Im Notfall immer Ruhe bewahren

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Im Rettungswagen haben sich die frisch gebackenen „First Responder“ um Johanniter Daniel Reinold zum „Fachsimpeln“ versammelt.

Langstadt ‐ „First Responder“ – Ersthelfer vor Ort – sollen die Zeit zwischen Eintreten eines Notfalls und der ersten medizinischen Versorgung verkürzen. Von Jens Dörr

Denn je schneller qualifizierte Maßnahmen durchgeführt werden, desto besser stehen die Chancen auf eine rasche Heilung und eine kurze Behandlung. Schlecht, wenn außer den hauptberuflichen Rettungskräften niemand dazu in der Lage ist. Gut, wenn es Menschen gibt, die das verändern wollen.

Zu ihnen gehören die 14 Männer und Frauen, die dieser Tage im Quartier der Freiwilligen Feuerwehr Langstadt ihre letzten Unterrichtsstunden absolvierten und sich nun „First Responder“ nennen dürfen.

Hauptbestandteil der Ausbildung: die intensive Ausbildung in Herz-Lungen-Wiederbelebung bei Personen mit Herz-Kreislauf-Stillstand. Der Umgang mit dem AED, dem „Automatisierten Externen Defibrillator“, gehörte überdies ebenso zum Lernstoff wie die schonende Rettung aus Fahrzeugen und die richtige Versorgung der Wunden.

Eltern bringen häufig die Hektik hinein

Daniel Reinold ist bei seiner Arbeit indes noch nie auf „First Responder“ getroffen, begrüßt die Ausbildung der engagierten Langstädter aber. Reinold begann im Jahr 2003 als Zivildienstleistender bei der Johanniter-Unfallhilfe Dieburg, blieb dem Metier im Anschluss treu, qualifizierte sich weiter zum Rettungssanitäter und wird solche demnächst auch selber ausbilden dürfen.

Daniel Reinold (rechts) erklärt einem der Teilnehmer die Ausrüstung im gut ausgestatten RTW.

Vor allem bei Kindern müsst ihr extreme Ruhe bewahren“, erläutert Reinold den Ersthelfern, als er ihnen zwecks praktischer Anschauung samt Rettungswagen einen Besuch im Babenhäuser Ortsteil abstattet. Wobei die Kinder oftmals weniger das Problem sind als die Eltern: „Am besten wäre es manchmal, wenn die im Rettungswagen gar nicht mitfahren würden“, sagt Reinold halb schmunzelnd, halb entnervt. Denn sie brächten häufig die Hektik hinein, auch wenn die Kinder sich zuvor tapfer verhalten hätten.

In seinem Rettungswagen erklärt der 25-Jährige den Langstädtern die Ausstattung: „Und nach der Intubation schließe ich die Leute an den Medomat an“, erklärt Reinold – die Umstehenden nicken wissend. Offenbar verstehen sie die medizinische Fachsimpelei nach den 60 Unterrichtsstunden – freiwillig und immer am Wochenende durchgeführt – schon fast wie selbstverständlich.

Für die „First Responder“ hat Reinold viele Tipps parat. Beispielsweise wie man sich als Ersthelfer bei Schlägereien verhalten sollte: „Nicht einfach auf die Verletzten losstürmen und helfen – sich lieber erst ein Bild vom Schauplatz machen“, verrät der junge Johanniter. Sonst könne schnell eine Flasche auf dem eigenen Hinterkopf landen, obwohl man nur Gutes tun will.

Seitens der FFW Langstadt ist man sich derweil einig, dass das Projekt die Akzeptanz der Bevölkerung finden wird. Bei Kreis und Stadt müsse man allerdings noch Überzeugungsarbeit leisten – denn noch seien nicht alle bürokratischen und finanziellen Hürden überwunden.

Quelle: op-online.de

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