„Nicht Besorgnis erregend“

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Die Straftaten in Babenhausen werden weniger, aber für viele Bürger bleibt ein ungutes Gefühl.

Babenhausen ‐ Die schweren Überfälle auf die Volksbank und ein Schreibwarengeschäft vor ein paar Wochen sorgen nach wie vor für Gesprächsstoff - und auch für Verunsicherung in Teilen der Bevölkerung. Die Täter wurden geschnappt. Wie jetzt bekannt wurde, stammt der größte Teil der Ganoven im Übrigen aus Babenhausen. Von Stefan Scharkopf

Ist die Stadt vergleichsweise sicher oder ein heißes Pflaster? Um diese Frage näher zu beleuchten, besuchte Helmut Biegi, Leiter der Polizeidirektion Darmstadt-Dieburg, auf Einladung des städtischen Magistrats die Stadtmühle und traf auf ein interessiertes Publikum. Sein Befund: Die Sicherheitslage in Babenhausen ist nicht Besorgnis erregend. Untermauern konnte er dies mit einigen Zahlen (s. blauen Kasten).

Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte Bürgermeisterin Gabi Coutandin verschiedene präventive Maßnahmen vor, die in Zukunft kriminelle Übergriffe vermeiden helfen könnten.

Zwölf Raubüberfälle 2009 seien zwar ein Anstieg gegenüber drei im Jahr 2008, doch das heiße nicht, dass es in der Stadt krimineller geworden sei, sagte Biegi. Da haben eben Banden von außen zugeschlagen. Alles in allem sind die Zahlen gefallen. Gab es 2008 noch 608 Delikte, waren es im vergangenen Jahr 584. Für die Größe der Stadt und ihre Lage an Schnellstraßen, sei dies zufrieden stellend. Spitzenreiter im Kreis seien nach wie vor Weiterstadt und Dieburg.

Magistrat hat eine Reihe von Maßnahmen diskutiert

Die nackten Zahlen sind die eine, das persönliche Sicherheitsempfinden die andere Seite. Und da erinnerte Biegi an den früheren Ortspolizisten Wolfgang Hartnagel, der einiges an Überwachungstätigkeit übernommen hatte. Dessen Nachfolger ist seit Monaten erkrankt, das Büro im Rathaus verwaist. Wie Biegi sagte, übernehme jetzt aber ein Kollege der Polizeistation Dieburg zeitweise die Aufgabe des Schutzmannes vor Ort. Die Beamten hatten zwischenzeitlich auch Beratungsstunden angeboten, doch auf diese gab es keine Resonanz in der Bevölkerung.

Der Magistrat hat eine Reihe von Maßnahmen diskutiert, wie das Sicherheitsgefühl der Bürger gestärkt werden könnte. Im Gespräch ist ein freiwilliger Polizeidienst, wie etwa im benachbarten Groß-Umstadt. So könnten bis zu zehn Hilfsordnungshüter für eine Aufwandsentschädigung von sieben Euro pro Stunde durch die Straßen patroullieren und Präsenz zeigen. Maximal 20 Stunden wäre jeder einzelne pro Monat im Einsatz. Macht pro Jahr 16.800 Euro, die die Stadt aufbringen müsste. Des Weiteren befürwortet der Magistrat kommunale Präventionsräte. Das sind Arbeitsgemeinschaften von Stadt und Polizei, die Personen und Institutionen mit ins Boot holen, seien es die Jugendpflege, Schulvertreter oder Mitglieder des Ausländerbeirats, die aktuelle Vorkommnisse bewerten und gegensteuern sollen. Für gut befunden wird auch ein Frühwarnsystem, bei dem ein Netzwerk aus Kommune, Bürgern und der Polizei geknüpft werden soll. Ein solches System verbreitet auf elektronischem Weg Warnungen aus der Bevölkerung an die Polizei und die Nachbarschaft (OP vom Dienstag). Allerdings sollen noch Gespräche mit dem Landkreis und anderen Gemeinden geführt werden, ob sie sich beteiligen. Anregen will die Stadt auch zusätzliche Streifenfahrten der Polizei. Wiederbelebt werden soll auch die Initiative „Wachsamer Nachbar“, die im Wohngebiet Ost 1 entstanden war. Über alle Maßnahmen, zuvorderst über die, die Geld kosten, muss die Stadtverordnetenversammlung entscheiden. Das könnte schon in der März-Sitzung sein.

In der gut besuchten Stadtmühle gab es auch Anregungen von Babenhäusern. Die Ordnungshüter sollten sich viel öfter in bestimmten Lokalitäten umschauen, wo spät nachts, zwei, drei Uhr, zum Teil noch Zwölf- bis 14-Jährige anzutreffen seien. Auch zu den Schulen sollte mehr Kontakt gehalten werden. Kritisch müsse auch geprüft werden, welche Etablissements sich in Problembezirken ansiedeln. Oft ein Dilemma: Denn je nach Einstufung, ob reines Wohn- oder Mischgebiet, hat das Ordnungsamt oft keine Handhabe.

Den Einwand, dass die Polizei aus Dieburg rund 20 Minuten brauche, um am Einsatzort in Babenhausen zu sein, ließ Biegi nicht gelten. Schließlich seien Streifen überall im Ostkreis unterwegs und könnten dann auch schneller vor Ort sein.

Die Randlage innerhalb des Landkreises lässt immer wieder mal den Wunsch nach einer eigenen Polizeistation aufkommen. Doch da winkte Biegi ab: Die werde es wohl nicht geben.

Quelle: op-online.de

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