Neue Kita doch am alten Platz

Babenhausen - Die Stadt will bis Ende 2013 für 35 Prozent der Kinder von einem bis drei Jahren einen Betreuungsplatz zur Verfügung stellen; einschließlich Angebote der Tagespflege. Soweit herrschte im vergangenen Oktober noch Konsens im Stadtparlament. Von Stefan Scharkopf

Auch dass für die Kindertagesstätte „Kunterbunt“ ein Neubau errichtet werden soll, war weitgehend unstrittig; lediglich FDP und FWB hatten sich seinerzeit enthalten.

So war vor allem der Standort für die neue Kita Gegenstand der Diskussion. Damals behielten CDU und Grüne mit ihrer Parlamentsmehrheit die Oberhand und setzten durch, die Kita in der Heinrich-Heine-Straße 11 bis 21 neu zu errichten. Der Neubau sollte 2,7 Millionen Euro nicht überschreiten.

Dieser Beschluss wird jetzt von der neuen Mehrheit im Parlament, der „Allianz für Babenhausen“ aus SPD, FWB und FDP, wieder kassiert. Ein gemeinsamer Antrag für die heutige Stadtverordnetenversammlung sieht vor, ein Raumangebot für vier Kita- und drei Betreuungsgruppen für Kinder von einem bis drei Jahren als Neubau zu errichten - und zwar am alten Standort in der Ludwigstraße.

Erlös zur Finanzierung des Kita-Neubaus

Im Dezember 2010 wurde der Neubau europaweit ausgeschrieben. Das soll weiter laufen. Die Ausschreibung galt für das Gebäude, unabhängig vom Standort. Liegen erste Entwürfe vor, sind die Eltern zu beteiligen. Als Erweiterungsfläche von 1150 Quadratmetern soll mit den Eigentümern des Nachbargrundstücks zeitnah ein Kaufvertrag verhandelt werden. Das Grundstück in der Heine-Straße (2325 Quadratmeter) soll der Wohnbebauung zugeführt und der Erlös zur Finanzierung des Kita-Neubaus verwendet werden.

Die Befürworter der Standortverlagerung, CDU und Grüne, befürchten Zeitverlust und schlechtere Bedingungen für die Kinder.

„Alle Planungen müssen neu beginnen und es gibt 2012 keinen Neubau. Die Kinder werden weitere Jahre mit den völlig unzureichenden und mangelhaften Bedingungen des bisherigen Standorts vorlieb nehmen müssen. Zudem wird in den beengten Verhältnissen in der Ludwigstraße ein Kindergarten mit viel Licht und großzügiger Freifläche nicht entstehen können“, sagt Grünen-Parteivorsitzender Ralf Guinet.

Mehr als die Hälfte der Kindergartenzeit der Baustelle

Kinder und Erzieherinnen müssten zudem lange auf einer Baustelle leben. „Geht man bei der geplanten Minimal-Sanierung vorsichtig geschätzt von einer Bauzeit von zwei Jahren aus, bedeutet das auch, dass für manche Kinder mehr als die Hälfte ihrer so wichtigen, prägenden Kindergartenzeit auf einer Baustelle stattfinden wird. Mit dem Antrag der Koalition werden die Anliegen von Eltern, Erziehern und vor allem der Kinder wieder in die zweite und dritte Reihe gerückt“, so Grünen-Fraktionsvorsitzende Irmgard Petit.

Als „schlechten Stil der Koalition“ bezeichnet es Petit, dass der für heute vorgelegte Antrag weder mit Elternvertretern, noch Erzieherinnen oder dem Träger der Kindergärten besprochen worden sei. „Eltern, Erzieher und Träger wurden von uns informiert und sind aus allen Wolken gefallen. Begriffe wie Bürgernähe und Bürgerinformation sind offensichtlich nicht mehr als blumige Worte der Koalition“, so Petit.

Ähnlich die CDU: Bevor der Beschluss im Oktober gefasst wurde, seien „eine gründliche Prüfung sowie Gespräche mit den Betroffenen, in denen die Kriterien der Kosten, pädagogische Vor- und Nachteile, Risiken, die Belastungen der Kinder und Eltern und die Haushaltssituation berücksichtigt worden“, erinnert CDU-Fraktionsvorsitzender Friedel Sahm.

Starke Beeinträchtigung während eineinhalbjähriger Bauarbeiten

Die CDU befürchtet eine starke Beeinträchtigung des laufenden Kindergartenbetriebes während der mehr als eineinhalbjährigen Bauarbeiten. Baulärm und Verkehr, Schwierigkeiten, den Baukörper zwischen jetzigem Kindergarten und Stadtmauer/Burgmannenhaus einzufügen, ungünstige Rahmenbedingungen bezüglich der Gestaltung, Gefahr hoher Risiken durch schwer kalkulierbare Kosten wegen Mischung von Alt- und Neubau, kostspielige Anschaffung von Containern als Behelfsräume kämen dazu.

Der ASB habe sich immer für die Vorteile am Standort Heinrich-Heine-Straße ausgesprochen. Die Vorteile liegen laut Sahm klar auf der Hand: „Auf dem großzügigen Gelände ist eine optimale Gebäudegestaltung möglich, die Voraussetzungen für niedrige Baukosten sind gegeben. Außerdem gibt es die Option zum flexiblen Anbau weiterer Gruppenräume in der Zukunft. Die neue Ortsrandlage bietet tolle pädagogische Möglichkeiten, Naturerfahrung und Umwelterleben.“ Die alte Kita könnte bis zum Umzug unbeeinträchtigt weitergenutzt werden.

Quelle: op-online.de

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