Noch 2011 werden Fassaden fertig

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Am Nordflügel tut sich derzeit viel - hier am Tor zum Innenhof.

Babenhausen - Es braucht nicht viel Fantasie, um hinter den Babenhäuser Schlossmauern mittelalterliches Treiben vor dem inneren Auge vorbeiziehen zu lassen. Vor allem, wenn man mit Klaus Mohrhardt unterwegs ist. Von Cora Werwitzke

„Sehen Sie, hier reichte einst eine begehbare Mauer in die Höhe, die das Schloss mit dem Torbau verband und dann weiter in die Stadt führte.“ Der zweite Vorsitzende der Schlossfreunde weist auf eine zugemauerte Stelle, an der der Wehrgang früher an den Nordflügel „andockte“. Neuerdings ist der einstige Eingang in luftiger Höhe farblich herausgehoben. Und nicht nur dort, sondern fast überall tut sich nach dem Winter wieder viel an den Fassaden des Schlosses. Baugerüste, Leitern und Maschinen passen zwar genau genommen nicht in mittelalterliche Tagträume. Dafür ist die Sanierung inzwischen soweit fortgeschritten, dass sich immer deutlicher erahnen lässt, wie prächtig das Schloss aussehen wird, wenn es voraussichtlich in gut zwei Jahren als Fünf-Sterne-Hotel seine Pforten öffnet.

„In der Stadt entsteht schnell der Eindruck, dass hier nichts passiert“, äußert Klaus Mohrhardt bei einem Rundgang auf dem Schlossgelände, den das Vorstandsmitglied nutzt, um sich und später seine Vereinskollegen über den neuesten Stand der Bauarbeiten zu informieren. „Tatsächlich geht es nur langsam voran.“ Was einen handfesten Grund habe, erläutert der Schlossfreund. „Die Alfa Consulting spricht als Eigentümer sämtliche Maßnahmen im Detail mit der Denkmalschutzbehörde ab.“

Und erhaltenswert sind viele längst vergessene Überbleibsel aus vergangenen Jahrhunderten, auf die Bauarbeiter unter dem Putz stoßen. „Zum Beispiel entdeckten sie aufgemaltes Fachwerk - es scheint, als wollten schon frühere Schlossbesitzer ohne viel Aufwand Eindruck schinden“, erzählt Mohrhardt augenzwinkernd.

Eigentümer stoßen immer wieder auf Überraschungen

Links die neue Fassade, rechts der alte „Look“ im Innenhof des Babenhäuser Schlosses. 

Echtes filigranes Fachwerk haben die neuen Besitzer unter Schieferverkleidung hervorgeholt. Es ziert nun schon wieder den oberen Bereich einer Hälfte der Nordfassade und auch im Innenhof avanciert es bereits zum Blickfang. Allerdings sei es laut der Geschäftsleitung von Alfa Consulting in miserablen Zustand gewesen. Generell stoßen die neuen Eigentümer immer wieder auf Überraschungen. Jedes Mal, wenn Fenster herausgenommen, Putz abgeklopft oder Böden aufgemacht werden, steigt die Spannung. „Man muss sich vorstellen, die Verwaltung von Alfa Consulting bezog zunächst den Nordflügel. Später stellte sich heraus, dass die Balken dort im kritischen Zustand waren“, erzählt Klaus Mohrhardt. Wasser- und Faulschäden seien die häufigsten Probleme bei der Sanierung der Bausubstanz.

Die Materie auf Vordermann zu bringen, hat deshalb Priorität. Danach folgt der Innenausbau und weitere Zubauten. Alles in allem will der Eigentümer Ende 2013 die ersten Gäste im Schlosshotel willkommen heißen. Kann der Zeitplan eingehalten werden, rechnet Alfa Consulting zudem damit, alle Arbeiten an den Fassaden bis Ende des Jahres abzuschließen.

Bei Gestaltung und Farbwahl der Außenwände orientieren sich die aktuellen Schlossbesitzer, die die Immobilie 2006 erwarben, an dem Bau von 1901. Über 100 Jahre alte Fenster werden aufwendig in einer eigens eingerichteten Werkstatt vor Ort restauriert, da deren Substanz laut Alfa Consulting so gut ist, dass sich dieser Aufwand lohnt.

Schloss bald für Öffentlichkeit zugänglich

Auch viele bedeutend ältere Elemente auf dem Gelände werden in das Hotelkonzept integriert, das Architekt Ottfried Rau wesentlich mitprägt. So erstrahlt die alte westliche Wehrmauer in neuem Glanz. Sie ist nur der Anfang: Rundum schwebt den Schlossbesitzern vor, die Mauern zu sanieren und alle vier Bastionen umzubauen und zu nutzen - als Kapelle, Hochzeitssuite, Weinkeller und Café. Jenseits der südlich verlaufenden Wehrmauer soll auf deren kompletten Länge ein Wassergraben angedeutet werden. Eine zweite Mauer - die sogenannte Zwingermauer - legte Alfa Consulting am südöstlichen Eck der Schlossfassade frei. Die noch im 16. Jahrhundert in Stadtplänen eingezeichnete Mauer läuft unterirdisch (einst meterhoch über der Erde) einmal um das Schloss herum. Sie soll nun im Schwimmbad des Wellnessbereichs wieder sichtbar werden.

Insgesamt 40 Zimmer wird das Hotel bei Fertigstellung aufweisen können. Ein moderner Aufzugsturm aus Glas und Stahl sorgt dann am Ostflügel für stufenlosen Komfort. Weiterhin stehen Tagungsräume und Gastronomie zur Verfügung. Diese Einrichtungen können wie der Wellnessbereich von jedermann genutzt werden.

„Öffentlichkeit - das ist das Zauberwort und das schöne daran“, bemerkt Klaus Mohrhardt. „Das Ziel der Schlossfreunde war seit ihrer Gründung 2001, Bürger ins Schloss zu bringen - und eben nicht vor verriegelten Türen zu stehen.“ Weitere Absprachen mit den Besitzern gebe es bereits: „Kulturelle Veranstaltungen können in Zukunft wieder dort stattfinden, natürlich unter Berücksichtigung des Hotelbetriebs“, blickt Mohrhardt voraus.

Weitere Details zum Baufortschritt und Planungen gibt der zweite Vorsitzende der Schlossfreunde heute Abend preis. Interessierte können sich um 20 Uhr im Landgasthof „Zum Schwanen“, Fahrstraße 67, zum Stammtisch des Vereins gesellen.

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