Nachwuchs bleibt aus

Jugendfeuerwehr in der Kernstadt zählt immer weniger Mitglieder

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Bei großen Schauübungen in der Vergangenheit demonstrierte die Jugendfeuerwehr in der Kernstadt immer wieder ihr Können. Allerdings schrumpft die Mitgliederzahl kontinuierlich. Hoffnungsschimmer: In den Ortsteilen sieht es besser aus.

Babenhausen - Dass die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Babenhausen händeringend Personal sucht, ist schon ein großes Problem. Vergrößert wird es allerdings noch dadurch, dass auch die Jugendfeuerwehr in der Kernstadt Nachwuchssorgen hat. Von Petra Grimm 

Mit der berühmten literarischen Figur Don Quijote, der vergebens gegen Windmühlen kämpft, die er für Riesen hält, stieg der bisherige Babenhäuser Jugendfeuerwehrwart Thomas Olstinski bei der Jahreshauptversammlung der Nachwuchsabteilung in seinen Bericht über das zurückliegende Jahr ein. Dieses Bild und die davon abgeleitete Redensart „gegen Windmühlen kämpfen“ beschreibe einen aussichtslosen Feldzug gegen einen unveränderbaren Zustand. Und so scheint sich Olstinski bei seinem Kampf gegen das kontinuierliche Schrumpfen der Babenhäuser Jugendfeuerwehr offensichtlich zu fühlen. Mit aktuell neun Mitgliedern steht es tatsächlich nicht gut um den Feuerwehrnachwuchs in der Kernstadt, aus dem ja im Wesentlichen die Aktiven der Einsatzabteilung rekrutiert werden.

Am vielfältigen Engagement des großen Betreuerteams und des Jugendwartes kann es nicht liegen. Denn zum einen werden neben den gemeinsamen Gruppenstunden Ausflüge, Veranstaltungen und andere Freizeitaktivitäten geboten. Und zum anderen bemühten sich Olstinski und sein Team um Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederwerbung bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Seien es Feste in Babenhausen, bei denen sie mit Aktionsständen regelmäßig dabei sind, Projektunterricht in der Schule oder auch in früheren Jahren die Präsentation bei den Ferienspielen. Nichts davon hat neue Mitglieder gebracht.

Vor gerade mal 15 Jahren waren noch über 30 Jugendliche in der Nachwuchsabteilung. Alle Gespräche, auch mit Vertretern der Kreisjugendfeuerwehr, hätten nicht weitergeholfen. „Ich habe hier keine Ideen mehr und stehe mit dem Rücken gefühlt an der Wand“, so Olstinski, der bei den Neuwahlen im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Einsatzabteilung drei Tage vor der Jugendversammlung wegen seines Wohnortwechsels nicht mehr angetreten war. Zu seinem Nachfolger wurde Sascha Wildgrube und als stellvertretender Jugendwart Sören Grundmann gewählt. Mit einer versöhnlichen Aussage schloss Olstinski seinen Vortrag. „Fast 20 Jahre mache ich nun schon Jugendausbildung, davon knapp zwölf Jahre in Führungsposition. Ich habe mit der Jugendfeuerwehr Höhen und Tiefen erlebt. Trotz alledem hat mir die Arbeit immer sehr viel Spaß gemacht. Ich bin stolz darauf, wer von den Aktiven schon alles in der Jugendfeuerwehr war, als ich Betreuer war und so durch mich ausgebildet wurde“. Es schmerze ihn besonders, die Jugendfeuerwehr an diesem Tiefpunkt verlassen zu müssen. „Ich hinterlasse meinen Nachfolgern ein schweres Erbe“.

Jahresabschlussübung der Freiwilligen Feuerwehr

Die Lage sei ernst, aber man dürfe die Hoffnung nicht aufgeben und müsse die Kinder, die noch dabei sind, in ihrem Engagement für die gute Sache bestärken, war der Tenor der Kommunalpolitiker, unter ihnen auch Landrat Klaus Peter Schellhaas, der den ausscheidenden Jugendwart ermunterte: „Deine Arbeit war trotzdem viel wert. Du hast junge Leute in die Einsatzabteilung geführt.“ So wie allgemeiner Konsens sei, dass die Jugendfeuerwehr als Unterbau für die Einsatzabteilung unverzichtbar ist, müsse man heute über einen eigenen Unterbau für die Jugendfeuerwehr nachdenken. „In Form einer Kinderfeuerwehr beispielsweise“, sagte der Landrat. Man müsse früher mit der Werbung ansetzen und die Kinder bereits im Grundschulalter für die Feuerwehrarbeit interessieren. „Denn im Alter von zehn oder zwölf Jahren fallen die Leute für die Jugendfeuerwehr nicht mehr vom Himmel. Die Angebotsvielfalt ist heute einfach viel größer.“ Stadtjugendfeuerwehrwart Frank Herdt verwies darauf, dass die Zahlen schon länger rückläufig seien: „Der Nachmittagsunterricht an den Schulen und die zahlreichen Hobbys, die die Kinder unter einen Hut bringen wollen, sind eine Ursache.“ Auch sei es in den Ortsteilen einfacher als in der Kernstadt, weil dort das Freizeitangebot geringer sei und man Kinder direkt ansprechen könne. „Besser neun motivierte Jugendfeuerwehrleute als 20 unmotivierte“, sagte Wehrführer Florian Sawallich.

In den neuen Jugendausschuss wurden Jan Reus (Jugendsprecher), Niklas Wange (Kassenwart), Erik Geißler (Schriftführer) und Nico Mazurkiewicz (Beisitzer) gewählt. Die Kasse werden Marcel Schlag und Tom Zappe prüfen.

Quelle: op-online.de

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