„Nicht auf Bleiche festgelegt“

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Vier Stellplätze für Wohnmobilcamper sollen in der Nähe des Parkplatzes „An der Bleiche“ entstehen. Bei der Begehung durch den Ortsbeirat der Kernstadt wehrten sich die Anlieger gegen diese Pläne.

Babenhausen ‐ Die Ziele von Bürgermeisterin Gabi Coutandin sind klar: Nicht nur mit Blick auf die verwaiste Bummelgass‘ will sie der Stadt neues Leben unter anderem mit mehr Tourismus einhauchen. Von Michael Just

Dazu wurde bereits das Informationsbüro geschaffen. Ein weiterer Schritt sollen vier Stellplätze für Wohnmobilcamper sein (wir berichteten). Viele Städte mit touristischem Anspruch haben ein solches Angebot bereits umgesetzt. Das Besondere: Derartige Plätze wurden vom Babenhäuser Parlament bereits 1993 beschlossen und sollen nun endlich angegangen werden. Dafür haben Magistrat und Bürgermeisterin die Grünflächen neben dem Parkplatz auf der Bleiche vorgesehen. In bester Lage bieten sie hinter der Stadtmühle einen romantischen Blick auf den Hexenturm, die vorbei fließende Lache und die grünen Wiesen vor der Stadt.

Am Samstagnachmittag machte sich der Ortsbeirat der Kernstadt ein Bild, ob sich die Pläne an diesem Ort wirklich eignen. Der Einspruch des Denkmalrates sowie des Heimat- und Geschichtsvereins lagen zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Tisch: „Es ist einer der wenigen Orte, wo sich das historische Babenhausen noch erahnen lässt“, sagen Georg Wittenberger und Klaus Lötzsch. Eine deutliches „Nein“ kommt auch von den Anliegern: Diese haben schon laute Wohnmobilfahrer vor Augen, die grölend Fußball gucken und beim Grillen von Steaks die Luft mit dicken Rauchschwaden schwängern.

Einhellige Meinung gegen die Ziele der Bürgermeisterin

Für Bürgermeisterin Gabi Coutandin ein übertriebenes Bild: „Die meisten Wohnmobilcamper sind ältere Ehepaare, die sich eher leise und unauffällig verhalten.“ Wie sie vorrechnet, könne die Verwaltung eine geringe Stellgebühr berechnen, dazu lasse dieses Klientel statistisch rund 45 Euro pro Tag in der Stadt. „Das kassieren doch nur die großen Supermarktketten“, kam gleich ein Gegenargument retour.

Ingrid Schumacher (Bürger für Babenhausen) wandte sich wie Vertreter der Freien Wähler gegen die Pläne. Ihre persönliche Erfahrung besage, dass der Platz und der nahe Bach durch Abwasser verschmutzt werden könnten. „In Aschaffenburg hat man dazu ein paar hundert Meter vom Stellpatz entfernt eine eigene Sammelstelle eingerichtet“, wusste dazu eine Stimme.

„Wann wollen wir endlich anfangen zu sparen?“

Ein weiteres vorgebrachtes Argument gegen den Platz ist der nahe jüdische Gedenkstein. Während Coutandin bereit wäre, den Stein für den Tourismus zu versetzen, sehen das die Gegner der Stellplätze anders: So sei der Ort bewusst aufgrund der Historie und des einstigen jüdischen Badeplatzes an dieser Stelle gewählt. Werde der Stein versetzt, brauche es zudem die Zustimmung der jüdischen Gremien. Wie Coutandin sagte, halte sie den weißen, derzeit arg verschmutzen Stein generell für unwürdig. Belasse man ihn an diesem Ort, bedarf es ihrer Ansicht nach einer Schautafel zur Zweckerfüllung.

Die Kosten für Strom- und Wasseranschlüsse für die vier Stellplätze bezifferte Heinrich Grimm vom Fachdienst Bauwesen auf rund 20 000 Euro. Für einige Anlieger kein kleiner Betrag: „Es heißt doch immer, Babenhausen ist pleite. Wann wollen wir endlich anfangen zu sparen?“, fragte ein aufgebrachter Anwohner. Für Coutandin, die ihr Tourismus-Konzept voranbringen will, ein investitionswürdiger Betrag, auch weil für andere Dinge wie etwa „Jenny“ weitaus höhere Gelder ausgegeben werden.

Stellplätze sollen umgesetzt werden - nur wo?

Den Vorschlag von Ingrid Schumacher, die Plätze beispielsweise in Schwimmbadnähe zu verlegen, sieht die Bürgermeisterin wegen der Entfernung zum Zentrum kritisch. Genauso wie die Alternative Festplatz beziehungsweise Schlossnähe, da dies nicht mit dem künftigen Luxushotel harmoniere. Wie Coutandin sagte, sei sie nicht auf die Bleiche festgelegt. Auch den Bereich um die Remise hinter der Stadtmühle sehe sie als Option.

Bei der öffentlichen Sitzung des Ortsbeirates machte Babenhausen seinem Ruf erneut Ehre, dass Pläne lebhaft ausdiskutiert werden. Die Anwohner reagierten sehr aufgebracht. Bei den anwesenden Politikern gab es mehrheitlich den Konsens, dass die Stellplätze umgesetzt werden sollen - wenn auch nicht gerade an diesem Ort. Eine abschließende Entscheidung wie der Ortsbeirat sich positioniert, wurde noch nicht getroffen. Nach einer internen Beratung bei der nächsten Sitzung will man diese bekannt geben.

Quelle: op-online.de

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