Buslinie 677 wird eingestellt

Fahrplanwechsel: Nachtschwärmer müssen warten

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Historisches Fahrzeug auf einem historischen Bild:  Der sogenannte Gläserne Zug aus dem Baujahr 1935 durchfährt bei seiner Sonderfahrt am 10. Mai 1977 den Bahnhof Babenhausen in Richtung Dieburg. Im Hintergrund ist die B26 in Richtung Stockstadt zu sehen.

Babenhausen - Für Nachtschwärmer, die den Öffentlichen Personennahverkehr nutzen, ändert sich von Samstag auf Sonntag etwas. Mit dem Fahrplanwechsel wird die Nachtbuslinie 677 eingestellt. Auf Menschen wie Alexander Schaub aus Sickenhofen kommen lange Wartezeiten zu.

„Der Fahrplanwechsel hält für die Fahrgäste im RMV-Gebiet viele Verbesserungen bereit: Die S-Bahnen sind künftig noch länger im 15-Minuten-Takt unterwegs und es werden zusätzliche Spät- und Wochenendfahrten eingerichtet“, heißt es in der Pressemitteilung des RMV zum Fahrplanwechsel am kommenden Sonntag. Für den Sickenhöfer Alexander Schaub klingt das wie blanker Hohn. Denn er profitiert so gar nicht von den versprochenen Verbesserungen. Das Gegenteil ist der Fall. Vor allem, weil die Nachtbuslinie 677 eingestellt wird, die zuvor alle Ortsteile zwischen Darmstadt und Aschaffenburg an den Nachtverkehr anband, auch die, die keinen Bahnhof haben wie Sickenhofen und Schaafheim. „Es wurde ein adäquater Ersatz versprochen, die Linie 671 wird neu eingeführt, welche in Schaafheim statt in Aschaffenburg endet. Dafür fährt die RB 75 auch nachts. So das Versprechen,“ berichtet Schaub. Doch seine Recherche ergab: Die Planung für den Nachtverkehr ist für Menschen wie ihn „unpraktikabel“ geworden.

Er führt Beispiele an: Die Linie 677 fuhr bisher zweimal nachts von Aschaffenburg nach Darmstadt (Abfahrt in Babenhausen um 23.30 und 0.30 Uhr). Eine Anbindung an die Vias aus Frankfurt war somit gegeben (23.30 Uhr). Doch ab dem Fahrplanwechsel fährt nur noch der Bus um 0.25 Uhr, eine Anbindung an die Vias ist nicht mehr möglich. Dadurch, dass die Vias-Bahn RE85 nun knapp eine Stunde später fährt (Abfahrt Frankfurt Hauptbahnhof 23.16 Uhr, Ankunft Babenhausen 23.56 Uhr), müssen Feiernde aus der Region Frankfurt zukünftig nach Sickenhofen 29 Minuten und auf den Bus nach Schaafheim 46 Minuten warten. Und das in der Nacht.

Auch Fahrten von Darmstadt nach Sickenhofen am Wochenende sind erschwert. Eine Anbindung in den Babenhäuser Stadtteil ist zwischen 18.32 und 23.32 Uhr nicht mehr vorgesehen. Die erste Verbindung zurück fährt nicht mehr wie bisher um 22.38 Uhr ab Darmstadt Hauptbahnhof, sondern zukünftig erst zwei Stunden später um 0.42 Uhr. „Sollte man so lange nicht durchhalten, kann man natürlich den Zug um 23.23 Uhr nach Babenhausen nehmen und 27 Minuten auf den Bus 671 warten“, übt sich Schaub in Sarkasmus.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

Dass Schaub nach Alternativen sucht, beweist er mit dem weiteren Beispiel: Von Frankfurt kann man mit der S1 nach Rödermark fahren, in die RB 61 nach Dieburg umsteigen und dann den Bus nach Hause nehmen. „War bisher nie ein Problem“, so der Sickenhöfer. Doch zukünftig müsste er einen längeren Fußmarsch auf sich nehmen. Denn der neue „671er“ fährt den Dieburger Bahnhof nicht mehr an, sondern unter anderem nur noch die Haltestelle „Schießmauer“ – immerhin rund 700 Meter vom Bahnhof entfernt.

„Dieser Fahrplan zeigt wieder einmal, dass der ländliche Raum immer mehr vernachlässigt und nicht ordnungsgerecht an den Nachtverkehr angeschlossen wird. Wie soll man motiviert werden Bus und Bahn zu nutzen und die Umwelt zu schonen, wenn es einem so schwer gemacht wird?“, fragt er. Und er hat auch eine klare Forderung: Die Politik soll sich für mehr Verbindungen mit Bussen nach Schaafheim und in die Babenhäuser Stadtteile Harreshausen, Langstadt, Harpertshausen einsetzen. Er plädiert außerdem für Anruf-Sammel-Taxis, wie sie etwa in Rodgau oder in Dieburg angeboten werden. (nkö)

Quelle: op-online.de

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