Nachwuchs unterstützt die Vöchel

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Die Glühweinkerb ist wieder in den Händen der Vöchel. Das wollten sich viele Besucher nicht entgehen lassen.

Harreshausen - Bereits von Weitem fallen sie auf: zwei ominöse Rohre, die neben der Theke kerzengerade in den Himmel ragen und ein paar Zentimeter größer als ein Erwachsener sind. Von Michael Just 

Unten führen sie zu zwei runden, weißen Metallkörpern in Emaille, die einem Ofen gleichen und mit Holzscheiten befeuert werden. Doch sind das wirklich Öfen? „Nein, das sind Worschtkessel. Darin machen wir unseren Glühwein warm“, erläutert Joachim Funk und deutet dabei auf die großen, offenen Hohlräume, in denen sich mehrere Töpfe erkennen lassen. Die ältere Generation kennt sie noch: Zu Großmutters Zeiten wurde in den Worschtkessel nach dem Schlachten die Worschtsuppe gekocht. Und auch zum Erhitzen von Wasser, etwa fürs Wäschewaschen, wurden sie in Zeiten, als noch nicht jeder eine Waschmaschine hatte, genutzt.

Am Samstag kamen die Kessel bei der Glühweinkerb in Harreshausen auf dem Oberwölzer Platz zum Einsatz. Die richteten die „Vöchel“, eine bekannte Stammtisch- und Freizeitgruppe, aus. Über viele Jahre bestimmten sie die Aktivitäten im Ort und sammelten dabei einen großen Fundus an „Gerätschaften“ für ihre öffentlichen Feiern an. Vor ein paar Jahren wurde es dann ruhiger um die Vöchel. Am 1. Mai diesen Jahres meldeten sie sich mit einem Fest zurück. Die Glühweinkerb war nun der zweite Streich, der belegt, dass der Stammtisch wieder Gas gibt. Zuvor hatten sich die TSV-Fußballer um die Ausrichtung der Glühweinkerb gekümmert, damit diese nicht ausstirbt. Nun gaben sie die Veranstaltung gerne wieder an ihre Erfinder zurück.

„In zwei Stunden war heute Morgen alles aufgebaut“, sagt Joachim Funk. Dabei gibt der 45-Jährige ein Lob an die „Jungvöchel“ weiter. Die Jungvögel sind die Söhne, und damit der Nachwuchs, der Gruppe. Die Kinderstube zeigt sich seit dem Comeback der Vöchel besonders engagiert, die „Alttiere“ zu unterstützen. Das rührt auch daher, dass man die Papas für ihre verschworene Gemeinschaft ein wenig bewundert. „Die Jungvöchel waren heute Morgen alle zehn bis 15 Minuten früher da als ausgemacht. Der Aufbau ging dann so schnell, dass wir nächstes Jahr später anfangen können“, erzählt der Harreshäuser über die Errichtung des Zelts, der Theke sowie einer Holzhütte.

Weihnachtsmarkt in Babenhausen

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Ausgeschenkt wurden ein paar Stunden später roter und weißer Glühwein sowie Lumumba. Ein selbst angesetzter, warmer Sliwowitz favorisierten jene, die auf die Freundschaft trinken wollten. Stärken ließ es sich am schwenkbaren Grill mit Bratwürsten und an der Holzhütte der Jungvöchel mit Waffeln und Schmalzbroten. Mit aktuellen Hits sorgte ein DJ für wechselnde Scheiben. „Wunderbar, romantisch, tolle Stimmung“, sagt Bettina Englisch (49) über die Winterkerb, für die die Harreshäuserin ihre Schwester Elke mitgebracht hat. Diese wohnt in Offenbach und verbrachte die Weihnachtstage in Harreshausen. „Heute geht‘s noch zurück. Deshalb trinke ich nur Kinderpunsch“, sagt der Gast vom Main lachend. Laut der Schwester gibt es eine Glühweinkerb in Offenbach nicht. Mit dem Neujahrsmarkt, einem verkaufsoffenen Sonntag mit Live-Musik, sei man aber dicht dran.

Insgesamt zeigte sich der Open-Air-Umtrunk in Harreshausen zwischen den Jahren als Magnet, der viele Bürger anzog. Mitverantwortlich dafür waren vor allem die Organisatoren und ihr Name: Trotz mehrjähriger Pause üben die Vöchel immer noch eine starke Anziehungskraft aus, weil sie für eine private –und damit authentische Veranstaltungskultur – stehen. Im nächsten Jahr will sich der Freudeskreis vielleicht sogar an ihren großen Klassiker, das Lappes-Fest, heranwagen. Mit Live-Musik und den Küchlein aus Kartoffel-Teig schufen sie einst ein Fest mit Kultcharakter, das Begeisterte aus der ganzen Umgebung nach Harreshausen zog.

Quelle: op-online.de

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