Der noble Stiftungs-Gedanke zählt

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Friedrich Uibel will Gutes: „Aber Mutter Teresa bin deshalb nicht.“

Babenhausen - Die Idee mit der Stiftung kam beim alljährlichen Straßenfest. Dieses feierten die Justus-Arnold-Bewohner 2007 besonders groß. „Denn da war der 55-jährige Geburtstag der Straßenbenennung. Deshalb hatten wir das auch ganz toll knallen lassen mit Band und so“, erzählt Friedrich Uibel. „Und dann hatten wir am Ende einen Überschuss von 1 000 Euro." Von Kathrin Rosendorff

"Damit lässt sich was Ordentliches anfangen, dachten wir. Warum also nicht einfach eine Stiftung gründen?“

Der sympathische 59-Jährige mit dem „Denker-Rauschebart“ ist der Ratvorsitzende der neu gegründeten „Justus Arnold zu Babenhausen-Stiftung“. Im Oktober 2008 kam das Okay vom Finanzamt. „Erst ab da waren wir handlungsfähig“,so Uibel. Der ehemalige Sozialarbeiter und nun Frührentner sitzt an seinem Küchentisch und hält abwechselnd Zigarette und Laugenbrötchen in der Hand, während er erzählt, was es denn mit der kleinen, parteiunabhängigen Treuhandstiftung auf sich hat.

„Wir wollen Babenhäuser Bürger in finanziellen Notsituation, aber auch lokale Projekte, ob nun kulturell oder sozialer Art, unterstützen.“

Als erste Amtshandlung hatten sie vor wenigen Wochen einer älteren Dame, die ihr gesamtes Schlafzimmermöbel beim Wohnungsbrand verlor, geholfen. „Ein Teil vom Geld kam von der Stadt, ein Teil von uns“, erklärt Uibel.„Unser Vorteil ist, dass wir unbürokratisch und so schnell agieren können. Also wenn das Geld da ist, zahlen wir gleich ohne große Umwege.“

Sieben Mitglieder (alle ehrenamtlich) zählt die Stiftung bislang. Alle sind Anwohner der Straße. „Schon als Kinder haben wir miteinander gespielt, sind zusammen aufgewachsen. Wir fühlen uns mit der Straße verbunden“, erzählt der Babenhäuser in sechster Generation. Nicht nur das war der Grund für den Stiftungsnamen. Der ehemalige Sohn der Stadt Justus Arnold (1835-1908) hatte schon seine eigene Stiftung ins Leben gerufen. „Er hatte reich geheiratet. Seine Frau besaß eine Kohlegrube. Und so spendete er Kohle an arme Leute in Babenhausen, auch stellte er ihnen Geld zur Verfügung, um ein Krankenhaus zu bauen“, erzählt Uibel über das Stiftungs-Vorbild. „Leider haben Kriege und Inflation, nur ein Restgeld von knapp 100 DM übrig gelassen, das dann in den Bau des Sophie Kehl-Hauses floß...“

Eine reiche Ehefrau habe die heutige Stiftung leider nicht, sagt Uibel mit einem Augenzwinkern. Aber wie Arnold haben sie karikative Ziele im Auge. „Wir könnten uns beispielsweise vorstellen, so ein Sprach-Projekt, wie es es für Migranteneltern kürzlich im Kindergarten Ludwigstraße gab, zu unterstützen“,so Uibel. „Aber auch Hartz IV Familien würden wir unterstützen, wenn die staatliche Hilfe nicht ausreicht.“ Und dann ist da noch Uibels großer Traum: Wieder ein Kino in der Stadt zu etablieren. „Im alten Kino habe ich früher immer die Winnetou-Filme angeschaut“, schwärmt er. Jetzt fehlen zu all den noblen Ideen nur noch die Sponsoren. „Bald gehe ich auf Fundraising-Tour“, sagt Uibel und freut sich darauf. Schließlich hat er nicht umsonst mit 48 Jahren noch „Kommunikation, Mediation und Coaching“ an der renommierten evangelischen FH Darmstadt studiert.

Die öffentliche Sitzungsgründungsfeier ist am 31. März, ab 19 Uhr, im Roten Hahn.

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