„Nicht nur Kinder abgeben“

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Seit mittlerweile zehn Jahren führt Kurt Lambert (Dritter von rechts) den Förderverein des SV Germania. In der Versammlung am Mittwoch wurde er erneut als Vorsitzender bestätigt.

Babenhausen  ‐ Dem SV Germania fehlen Helfer und Leute, die sich an den Verein gebunden fühlen. Bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins wurde schnell das Hauptproblem deutlich: Es fehlt an engagierten Unterstützern. Von Michael Just

So kam die erste Jahreshauptversammlung im Frühjahr 2009 „mangels Masse“ erst gar nicht zustande, bei der zweiten im Herbst konnten die Vorstandswahlen nicht zu Ende geführt werden, da sich nicht genügend Mitglieder für eine Arbeit im Vorstandsgremium bereit erklärten.

„Oft wird verbal das Interesse an unserer Arbeit bekundet. Doch wenn es dann ans Praktische geht, herrscht meist absolute Funkstille“, so der Fördervereins-Vorsitzende Kurt Lambert. Auf Dauer sei dies kein Zustand und führe bei den wenigen Engagierten zu Frust und Resignation.

Ein paar neue Mitglieder

So habe man sich schon bei der letzten Jahreshauptversammlung Gedanken gemacht, den Förderverein aufzulösen und als eigenständige Unterabteilung in den Hauptverein zu integrieren. Steuerliche Vorteile hätten aber dazu bewogen, die bisherige Form beizubehalten. „Das mag auch sinnvoll sein in Bezug auf das 100-jährige Bestehen der Germania im nächsten Jahr“, konstatierte Lambert, der mittlerweile seit zehn Jahren den Vorsitz inne hat.

Wie er ergänzt, hätten sich erfreulicherweise in den letzten Wochen ein paar neue Mitglieder nicht nur zu den Zielen des Fördervereins, sondern auch zur aktiven Mitarbeit bekannt. „Ich bin deshalb optimistisch, wieder auf jene Erfolgsspur einzuschwenken, die viele Jahre unsere Unterstützer-Arbeit geprägt hat“, sagte der Babenhäuser.

Die meisten Einnahmen für die Jugendabteilung

Rund 14.000 Euro erwirtschaftet der kleine Verein jedes Jahr für den Sportbetrieb der Germania. Die entstammen unter anderem aus Plakat- und Bandenwerbung, dem Saisonheft, Bewirtungsständen beim „Indoor-Cup“ und dem lokalen Weihnachtsmarkt sowie Spenden. Da die Jugendabteilung der Germania derzeit sehr gut aufgestellt ist, fließen die meisten Einnahmen in die Aktiven und damit die erste Mannschaft. Bezahlt werden unter anderem Fahrtkosten oder die Schiedsrichter.

Kritisiert wurde bei der Versammlung das mangelnde Interesse von Germania-Spielern und Mitgliedern am Stand des Fördervereins beim Weihnachtsmarkt. So hätte man am Samstag nur vier Besuche von Erstmannschaftsspielern und am Sonntag keinen einzigen gezählt. Für Kurt Lambert ist dies ein Zeichen, dass heutzutage nur noch geringe Bindungen von Spielern und Mitgliedern an ihre Vereine vorliegen. Seit Jahren werde das Interesse weniger, auch bei Eltern, Freunden und Verwandten. „Von denen kommt keiner mehr auf den Sportplatz. Warum sollen sie dann an unserem Weihnachtsmarktstand vorbeischauen?“, fragte er.

Für Germania-Geschäftsführer, Spielausschuss- und Ehrenvorsitzenden Hans-Jürgen Hennigs zeigt sich die derzeitige Situation mehr als untragbar. Zukünftige Bestrebungen müssten seiner Meinung nach dahin laufen, bereits in der Jugendabteilung die Eltern verstärkt in den Verein einzubinden und ihnen nicht nur eine Möglichkeit zu bieten, ihre Kinder abzugeben. Dazu gelte es, verstärkt den eigenen Germania-Nachwuchs in Form von jungen Spielern in der ersten Mannschaft zum Zuge kommen zu lassen – zur Not auch eine Klasse tiefer.

Kurt Lambert wieder zum Vorsitzenden gewählt

Es könne nicht angehen, dass der Stamm der ersten Mannschaft zu zwei Drittel aus Spielern aus dem Kreis Offenbach besteht. Auf diese Weise könne nur schwer eine Identifikation entstehen. Hennigs schwebt unter anderem als Abhilfe das Einführen von Arbeitseinsätzen zum Wohle des Vereins vor. Dabei denkt er an 20 Pflichtarbeitsstunden im Jahr. Auf diese Weise lasse sich vielleicht erreichen, dass Spieler in einem Fußball-Verein heute mehr sehen als nur die Aufwands-Gelder, die sie für ihre Einsätze bekommen.

Gewählt wurde auch: Kurt Lambert heißt der alte und neue Vorsitzende des Fördervereins. Neuer zweiter Vorsitzender ist Roland Kreuz, als Rechnerin wurde Tihana Posavec Hennigs und als Schriftführer Markus Unger gewählt. Beisitzer sind Norman Pachl, Diethmar Schaum und Klaus Schmidt. Derzeit hat der Förderverein, der 1998 gegründet wurde, rund 20 Mitglieder.

Quelle: op-online.de

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