholischen Pfarrei St. Josef. Heute wohnt er in Frankfurt und arbeitet als Selbstständiger in der Autoverglasung. Regelmäßig kommt er nach Babenhausen, um die Mutter zu besuchen oder Jahrgangskollegen zu treffen. Biba ist kein Künstler, versucht aber mithilfe von Kunst Bewusstsein für die Gefahren von Diskriminierung zu schaffen. Aufgrund rassistischer Tendenzen, die sich Bibas Meinung nach derzeit verstärkt in der Gesellschaft auftun, sieht er sich umso mehr gefragt.

Die ersten Verbindungen zum Thema entstanden Mitte der 1980er Jahre in London, wo er als Assistenzlehrer arbeitete und auf Südafrikaner im Exil traf. Nach der Freilassung Nelson Mandelas war er dabei, als dieser Ostern 1990 seinen ersten großen Auftritt im Londoner Wembley-Stadion feierte. Bis heute ging es über ein Dutzend Mal zum Kap. Biba betätigte sich als Mitorganisator oder Kurator von Ausstellungen, darunter 2006 im Apartheid-Museum in Johannesburg oder auf Robben Island, der ehemaligen Gefängnisinsel von Nelson Mandela. Ihn sah er zu Lebzeiten einmal ganz nah bei einer Trauerfeier in Soweto. Im Apartheid-Museum reifte bei Biba die Idee, „Sitzbänke mit Verbot“ als Mahnmal in der Heimat aufzustellen. In der deutschen Geschichte ergeben sich dazu Parallelen, da der Nationalsozialismus gegenüber Juden ebenfalls ähnliche Einschränkungen praktizierte.

Die Bank, die heute Abend zu sehen ist, entstand vor drei Jahren in einer Kooperation mit der Frankfurter Heinrich-Kleyer-Schule. Im Kunstunterricht widmeten sich Schüler Bau und Hintergrund. Während der Herstellung stimmte die Schweiz gerade über eine Begrenzung der Zuwanderung ab. „Das erklärt auch die Aufschrift ,Nur für Schweizer’ und ,Rest von Europa‘. Damit haben die Schüler die Grundidee auf interessante Weise weitergesponnen“, führt Biba an.

Sein Plan ist es, dass die Bank an möglichst viele Orte wandert und Bewusstsein schafft. Bisher fiel sie schon in Frankfurt, Offenbach und Dieburg auf. Auch im Umfeld der Documenta in Kassel war sie zu sehen. Nach einer Anfrage Bibas bei der Frankfurter Buchmesse fand sie selbst dorthin ihren Weg. Tolle Erfahrungen machte der 59-Jährige mit einer Reihe von Prominenten, die auf der Buchmesse ihren Rundgang bei der Bank stoppten und die Aktion gut fanden. Darunter waren die Autorin Susanne Fröhlich, René Böll (Sohn von Heinrich Böll), Anselm Grün oder Bastian Bielendorfer.

Den Weg zur „Nacht der Lichter“ ebnete mit Günter W. Blickhan ein Babenhäuser Schulfreund von Biba. Danach geht die Bank weiter auf Reisen, darunter im März 2018 auf die Leipziger Buchmesse. (mj)

Quelle: op-online.de

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