Babenhausen

Mit 80 noch in der Kit-Fox unterwegs

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So sah es vor rund 55 Jahren aus: Da hat Erich Stegmaier erste Erfahrungen beim Bau von Segelflugmodellen gesammelt.

Babenhausen - (thh) Erich Stegmaier ist wahrlich ein alter Hase, wenn es ums Fliegen geht. Seit mittlerweile 54 Jahren sitzt der dienstälteste Pilot des Babenhäuser Luftsportclubs (LSC) hinter dem Steuerknüppel.

So lange, dass er auf die Frage nach einer kleinen Anekdote aus seinem Fliegerleben nur lachend entgegnet: „Oh je, da sitzen wir beide locker bis morgen Früh.“ Und es werden immer mehr, denn ans Aufhören denkt der gebürtige Offenbacher, der heute in Groß-Umstadt lebt und in dieser Woche seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, noch lange nicht. „Solang es noch geht, fliege ich auf jeden Fall weiter“, sagt er. Und dem steht bisher nichts im Wege, denn bei der jährlichen Untersuchung durch den Fliegerarzt gab es bisher nichts zu beanstanden.

Zur Fliegerei kam Stegmaier bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zur Fliegerei kam Stegmaier bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Zuvor hatte er bereits mit dem Bau von Segelflugmodellen Erfahrungen gesammelt. Als 1955 dann die Sportfliegerei wieder erlaubt wurde, machte Erich Stegmaier seinen Segelflugschein, 1958 folgte der Erwerb des Motorflugscheins für Privatpiloten, die so genannte PPL. „Damals war das alles noch viel einfacher als heutzutage“, erinnert sich der Pilot. „Die Theorie war noch nicht so umfangreich und es gab auch viel weniger Vorschriften.“ Und auch der praktische Unterricht sei damals nicht mit dem der aktuellen Ausbildung vergleichbar gewesen. „Ich habe damals 24 Platzrunden in einer kleinen Piper L4 gedreht und das war´s schon“, erinnert sich der routinierte Flieger.

Klein war damals noch der Kreis der Sportflieger in Deutschland und so lernte Stegmaier auch Heinz Rühmann kennen, der zusammen mit seinem Bruder das Fliegen gelernt hatte. Auch Flieger-Ass Adolf Galland, der 1969 bei der Entstehung des Kassenschlagers „Luftschlacht um England“ beteiligt war, traf Stegmaier.

Und ein paar Geschichten fallen dem 80- Jährigen dann auch noch ein. „Bei einem Schauflug in Reinheim ist mir mal eine Plastikmaske über das Gesicht gerutscht, als ich im Messerflug durch eine Pappelreihe geflogen bin“, erinnert er sich an die Schrecksekunde. Damals trug er beim Fliegen zur Erheiterung der Zuschauer ein Affenkostüm, zu dem auch eine Gesichtsmaske aus Gummi gehörte. „Als ich dann beim Überflug den Kopf aus dem Fenster rausgestreckt hab, verrutschte die Maske und es wurde schlagartig dunkel vor meinen Augen.“

Passiert ist damals zum Glück nichts und auch sonst hat Erich Stegmaier schon einige kritische Situationen erlebt. Zweimal musste er bereits mit Motorschaden notlanden, das letzte Mal war vor gerademal zwei Jahren. Einmal glückte ihm noch die Landung auf der Bahn, einmal landete er im Graben. Verletzt hat sich der Sportflieger dabei jedoch nicht.

Aber letztlich seien es vor allem die positiven Erinnerungen, die überwiegen, so Stegmaier. „Als wir einmal in Tannheim am Bodensee bei einer Flugschau waren, haben wir bei strömendem Regen unter den Tragflächen übernachtet. Der Regen hat dann über Nacht alles durchnässt, auch das Zelt eines Pärchens uns gegenüber. Die haben dann morgens alle ihre Sachen über ihr Flugzeug gehängt, nur für den BH der Frau war kein Platz mehr, den haben wir dann über unseren Propeller geworfen.“

Seit 1972 ist Erich Stegmaier nun schon beim LSC, wo auch seine „Kit-Fox“, ein zweisitziger Eigenbau, steht. Rund 480 Kilogramm bringt die 150 Stundenkilometer schnelle Maschine voll getankt auf die Waage.

Quelle: op-online.de

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