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„Ich lebe und arbeite in Babenhausen“ lautet ein Projekt, das die Stadt in Kooperation mit der Kreisagentur für Beschäftigung gestartet hat: Ute Thiesen von der Kreisagentur für Beschäftigung und Sylvia Kloetzel von der städtischen Wirtschaftsförderung mit zwei Teilnehmern (von links).

Babenhausen ‐ Jahrelang ging alles gut. Der Job als Empfangsdame in einer Frankfurter Firma hat viel Spaß gemacht, und die Babenhäuserin Renata hatte sich darauf eingerichtet, lange im Unternehmen beschäftigt zu sein. Doch es kam anders. Von Stefan Scharkopf

Die Firma machte dicht, die heute 43-Jährige stand auf der Straße. Ein Bewerbungsschreiben folgte dem nächsten, bis heute sind es etwa 200. Ein paar Jobs als 400-Euro-Kraft, danach Hartz IV. „In meinem Alter ist es natürlich nicht so einfach, als Empfangsdame etwas zu finden, aber ich habe viel Erfahrung, die ich in die Firmen einbringen kann“, sagt sie.

Neben ihr im Besprechungsraum des i-Punkts im Rathaus sitzt Michael. Seine Arbeit als Busfahrer hat er verloren, seither hat der 46-Jährige immer wieder mal Arbeit gehabt, beispielsweise im Bauhof in Dieburg. „Ich bin keiner, der auf der faulen Haut liegt, ich möchte arbeiten. Viele leben in den Tag hinein, das ist absolut nicht mein Ding“, meint der Mann aus der Kernstadt.

Für beide Erwerbslose bietet sich eine Chance: Der Landkreis Darmstadt-Dieburg und die Stadt Babenhausen helfen bei der Jobsuche. „Ich lebe und arbeite in Babenhausen“ ist ein Projekt überschrieben, das die Verwaltung in Kooperation mit der Kreisagentur für Beschäftigung gestartet hat. Ziel ist es, Babenhäuser Arbeitslose in ortsansässigen Unternehmen in Beschäftigung zu bringen.

„Das Motto hat mich sofort angesprochen“, sagt Michael, „obwohl ich Babenhäuser bin, habe ich noch nicht in meiner Heimatstadt gearbeitet, nur außerhalb.“

50 Teilnehmer werden von individuell auf den Wiedereintritt in das Berufsleben vorbereitet. Neben fachlichen Trainings zum Thema Bewerbung erhalten sie auch Persönlichkeitsberatung so wie Farb- und Stilberatung, um für die Herausforderungen des Arbeitsmarktes fit zu sein. Über Schulungen und Trainings sollen individuelle Strategien entwickelt sowie Umgangsformen und Auftreten trainiert werden.

„Wir lernen mit der Personaltrainerin viel über die richtige Art der Bewerbung und wie man sich im Vorstellungsgespräch verhält“, sagt Michael, „man erfährt aber auch viel über sich selbst.“

Mit eingebunden in das Projekt ist Sylvia Kloetzel von der Wirtschaftsförderung der Stadt. Ihr Credo: „Jeder kennt jemanden, der etwas weiß, was einem anderen helfen könnte.“

Will heißen: Bestehende Netzwerke sollen aktiviert und enger geknüpft werden, um Langzeitarbeitslosen zu einem Arbeitsplatz zu verhelfen. Gute Gelegenheit dazu sind etwa die regelmäßigen Stammtische für Unternehmer und Führungskräfte. „Da hört man im persönlichen Gespräch, ob es freie Arbeitsplätze gibt und wie das Anforderungsprofil an den Bewerber sein soll“, sagt Kloetzel. Die Infos werden dann weitergegeben. „Wir nutzen unsere guten Kontakte zu den Städten und Gemeinden im Kreis, damit unsere Kunden den Weg in den Arbeitsmarkt zurückfinden“, so Ute Thiesen.

Die Nähe zu den Kommunen sei ein deutlicher Vorteil des Landkreises als Optionskommune, wo die Vermittlung von Arbeit und die Auszahlung von Leistungen unter einem Dach gebündelt seien.

Die Erwerbslosen nehmen in zwei Arbeitsgruppen über eine Laufzeit von neun Monaten an dem Projekt teil. „Kernstück ist, dass die Teilnehmer sich als Erfolgsteam definieren und dadurch eine soziale Verbindlichkeit untereinander entsteht“, erklärt Thiesen.

Wer sich für das Projekt interessiert oder einen Arbeitsplatz anzubieten hat: Kreisagentur für Beschäftigung, Tel.: 06151 8815209, E-Mail: u.thiesen@kreisagentur-dadi.de

Die Gruppe trifft sich alle zwei Wochen im Rathaus, um sich über die Lage Einzelner auszutauschen und Lösungen zu finden. Auch der Besuch von Gewerbeausstellungen, Tagen der offenen Tür von Firmen oder die Einladung von Unternehmern zu den Treffen des Erfolgsteams sind geplant. Passend dazu hält ein Mitarbeiter des Arbeitgeberservices der Kreisagentur bei den ortansässigen Unternehmen nach freien Stellen Ausschau und präsentiert die Profile der Projektteilnehmer.

Angestrebt ist, dass die Teilnehmer, die alle in Babenhausen leben, möglichst hier oder in näherer Umgebung Arbeit finden. Erfolgreich wurden ähnliche Projekte bereits in Messel und Weiterstadt unter Mitwirkung der Bürgermeister durchgeführt. In Kürze soll das Projekt in Dieburg starten und ab 2011 wird auch Pfungstadt dabei sein. Als Appetithäppchen winkt Unternehmen, die Projektteilnehmer einstellen, eine Förderung.

Quelle: op-online.de

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