Offene Fragen bei den „Bufdis“

+
Am 1. Oktober beendet Zivi Steven John seinen Dienst bei der Kinder- und Jugendförderung. Lara Kreß steht schon in den Startlöchern für die Übernahme seiner Aufgaben - allerdings als FSJ-Kraft.

Babenhausen (mj) - Früher beendete ein „Zivi“ seine Dienstzeit, und der nächste stand schon bereit – das war bei der städtischen Kinder- und Jugendförderung (KuJF) nicht anders wie im Rest der Republik.

Doch in diesem Jahr ist alles anders: Mit dem Ende des Wehrdiensts fällt auch der Ersatzdienst weg.

Laut Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben warten die Nachfolger fortan im Bundesfreiwilligendienst (BFD). Doch dass im eigenen Haus auf „Zivis“ nun „Bufdis“ folgen sollen, sieht man bei der KuJF anders: „Wir bevorzugen nun eher junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr machen wollen“, sagt Ina Hildwein.

Für die Diplom-Sozialpädagogin ist der BFD immer noch ein Buch mit sieben Siegeln: Zu viele Fragen seien offen oder ließen einen zu großen Spielraum. Dafür spreche eine ungenaue Dienstdauer zwischen sechs und 18 Monaten, ein Starttermin, der nicht mehr quartalsweise sondern zu jeder Zeit möglich ist, oder das Fehlen jeglicher Altersbeschränkungen, so dass auch Rentner sich theoretisch bewerben könnten.

Bei der KuJF würde man sich generell wünschen, dass die Grundlagen genauer festgelegt sind. Die Konsequenz: „Wir denken, dass FSJler für uns die besseren Voraussetzungen mitbringen als die Bufdis“, sagt Hildwein und ergänzt: „Viele FSJler sehen das Jahr als Vorbereitung für ihren späteren Beruf. Das steigert die Motivation.“ Dazu gebe es eine Altersvorgabe zwischen 16 und 27 Jahren.

„Hans Dampf in allen Gassen“

Die besagte Motivation beobachtet Hildwein auch bei Lara Kreß. Die 19-jährige Babenhäuserin trat am 1. September ihre FSJ-Stelle bei der KuJF an. Damit löst sie Steven John (21) ab, der zum 1. Oktober seinen sechsmonatigen Ersatzdienst beendet. Kreß ist bei der KuJF bereits bekannt: Beim Jugendforum ist sie schon seit Jahren dabei, dazu war sie die letzten neun Monate schon als geringfügig Beschäftigte an Bord. Nach dem Abitur sieht sie das FSJ als eine gewinnbringende Zeit. Da sie später etwas zum Thema Sozialarbeit studieren will, geht sie davon aus, dass ihr die zwölf Monate als Praktikum angerechnet werden.

Ihre Arbeit sieht vor, dass sie die Aufgaben von Zivi Steven John weiterführt, der als „Hans Dampf in allen Gassen“ bekannt war. Dabei unterstützt sie die Leitung der Stadtjugendpflege, engagiert sich im großen Angebotsbereich der KuJF oder übernimmt Besorgungs- und Botenfahrten. „Eigentlich ist ihr Gebiet weiter gefasst als beim Zivildienst, da ihre Arbeit unter einem pädagogischen Aspekt steht. Sie kann selbst Projekte aufbauen und wird in alle Bereiche der KuJF reinschnuppern“, so Ina Hildwein.

FSJ statt Zivildienst

Dass das FSJ künftig den Zivildienst ersetzen darf, wurde am 20. Juli vom Magistrat bestätigt. Obwohl Kreß die einzige Bewerberin auf die FSJ-Stelle war, geht Hildwein davon aus, dass ihr künftig noch viele folgen werden. Fürs Erste ist die Diplom-Sozialpädagogin glücklich: Der vorher mit Wehmut betrachtete Wegfall des Zivildiensts hat eine positive Wende erfahren.

Sorgen machen müssen sich allenfalls die Politiker in Berlin, ob der BFD mit seinem jetzigen Erscheinungsbild wirklich als zukunftsträchtiger Ersatz für den Zivildienst geeignet ist.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare