Neue Attraktion für die Region

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Museum rückt näher: Das Gayling-Anwesen ist an „Stiftung Amtsgasse 32“ überschrieben

Babenhausen ‐ Rein äußerlich tut sich noch nichts an dem seit Jahren leer stehenden Haus in der Amtsgasse. Und doch hat es einen weiteren großen Schritt vollbracht auf dem Weg zu seiner geplanten Neunutzung als Territorialmuseum: Von Veronika Szeherova

Das denkmalgeschützte Gebäude, erbaut im Jahr 1555, wurde gestern notariell an die „Stiftung Amtsgasse 32“ überschrieben. Bauunternehmer Dieter Aumann hält die Stiftungsurkunde stolz in den Händen.

Er ist der Käufer des Gaylingschen Anwesens und im Vorstand der von ihm gegründeten Stiftung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, aus dem renovierungsbedürftigen Gebäude eine neue regionale Attraktion zu schaffen. Der Begriff „Heimatmuseum“ soll dabei gemieden werden, wie er und die weiteren Vorstandsmitglieder betonen – Bürgermeisterin Gabi Coutandin, Georg Wittenberger vom Heimat- und Geschichtsverein sowie sein Sohn Markus.

„Es soll nicht ein weiteres Museum werden, wie es sie zigfach gibt, sondern auf die vielen Besonderheiten Babenhausens aufmerksam machen – als Residenz- und Industriestadt oder als Verkehrsknotenpunkt“, erklärt Coutandin. Jedes Stockwerk des Hauses soll sich einem anderen Thema widmen. Die vier Vorstandsmitglieder sprudeln nur so von Ideen. „Babenhausen in Krisenzeiten, also vom 30-jährigen Krieg bis zum 2. Weltkrieg, und in Phasen des gesellschaftlichen Umbruchs wird ganz sicher ein Thema sein“, verrät Dieter Aumann. „Industriegeschichte wie die Cellbapuppen-Herstellung wird auch eine Rolle spielen“, sagt Georg Wittenberger, „genau wie das Babenhäuser Schloss und die Familie derer zu Hanau Lichtenberg.“ Ihre einstige Grafschaft, die sich über Hessen und Baden-Württemberg bis ins Unterelsass zog, ist sinnbildlich für die erhoffte überregionale Bedeutung des Museums. „Eben weil es kein Heimatmuseum werden soll, hoffen wir sehr auf Fördergelder von der EU“, sagt Coutandin.

Die Bürgermeisterin lobt das private Engagement und die finanzielle Unterstützung von Aumann: „Sonst könnten wir solche Pläne niemals verwirklichen.“ Doch alleine stemmen könne Aumann das Projekt nicht. Daher sichert sie ihm neben „Offenen Türen“ auch städtische Fördermittel zu: „So ein Museum zu haben, verhilft einer Stadt zu Identität. Es ist wichtig für die Bürger, mehr über ihre Wurzeln zu erfahren.“

Und das solle nicht auf trockene, althergebrachte Weise geschehen, sondern möglichst erlebnisreich. Das Konzept werde zwar erst noch mit Museumspädagogen besprochen, aber es gehe in Richtung „mehr zu sehen, weniger zu lesen“, wie Aumann lächelnd erklärt. Außer den festen Ausstellungsräumen werde es einen Vortragsraum geben, wo auch Wechselausstellungen stattfinden sollen. Außerdem will der Heimat- und Geschichtsverein im Gebäude eine Bibliothek einrichten. Die beiden Gewölbekeller sind optisch besonders attraktive Räume. In einem davon soll ein „Lapidarium“ eingerichtet werden – eine Sammlung von Steindenkmälern. Der andere soll zu einer Art Weinkeller werden.

„Mit dem Gasthaus Zum Adler nebenan lässt sich das wunderbar verbinden“, freut sich Aumann, der jetzt schon das Museum als künftigen Abschluss eines Altstadtrundgangs ansieht. „Los geht es am Rathaus, weiter zum Schloss und endet hier in diesem wunderbaren und einzigartigen Gebäudeensemble an der Amtsgasse.“ An den Gebäuden sollen auch Infotafeln angebracht werden.

Doch bis es soweit ist, fließt noch viel Wasser die Gersprenz herunter. Im März beginnen die Sanierungsarbeiten an dem denkmalgeschützten Gebäude. Diese müssen sehr sensibel vonstatten gehen, schließlich dürfen keine historisch wertvollen Türen, Stuckfassaden oder Mosaiken verändert werden. „Die 3-D-Vermessung im Haus ist abgeschlossen, die Bestandspläne gemacht und an einen Architekten übergeben“, sagt Aumann. Ein Bauhistoriker ist bereits drei mal vor Ort gewesen.

„Die Bauarbeiten haben wir im Griff, aber wie lange es dann dauert, bis die Ausstattung des Museum fertig ist, können wir noch nicht sagen“, so Aumann. Daher will er sich noch nicht konkret festlegen. „Das Jahr 2013 könnte realistisch sein.“

Noch hat die neue Stiftung kein eigenes Konto. Wer spenden möchte, kann dies tun an das Konto des Heimat- und Geschichtsvereins unter dem Stichwort „Museum“: Vereinigte Volksbank Maingau eG, Konto-Nr. 8 264 201, BLZ 50 861 315.

Quelle: op-online.de

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