Offene Gärten locken Auswärtige

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Die „Jungen Töne“ des Hergershäuser Gesangvereins sangen trotz Regengusses unter einem großen Sonnenschirm im Hof der Familie Kirchhöfer weiter.

Hergershausen - Gegen 17 Uhr kam am Samstag der große Regen, was die Sängerinnen und Sänger des Hergershäuser Liederkranz im Hof der Familie Kirchhöfer nicht davon abhielt, munter weiter zu singen. Von Petra Grimm

Nachdem ein Nachbar einen überdimensionalen Sonnenschirm über den Zaun gereicht hatte und die „Jungen Töne“ darunter dicht gedrängt einigermaßen im Trockenen standen, wurde das Repertoire einfach dem Wetterumschwung angepasst.

So erklang unter der Leitung des Dirigenten Peter Wilhelm „I´m singing in the rain“ oder auch „Let the sun shine“. Letzteres schien zu helfen, denn der Himmel wurde wieder heller und der Regen hörte schließlich auch auf. Die Besucher, die unter den Pavillons Zuflucht gefunden hatten, ließen sich weiter den Handkäs´ schmecken.

Familie Kirchhöfer, unterstützt von den „Jungen Tönen“, war zum ersten Mal bei den Tagen der „Offenen Gärten und Höfe“ im Ortsteil dabei. Am Wochenende lockte die Veranstaltung zum sechsten Mal zahllose Gartenliebhaber in die malerischen Gassen des alten Ortskerns. Neben acht geöffneten privaten Gärten und Höfen präsentierten vier Künstler und Kunsthandwerker in der Alten Schule ihre Arbeiten. Hier war am Sonntag außerdem ein Flohmarkt aufgebaut und die benachbarte evangelische Dorfkirche zur Besichtigung geöffnet.

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Offene Gärten locken Auswärtige

Für Aufsehen sorgte wieder der naturnahe Garten des Ehepaares Maren Gatzemeier und Mathias Brendle, die die Veranstaltung 2005 auch ins Leben gerufen haben. Hier werden auf 400 Quadratmetern Gartenfläche mit Rosen, Clematis, Lavendel oder auch Rittersporn alle Sinne angesprochen. Blauregen rankt sich am Wohnhaus hoch. Außerdem sind 80 Quadratmeter des Dachs bepflanzt.

In diese grüne Oase tauchen inzwischen alljährlich zahlreiche begeisterte Stammgäste ein. „Die meisten Besucher heute kamen von außerhalb“, sagte Maren Gatzemeier am Samstagnachmittag, während sie die Wissbegier der Gäste stillte. Detailfragen zu einzelnen Pflanzen über das Düngen oder Schneiden waren ebenso dabei wie ausgefallene Anliegen. So wollte ein Besucher wissen, ob sie Schnecken im Teich hätten. „Ja, aber das ist ja kein Problem, so lange sie im Teich bleiben“, sagte Gatzemeier etwas verwundert über diese Frage. Es stellte sich schließlich heraus, dass der Mann gerne selbst welche hätte. Also wurden vier Exemplare für ihn aus dem Teich gekäschert.

„Die Veranstaltung ist aus der Dorferneuerung heraus entstanden“, erklärte Mathias Brendle. Inzwischen läuft sie unter der Regie des Vereins Herigar, bei dem Maren Gatzemeier die zweite Vorsitzende ist. „Einmal haben 20 Gärten mitgemacht. Das war die Spitzenzahl. Jetzt sind es acht, davon sind zwei zum ersten Mal dabei. Manche Gartenbesitzer wollen nicht jedes Jahr teilnehmen. Andere denken, ihr Garten ist nicht schön genug und sind dann von den positiven Rückmeldungen der Besucher ganz überrascht. Sie sehen ihren Garten dann plötzlich mit ganz anderen Augen“, erzählte Gatzemeier.

Viel Andrang war wieder im Garten von Mathias Brendle (links) und Maren Gatzemeier, die die „Offenen Gärten und Höfe“ in Hergershausen initiiert haben.

Von den offenen Gärten „angenehm überrascht“ waren Klaus und Marita Schaefer aus Urberach, die auf Empfehlung von Freunden angereist sind. „Wir sammeln Anregungen und suchen Ideen für pflegeleichte Bodendecker“, sagten sie. Monika Grasshof aus Frankfurt war vor drei Jahren zum erstenmal im Garten von Mathias Brendle und Maren Gatzemeier. Mit den spanischen Gänseblümchen, die sie hier gekauft hat, hat sie Bekannte und Verwandte versorgt. „Wir haben heute Freunde mitgebracht und die sind sprachlos vor Begeisterung“, sagte sie. Ein weiterer Höhepunkt des Rundgangs war für viele Besucher der Rosengarten der Familie Winter, in dem 2.500 Rosenstöcke, rund 500 Sorten, wachsen.

Kunstinteressierte wurden nicht nur in der Alten Schule fündig. Die holländische Künstlerin Francisca Hausch hatte ihr „Atelier Werkstatt“ geöffnet und präsentierte gemeinsam mit ihren Kollegen Arno Müller und Sonja Schilling „Kunst in Hof und Garten“. Der Hergershäuser Maler Willi Seibert zeigte seine von ländlichen Motiven geprägten Bilder in der alten Hofreite der Familie Rauffmann, in der er geboren wurde.

Zum ersten Mal dabei war eine Sickenhöfer Familie. Und auch im Garten und der Galerie der Familie Jakob war viel los. Der gepflegte Grünbereich mit verschiedenen Hortensien, allein 26 Arten Kamelien und 100 Arten winterharten Stauden, wurde ebenso wie die Bilder Heide Jakobs bestaunt. „Am Samstagmorgen, schon eine Stunde bevor es offiziell losging, waren die ersten Gäste da. Sie kamen aus Marburg“, sagte die Malerin, die bis Samstagnachmittag vor lauter Trubel nicht einmal zum Essen kam. „Ich hoffe, es kommen heute wieder so viele Leute. Das ist viel schöner, als wenn man nur zuhause sitzt und Däumchen dreht“, sagte Heide Jakob am Sonntagvormittag.

Quelle: op-online.de

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