Noch kann keiner drüber laufen

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Bevor die Brücke wieder freigegeben werden kann, muss noch ein Schutzbelag aufgebracht werden. Dafür müssen die Temperaturen aber vier Tage lang mindestens bei 8 Grad liegen.

Babenhausen ‐ Die Sprünge im Beton sind verschwunden, der Verkehr unter ihr fließt wie eh und je, doch die Brücke über der Bouxwiller Straße ist noch einige Zeit ihrer Funktion beraubt: Das im Jahre 1971/72 errichtete Bauwerk bleibt gesperrt. Von Stefan Scharkopf

Der Grund: Die Temperaturen lassen es derzeit nicht zu, dass der Oberflächenschutz, der den mechanischen Abrieb durch die Fußgänger verhindern soll, aufgetragen werden kann. Die Substanz braucht über vier Tage eine Mindestaußentemperatur von acht Grad Celsius, wie Jochen Pergande, Projektingenieur beim Amt für Straßen- und Verkehrswesen in Darmstadt (ASV), auf Anfrage unserer Zeitung erläutert. Die Temperaturen werden zwar am Tag erreicht, nachts aber nicht. Da geht das Quecksilber noch ordentlich runter. Kommt es zur Taubildung und zieht Wasser in den Belag ein, sieht es mit Haltbarkeit und Haftung schlecht aus. Das ASV hofft nun, dass es Anfang Mai besseres Wetter gibt und die Überquerung der Brücke, die vor allem von Schülern genutzt wird, wieder möglich ist.

Regelmäßige Prüfungen hatten ergeben, dass das Bauwerk umfangreiche Schäden aufweist. „Zur Sicherung einer ausreichenden Tragfähigkeit, Gebrauchsfähigkeit und Dauerhaftigkeit ist daher eine grundhafte Instandsetzung erforderlich“, hatte das ASV vergangenes Jahr mitgeteilt. Das Projekt tauchte auch im Straßenbauprogramm der neuen hessischen Landesregierung als Maßnahme auf. 400 000 Euro waren dafür veranschlagt.

Warten auf höhere Temperaturen

Im Zuge der Bauvorbereitung hatten die Darmstädter Straßenplaner weitere Untersuchungen in Auftrag. Diese sollten eigentlich nur zur Einschätzung der anfallenden Ausbaustoffe hinsichtlich ihrer Weiterverwertung dienen. Überraschenderweise wurde in der Beschichtung des Überbaus dabei aber Polychloriertes Biphenyl (PCB) nachgewiesen.

Unmittelbar nach Bekanntwerden dieses Sachverhalts war die Stadt Babenhausen als zuständige Straßenverkehrsbehörde informiert worden, Bürgermeisterin Gabi Coutandin hatte die Brücke vorsorglich sperren lassen. Das ASV gab daraufhin ein weiteres Gutachten in Auftrag, um die PCB-Belastung genauer zu analysieren. Dabei wurden auch an der Oberfläche PCB-Belastungen nachgewiesen. „Auch wenn von einer akuten Gefährdung durch die Brücke nicht ausgegangen werden kann, bleibt sie vorsorglich gesperrt“, so das ASV seinerzeit.

Die veranschlagten Kosten von 400 000 Euro können nicht eingehalten werden. Gerechnet wird jetzt mit satten 600 000 Euro. Das habe zum einen damit zu tun, so Ingenieur Jochen Pergande, dass trotz der genauen Vorabuntersuchungen des knapp 40 Jahre alten Bauwerks weitere Schäden festgestellt werden mussten. Dabei ging es aber nicht um die PCB-Belastung, sondern vielmehr um die Unterschicht der Brücke, die drei Zentimeter abgestrahlt und wieder mit Spritzbeton versehen wurde. Die gewünschten Haftungswerte seien nicht erreicht worden, so dass eine spezielle Verankerung nötig geworden sei, was wiederum die Bauzeit verlängert habe.

Der strenge Winter schließlich tat sein Übriges. Die Baustelle musste teils eingehaust und zum Schluss sogar beheizt werden - ebenfalls ein Kostentreiber.

Quelle: op-online.de

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