Zu 300 angemeldeten Adressen schwärmen Kinder beider Konfessionen aus

Ökumene bei den Sternsingern

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Über vier Tage zogen nun wieder mehrere Gruppen von Sternsingern durch Babenhausen und die Stadtteile.

Babenhausen – „Haben wir alles?“, fragt Gemeindereferentin Claudia Czernek am Freitagnachmittag, als sie und die Sternsinger vom katholischen Gemeindezentrum St. Josef losziehen, um den Segen für das neue Jahr in die angemeldeten Häuser zu bringen. Von Michael Just

Stern, Kreide, Aufkleber, Sammelbox und Adressenliste gehören zu den wichtigen Dingen, die auf keinen Fall vergessen werden sollten. Daran musste gleich an vier Tagen gedacht werden, denn von Donnerstag bis Sonntag liefen verschiedene Gruppen – traditionell als Heilige Drei Könige verkleidet – rund 300 Adressen in der Kernstadt und den Stadtteilen ab. Dafür engagierten sich 38 Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren sowie neun Erwachsene als Begleiter.

Ein dickes Lob ging von Claudia Czernek an die Zwölf- bis 14-Jährigen: Nicht zu jung und nicht zu alt sollte aus dieser Altersspanne eigentlich das Gros der jungen Christen stammen, die sich für die Aktion stark machen. Doch ausgerechnet diese Jahrgänge sind unterrepräsentiert. Die Gemeindereferentin weiß warum: „Einigen ist die Sache durchaus peinlich und sie befürchten, von Klassenkameraden gesehen zu werden.“ Für die 57-Jährige ist das nicht nachvollziehbar: „Im Auftrag Gottes und für seinen Glauben unterwegs zu sein, ist niemals peinlich.“ Eher das Gegenteil sei der Fall. So freute es die Hauptverantwortliche umso mehr, dass einige Kinder gleich an mehreren Tagen liefen oder Ersatzdienst für kranke Kameraden übernahmen.

Besonders engagiert zeigten sich die Geschwister Jonna (6) und Tom Kraus (12): Sie waren in der Kernstadt an drei von vier Tagen dabei. „Die Jonna würde am liebsten an allen vier Tagen mitziehen und singen“, weiß die Gemeindereferentin über die Begeisterung der Schülerin, den Leuten mit ihrem Erscheinen eine Freude zu bereiten. Obwohl es für sie das erste Mal war, schien die Schülerin frei von Nervosität. „Kein Wunder. Ihr Bruder hat ihr doch schon alles über den Ablauf erzählt“, sagte der Vater von Jonna schmunzelnd beim Abgeben der Tochter im Gemeindezentrum. Dora Sever (9) wusste sogar das Hauptzielland, an das die gesammelten Spenden, die in ganz Deutschland durch Tausende von Sternsinger zusammenkommen, fließen. 2019 heißt es Peru. Darüber hinaus unterstützt das Kindermissionswerk in Aachen noch viele weitere Projekte für bedürftige Kinder in der ganzen Welt.

Die meisten Haushalte ließen sich den gebrachten den Segen auch in schriftlicher Form auf ihren Haustüren festhalten. Die Zahlen- und Buchstabenkombination „20*C+M+B+19“ steht nicht für Caspar, Melchior und Balthasar, sondern als Abkürzung für den lateinischen Satz, dass Christus dieses Haus segnen soll. Mittlerweile wird am „CMB“ und der Jahreszahl der Wandel der Zeit deutlich: Wurde die Abkürzung früher meist mit Kreide auf die Holztüren geschrieben, sind nun Aufkleber die gängige Version. Da Holztüren immer mehr durch Kunststoffvarianten ersetzt wurden, halten Aufkleber einfach besser. In Babenhausen liefern die Sternsinger nebenbei auch noch Zeugnis für eine gut funktionierende Ökumene in der Stadt: So liefen evangelische Kinder ebenfalls mit. Ferner standen evangelische Haushalte auf der Liste, die sich über den Besuch der Heiligen Drei Könige und die Möglichkeit zum Unterstützen der Hilfsaktion freuten.

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Für alle Sternsinger hatte Czernek im Vorfeld ein großes Treffen organisiert. Dabei gab es Informationen zum Ablauf, über die auswendig zu lernenden Verse und Lieder, die Kleidung sowie Sinn und Zweck des Ganzen. Über die Kleidung musste sich keiner Gedanken machen: Hier liegt bei St. Josef bereits ein riesiger Fundus an Kostümen vor.

Löblich ist auch das Engagement in den Stadtteilen: Dort sorgen Gemeindemitglieder, darunter die Familien Dittmann (Hergershausen), Krasnik (Sickenhofen), Mainka (Harpertsausen) oder Kny (Harreshausen), für eine weitgehend selbstständige Organisation. Wie gewohnt, durften sich die Sternsinger über jede Menge Süßigkeiten freuen, die sie als Aufmerksamkeit für ihr Auftreten in fast allen Häusern bekamen. Bei den süßen Artikeln, die sich nicht ganz so leicht durch ihr Format unter den Kindern aufteilen lassen, hat St. Josef eine gute Lösung gefunden: Sie gehen direkt an den Lebensmittelpunkt.

Quelle: op-online.de

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