Kein Grundsatzbeschluss

Planungen für das Baugebiet "Boßwenhain" hängen in der Luft

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So können sich die Investoren und Stadtplaner das Baugebiet „Boßwenhain“ vorstellen: Gegenüber des vorhandenen Netto-Marktes an der Frankfurter Straße soll ein Tegut mit Drogeriemarkt  und einem Gebäude für die Sozialstation entstehen. Auf dem ehemaligen Iroplast-Gelände – Eigentümer war bislang Dunietz & Reich – errichtet die Dornieden-Gruppe (Vista Reihenhaus GmbH) Reihenhäuser beziehungsweise Doppelhäuser. Für die im Privatbesitz (sieben Eigentümer) befindliche Wiesenfläche wird noch mit möglichen Investoren verhandelt.

Babenhausen - Die Planungen für das Baugebiet „Boßwenhain“ hängen in der Luft. Von Norman Körtge 

In der Bauausschuss-Sitzung am Dienstagabend präsentierten zwei Investoren zwar ihre Pläne für einen Einkaufmarkt und ein Wohngebiet, zu dem vom Magistrat gewünschten Grundsatzbeschluss konnten sich die Lokalpolitiker aber nicht durchringen.

Neugestalten des Ortseingangs, Aufwerten einer bisherigen Gewerbebrache, Schaffen von bezahlbaren Wohnraum und Verbessern der Nahversorgung – vier von mehreren Argumenten mit denen im Bauausschuss für das Baugebiet „Boßwenhain“ im Norden von Babenhausen geworben wurde. Nach dem die Gespräche bislang hinter verschlossenen Türen stattgefunden hatten – unter anderem mit den Fraktionsvorsitzenden – stellten nun Sören Elvert aus dem städtischen Fachbereich Bauwesen, Christof Mahnel vom Projektentwickler CMB und Markus Sack für die Dornieden-Gruppe die Pläne vor.

Letztere hat sich bereits vertraglich vom Frankfurter Liegenschaftsverwalter Dunietz&Reich das ehemalige Iroplast-Gelände gesichert. Auf der knapp 30 000 Quadratemeter großen Gewerbefläche an der Frankfurter Straße stehen derzeit etliche Hallen, eine Firma betreibt eine Paintball-Arena und das Billard-Café Elephant ist dort beheimatet. Die zur Dornieden-Gruppe gehörende Vista Reihenhaus GmbH möchte dort in Fertigbauweise 53 Reihen- und 34 Doppelhäuser errichten. Macht insgesamt 87 Wohneinheiten. Wie Markus Sack erläuterte, ziehen in diese Häuser zumeist junge Paare oder junge Familien, die zuvor zur Miete gewohnt haben. Durch die serielle Reihenhausfertigung würden die Kosten für die 110 beziehungsweise 129 Quadratmeter Wohnfläche umfassenden Häuser erheblich gesenkt, wodurch eben der immer wieder geforderte „bezahlbare Wohnraum“ geschaffen werden könnte.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

Der in Aschaffenburg ansässige Projektentwickler CMB hingegen möchte nördlich der Iroplast-Gewerbebrache auf der grünen Wiese einen Tegut-Markt mit 1 700 Quadratmetern Verkaufsfläche mit angegliedertem Drogeriemarkt (1200 Quadratmeter Verkaufsfläche) errichten. Hinzu kommen in einem separaten Gebäude kleine Ladengeschäfte, in denen zum Beispiel ein Bäcker, ein Zeitschriftenladen oder eine Postagentur Platz finden könnten. Ebenfalls möchte CMB auf dem 14 100 Quadratmeter großen Grundstück ein Gebäude für die Sozialstation Babenhausen-Schaafheim errichten.

Wie berichtet, spricht sich die Kasernenkonversionsgesellschaft mit den Brüdern Markus und Kevin Aumann sowie Daniel Beitlich an der Spitze gegen einen Lebensmittelvollversorger aus, solange die Entwicklung in der Kaserne noch nicht abgeschlossen ist. Dabei pochen sie auf den mit der Stadt geschlossenen Kooperationsvertrag, in dem genau dies vereinbart worden sei. Die CDU-Fraktion hatte dies zum Anlass genommen, Bürgermeister Joachim Knoke (SPD) für sein Vorgehen zu kritisieren und sich in einer Stellungnahme gegen das Baugebiet ausgesprochen.

FWB-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Heil, der nach eigener Aussage den Kooperationsvertrag mehrmals rauf und runter gelesen habe, sieht hingegen keinen Verstoß. In dem Vertragswerk sei lediglich davon die Rede, dass keine Konkurrenz zur Entwicklung in der Kaserne entstehen soll: „Es steht nicht drin, dass alles andere unterzuordnen ist.“ Und er sehe nicht, warum ein Tegut im Norden von Babenhausen in Konkurrenz zu einem Markt im Süden auf dem Kasernengelände stehen sollte. Zuvor hatte Projektentwickler Christof Mahnel ausgeführt, dass der Norden von Babenhausen (unter anderem Altstadt, Wohngebiet Ost, Neubaugebiete Lachewiesen) in Sachen Lebensmittelversorgung unterversorgt sei.

Und Mahnel hatte noch ein Bonbon dabei. Zusammen mit Tegut und einem weiteren Betreiber plane er, im Bürgerhaus Hergershausen, dort wo jetzt noch eine Kegelbahn ist, einen Nahversorger aufzubauen. Davon würden auch die Sickenhöfer profitieren.

„Es ist noch nichts in Stein gemeißelt“, hatte Verwaltungsmitarbeiter Sören Elvert bereits in seiner Einleitung gesagt. Auch bezogen auf den 23 200 Quadratmeter großen Teilbereich im Eck zwischen Taunus- und Waldstraße. Das Grünland dort ist im Besitz einer Eigentümergemeinschaft, die noch mit möglichen Investoren verhandelt. Dort soll ebenfalls Wohnbebauung entstehen, die über das Vista-Baugebiet erschlossen wird. Insgesamt könnten dann zirka 170 Wohneinheiten im „Boßwenhain“ entstehen.

CDU-Politiker Günther Eckert, der unter anderem fehlende Kita-Plätze als Argument gegen die Wohnbebauung anführte, scheiterte mit einem Geschäftsordnungsantrag, der den Magistrat auffordern sollte, zunächst einen Bebauungsplan vorzulegen. Dem vom Magistrat gewünschten Grundsatzbeschluss zur weiteren Entwicklung wolle er nicht geben. CDU und FWB stimmten dafür, SPD und Grüne dagegen, die FDP enthielt sich. Auf Bitten der FDP wurde die Drucksache zurück in die Fraktionen gegeben.

Quelle: op-online.de

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