„Leben schaffen“

Ein Nahkauf versucht, in Langstadt zu überleben

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Nach der Eröffnung bildeten sich immer wieder Schlangen an der Kasse des Langstädter Lädchens.

Langstadt - Seit Jahren gibt es einen Traum in nahezu allen Babenhäuser Stadtteilen: Die Ansiedlung eines kleinen Lebensmittelladens. Vor kurzem wurde der Traum in Langstadt mit einem „Nahkauf“ war: Um 8 Uhr öffnete das „Langstädter Lädchen“ seine Türen. Von Michael Just

Ob Milchprodukte, frisches Obst und Gemüse, Tiefkühlkost, Hygiene-Artikel, Getränkekisten oder Zeitschriften: Fortan kann man sich die vier Kilometer durch den Wald in die Kernstadt sparen, der Nahversorger sitzt direkt vor der Haustüre. Die nicht geringe Anzahl von 3 500 Produkten steht auf 250 Quadratmetern zur Auswahl. Vier Angestellte, davon zwei in Voll- und zwei in Teilzeit, sorgen für den Betrieb. Hinter dem Laden steckt die S&S Nahversorgung GmbH von Alexander Schmidl und Kai-Uwe Schuchmann. S&S hat ihren Sitz in Langstadt und ist eine privatrechtliche Gesellschaft. „Das ist unser erstes Projekt dieser Art“, berichtet das Duo, das aus Darmstadt und Urberach kommt. Der Diplom-Volkswirt aus dem Bereich Bauunternehmung sowie der Ingenieur aus der Automobil-Zuliefererindustrie sind eigentlich branchenfremd. Nach dem Schlecker-Auszug ließ sich die Immobilie, die Alexander Schmidl gehört, nur schwer vermieten. So wurde die Flucht nach vorne angetreten: „Was wird im Ort gebraucht?“, fragten sich die Partner und mussten nicht lange überlegen, um auf einen Lebensmittelmarkt zu kommen. Von Rewe wurde das Nahkauf-Konzept übernommen. Der Konzern liefert den Großteil der Ware. Vertraglich gebunden sind „S&S“ aber nicht, der Status als Privatbetreiber war den Unternehmern wichtig.

„Viele kleine Länden sind kaputtgegangen. Wir haben das hautnah verfolgt“, erzählt Kai-Uwe Schuchmann. Trotzdem wolle man sich in Langstadt mit seinen 1 600 Einwohnern versuchen und „Leben schaffen“. Auf eine förmliche Marktanalyse wurde verzichtet, dafür ließen sich S&S von Branchen-Experten beraten. „Wir werden bald sehen, ob sich das finanzielle Risiko gelohnt hat“, sagt Schuchmann. Am ersten Tag erlebte der Markt einen Ansturm: Groß und Klein schauten sich in großer Zahl um und legten begeistert Ware aufs Kassenband.

Mit Körbchen oder Fahrrad

Ein Schlückchen auf den Erfolg des heiß ersehnten Lebensmittelladen: Alexander Schmidl und Kai-Uwe Schuchmann (von links) stoßen mit Mitarbeitern und Kunden auf die Rentabilität des Nahkauf an.

„Der Laden wird zum Magnet für die, die mit Körbchen oder Fahrrad kommen“, sagt einer der ersten Kunden voraus. Vor allem die gehobene Altersstruktur im Ort könnte seiner Meinung nach den Erfolg bringen. „Wir wollen aber alle Bürger“, entgegnet dazu Ortsvorsteher Günther Eckert. Seit seinem Amtsantritt ist er hinterher, dass ein Lebensmittelladen in den Ort kommt. Laut Eckert hat es auch schon Kontakte mit anderen Anbietern, wie etwa „teegut“ gegeben. „Mit „S&S“ haben wir viele Gespräche im Vorfeld geführt. Auch ein Besuch im Ortsbeirat gehörte dazu“, berichtet der Politiker.

Von 7 bis 19 Uhr, samstags bis 13 Uhr, bietet Nahkauf sehr kundenfreundliche Öffnungszeiten. Morgens lässt sich hier gleich das Frühstück holen. An der Kasse liegt eine Liste aus, auf die vermisste Produkte geschrieben werden können. Donnerstags um 11 Uhr bietet das Rote Kreuz an, die Einkäufe von Senioren nach Hause zu fahren. Am Eröffnungstag mit kostenlosem Kaffee und Kuchen blieben viele ältere Langstädter etwas länger. Bei ihnen ist die Freude über den neuen Laden besonders groß. „Vorher hat mich meine Tochter alle 14 Tage nach Babenhausen zum Einkaufen gefahren“, erzählt eine ältere Dame.

„Wir werden den Laden bestmöglich unterstützen“, kündigt Liesel Mehring (74) an. Sie hofft, dass alle Bewohner dazu beitragen, dass der Laden existieren kann. „Ein bisschen Hefe und Vanille-Pulver mitnehmen reicht nicht. Alle müssen hier richtig einkaufen“, gibt sie die Devise aus.

Quelle: op-online.de

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