Öko-Impulse für die Nervenbahnen

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Spontanes Zupfen von Minzblättern erwünscht

Hergershausen - „Für unsere Naturschutzhecke haben wir vor allem jene heimischen Wildgehölze gewählt, die durch ihre Blüten und Beeren reichlich Insekten und Vögel anziehen“, sagt Maren Gatzemeier und deutet auf einen Weißdorn-Strauch. Von Michael Just

„Der darf nicht fehlen, schließlich ernähren sich von seinen Beeren 29 Vogelarten“, ergänzt die zweite Vorsitzende von Herigar, dem Trägerverein des Dorfgemeinschaftshauses.

Viel Summen und Zwitschern soll es in Zukunft geben, Stimulation für die Ohren. Auch duften wird es, und durch das Berühren besonderer Pflanzenformen gibt es weitere Impulse für die Nervenbahnen. Kurz gesagt: Im Sinnesgartens soll all jenes erfüllt werden, was ein tiefgreifendes Erlebnis ausmacht. Zwei Jahre hat es letztlich von der ersten Idee bis zu den Anfängen der Umsetzung der Hergershäuser Sinnesvielfalt gedauert. Nun wurden rund 300 Sträucher mit 17 verschiedenen Wildgehölzen auf einem breiten Grünstreifen zwischen der K183 und den ersten Häusern des Ortes gesetzt.

300 Sträucher mit 17 Wildgehölzen gesetzt

Insgesamt waren acht fleißige Helfer von Herigar mit Spaten und Fräse im Einsatz, um die Büsche in den unerwartet steinigen Boden zu bringen. Mit den 800 Quadratmetern auf dem Areal, dass der Stadt gehört, und den 200 Quadratmetern des ehemaligen Lehrergartens neben der Alten Schule soll hier durch eine Verbindung bald ein Sinnesgarten auf 1 000 Quadratmeter erlebbar sein.

Für die Entstehung hatte sich Herigar kompetente Hilfe ins Boot geholt: 19 zukünftige Landschaftsarchitekten, die noch alle auf der Hochschule Geisenheim studieren, ließen ihren Ideen in einer Semesterarbeit freien Lauf. „Dabei kamen zum Teil sehr moderne und mutige Pläne heraus. Wir haben dann geschaut, ob das in die Landschaft passt, Materialien und Preis stimmen und die Sache nicht zu pflegeaufwendig ist“, erklärt Gatzemeier. Am Ende blieben drei Vorschläge übrig, aus dem dann der finale Plan kreiert wurde.

Herzstück des kleineren Areals ist ein Pavillon mit zwei Laubengängen, an denen sich in Zukunft dann Kletterrosen und Clematis hangeln werden. Dazu gibt es Beete mit vielen Kräutern. Spontanes Zupfen von Minzblättern für das Herigar-Café ist dabei erwünscht. Lockerer strukturiert zeigt sich der äußere Bereich mit seinen Hecken und der Naturwiese. Letztere wird mit zweierlei Saatgut im April bepflanzt. Ein Teil wird dann als Weg dienen, dessen robuste Gewächse sich problemlos runter treten lassen – und beim Durchschreiten ein besonderes Erlebnis mit sich bringen soll

Großteil der 35.000 Euro-Kosten schon beisammen

Die Kosten für den Garten belaufen sich auf rund 35.000 Euro, die zu einem großen Teil schon zusammengekommen sind. 30 Prozent kommen aus EU- und Landesfördermitteln, 10.000 Euro von Fraport-Umweltfonds, 1 500 Euro vom Bund, 2 000 Euro von der Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf“ und 1 500 Euro aus einer Handy-sammlung.

Für den ersten Bauabschnitt nutzten die Macher von Herigar kurzerhand die milden Temperaturen zum Ende des vergangenen Jahres. In 2012 soll es nun im Bereich des Dorfgemeinschaftshauses weitergehen. Den Auftrag für den Metallpavillon erhielt beispielsweise die Justizvollzugsanstalt Heilbronn. „Die machen tolle Sachen“, weiß Gatzemeier. Mit dem Ziel, das Geld regional und mit sozialem Schwerpunkt auszugeben, bekam die Behinderteneinrichtung „Heydenmühle“ in Otzberg den Auftrag für die Bänke.

Mit den ersten Bepflanzungen im Sinnesgarten führt Herigar sein Vorhaben fort, den Stadtteil in ein Gartendorf zu verwandeln. Von dem Projekt sollen vor allem Kindergärten, Schulen und Senioren profitieren.

Laut Maren Gatzemeier dauert es nicht mehr lange, bis sich Schlehe, Felsenbirne oder viele Wildrosenarten riechen, fühlen oder auch schmecken lassen: „Die Hecke wächst 30 bis 50 Zentimeter im Jahr. Da wird man schon bald die ersten Ergebnisse sehen“, freut sie sich.

Quelle: op-online.de

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