Investitionen von 50 Millionen Euro vorgeschlagen

Neue Wege für Mobilität: Radverkehrs-Konzept vorgestellt 

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Möglicherweise soll mit einem Ausbau der B26 zwischen Babenhausen und Dieburg ein Mehrzweckweg für langsamen landwirtschaftlichen Verkehr, Radfahrer und Fußgänger angelegt werden. Im Radverkehrskonzept wird hingegen eine Machbarkeitsstudie für einen Radweg längs der Bahnlinie zwischen beiden Städten vorgeschlagen.

Darmstadt-Dieburg - Im Landkreis lässt sich recht gut Rad fahren – zumindest, was das Höhenprofil angeht, Dies war eine der zentralen Aussagen von Paul Fremer. Doch oft fehlen die geeigneten Wege.

Der Mitarbeiter von Radverkehr-Konzept stellte jetzt Kommunalpolitikern und anderen fachlich Interessierten das Radverkehrs-Konzept vor, das der Landkreis 2016 in Auftrag gegeben hat und der Kreistag unlängst im Grundsatz beschlossen hat.

Im Grundsatz heißt: Keine der insgesamt 110 vorgeschlagenen Maßnahmen ist bereits beschlossene Sache. Nicht allein der Kreistag hat zu entscheiden, auch Hessen Mobil, Bund, Land und Kommunen – zum Teil sogar jenseits der Landkreis-Grenzen – müssen mitmachen, müssen Detailplanungen in Auftrag geben und Mittel bereit stellen – auch wenn sich im Einzelfall Zuschüsse auf bis zu 85 Prozent der Investitionen belaufen können. Die summieren sich auf rund 50 Millionen Euro.

Subventioniert worden ist auch die Erstellung des Konzepts selbst – aus Mitteln des EU-Programms Leader, das grundsätzlich für Infrastruktur-Maßnahmen im ländlichen Raum gedacht ist.

Wesentliche Impulse, ein solches Konzept in Auftrag zu geben, kamen von den Grünen im Landkreis, aber bei der Präsentation zeigte sich, dass inzwischen alle politischen Kräfte des Kreistags unterstützen, was der Allgemeine Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) eine „Verkehrswende“ nennt. Fachmann Heiner Monheim erläuterte stimmgewaltig die „Renaissance des Fahrrads“, Sandra Wolf von der Geschäftsführung des Premium-Herstellers Riese & Müller schilderte die Chancen, die mit der immer weiteren Verbreitung elektrisch unterstützter Zweiräder einher gehen.

Der Projektliste liegen eigene Untersuchungen von Radverkehr-Konzept zu Grunde, denn „man muss die Strecken abfahren“, so Fremer. In engem Kontakt zu den Nutzern und Interessenverbänden, mit Workshops und einem Onlie-Portal, wurden aber auch über 700 Anregungen gesammelt – „eine Rekordzahl“, wie der Mitarbeiter des Konzept-Unternehmens sagte.

Herausgekommen ist ein umfangreicher Katalog von Vorschlägen unter folgenden Prämissen: Betrachtung des gesamten Fahrradnetzes im Landkreis und darüber hinaus unter dem Aspekt der Alltagstauglichkeit, Vernetzung aller Kreiskommunen mit außerörtlichen Fahrradwegen.

Von den kalkulierten 50 Millionen Euro für die Umsetzung in den nächsten zehn Jahren – Arbeitstitel: Radwegenetz 2030 – entfallen etwa 6,5 Millionen auf Baumaßnahmen entlang von Kreisstraßen. Für Wege entlang von Landesstraßen sind 22 Millionen Euro beziffert, Wege an Bundesstraßen sollen für rund zehn Millionen Euro gebaut und verbessert werden. Die Kommunen sollen 10,5 Millionen Euro aufbringen.

Die Projekte sind in einem umfangreichen Katalog von Datenblättern aufgelistet. Allen ist gemein, dass sie aus der Sicht Rad fahrender Nutzer betrachtet werden, mit Ortsangaben, Einstufung der Verbindung, Beurteilung des Ist-Zustands und der Verbesserung durch Baumaßnahmen, Länge der Verbindung und voraussichtlichen Investitionskosten. Es gibt eineumfangreiche Kosten-Nutzen-Rechnung, „Sicherheit“ spielt ebenso eine Rolle wie „Fahrkomfort“.

Getunte E-Bikes machen zunehmend Radwege unsicher

Mit letzterem Kriterium wird schon eines der Probleme dieser Betrachtungsweise deutlich: Gelegentlich – wie entlang der Bahnlinie zwischen Dieburg und Münster – wird die Asphaltierung eines holprigen Feldwegs vorgeschlagen, doch gibt es auch gewichtige Argumente gegen eine solche Flächenversiegelung. Und sicher wäre ein separater Radweg längs der Bundesstraße 45 zwischen Dieburg und Umstadt für 1,7 Millionen Euro wünschenswert, wird aber trotz Priorität A gewiss nicht gebaut, so lange der vierspurige Ausbau dieses Straßenabschnitts Thema ist.

Am Ende steht eine Priorisierung der Baumaßnahmen. In der höchsten Kategorie ist auch ein Radweg an der Landesstraße 3115 von Schaafheim Richtung Ringheim verzeichnet. Den könnte es mit einem stattlichem Zuschuss des Landes bereits geben, wenn nicht eine Mehrheit der Schaafheimer Gemeindevertreter die Übernahme der Kosten für die Planung abgelehnt hätte. (sr)

Quelle: op-online.de

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