Nicht nur Arbeit, auch Hobby

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Vom Kunden zum Buchhändler: Walter Proboscht.

Babenhausen - Die Buchhandlung „Auslese“ kennen viele Jüngere sicher noch aus ihren Schuljahren, als man dort seine Lektüre bestellte und wenige Tage später abholte. 25 Jahre lang betrieb Günther Kapitza den Laden in der Fahrstraße. Von Katrin Görg

Nun gab er ihn an seinen ehemals guten Kunden Walter Proboscht (54) ab. Der ausgebildete Buchhändler fand damit seinen Traumjob. „Vorher habe ich in Verlagen und anderen Buchhandlungen in Aschaffenburg, Hanau und Darmstadt gearbeitet“, erzählt er aus seiner Vergangenheit. Bücher haben ihn schon immer interessiert und der Beruf des Buchhändlers sei wie gemacht für ihn. Dass der gebürtige Babenhäuser nun sogar zu Fuß zu seiner Arbeitsstelle gehen kann, macht alles perfekt. „Was will man mehr?“

In Zeiten großer Buchhandelsketten und Bestellservices im Internet werden sich viele Frage, ob sich das lohnt. Walter Proboscht zuckt die Achseln. Vor ihnen fürchte er sich nicht, winkt er ab. In einer kleinen Stadt wie Babenhausen merke man den Einfluss der großen Konzerne nicht so deutlich wie etwa in Frankfurt. Dort mussten viele private Buchhandlungen schließen, weiß Proboscht. „Viele Kunden recherchieren im Internet und kaufen ihre Bücher bewusst hier vor Ort. Man schätze hier die Möglichkeit, sich in Ruhe umsehen zu können, ein Buch in die Hand zu nehmen und hineinzulesen und sich inspirieren zu lassen.

Das Lieblingsgenre der Babenhäuser seien Krimis, aber das treffe auf den gesamten deutschen Buchmarkt zu: „Das Buch muss spannend sein und leicht zu lesen.“ Taschenbücher gingen in der Regel besser als Hardcover. Wichtige Kunden von Walter Proboscht sind Eltern, die mit ihren Kindern einen Spaziergang durch die Fußgängerzone machen. „Solche Spontankäufe sind wichtig fürs Geschäft. Ansonsten werden die meisten Bücher als Geschenk gekauft.“

Das soll sich bald ändern: „Mein Ziel ist es, dass jemand, der hier vorbeischaut ohne ein bestimmtes Buch im Sinn zu haben, etwas Passendes für sich findet.“ Dafür hat Proboscht seit seiner Übernahme gut 80 Prozent seines Sortiments erneuert. Was bleibt, ist die Unterstützung seitens der Babenhäuser Schulen. Sie pflegen einen engen Kontakt mit der Auslese und wollen auch weiterhin viele ihrer Unterrichtsbücher bei Walter Proboscht kaufen.

Eine wichtige Einnahmequelle, wie er weiß, denn größere Bestellungen sind sonst nicht zu erwarten. Doch Geld sei nicht alles, findet er: „Der Buchhandel ist keine Goldgrube. Und für mich ist meine Tätigkeit in der Auslese zur Hälfte Arbeit und zur Hälfte Hobby. Ich mag Bücher, ich unterhalte mich gerne mit meinen Kunden und hier im Laden kann ich beides verbinden. Besonders freut es mich, wenn ich durch solche Gespräche auf neue Titel aufmerksam werde.“

Sein Weiterführen der Auslese bringe dreierlei Gutes: „Ich habe meinen Traum erfüllt, die Stadt verliert nicht noch einen Laden in der Fußgängerzone, und die Babenhäuser haben weiterhin eine Anlaufstelle für Bücher.“ Letzteres soll in Zukunft noch ausgebaut werden: „Ich wünsche mir, dass sie Auslese ein richtiger Treffpunkt wird.“ Helle Beleuchtung, Plakate und eine neue Sitzgruppe mit einem Tisch und vier Stühlen signalisieren bereits ein herzliches Ambiente. „Einer meiner Kunden hat neulich gesagt, hier sehe es aus wie in einem Buchladen von früher. Ein größeres Kompliment konnte er mir nicht machen.“

Quelle: op-online.de

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