Offenen Schule: Fünftklässler versuchen sich als Schulschreiber

Das Ende steht bereits vorher fest

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Wie entsteht eine gute Geschichte? In der Offenen Schule können sich die Fünftklässler als Schulschreiber versuchen. Katharina, Ilayda und Theresa sind stolz darauf, ihre veröffentlichte Geschichte in den Händen zu halten.

Babenhausen - Wie entsteht eine gute Geschichte? In der Offenen Schule können sich die Fünftklässler als Schulschreiber versuchen. Von Corinna Hiss 

Stolz hält Ilayda das gebundene Heft in den Händen. Ihre eigene Kurzgeschichte – zum ersten Mal veröffentlicht. „Du bist jetzt ein richtiger Autor“, ermutigt sie Jens Schumacher, der das vergangene Jahr mit der Zwölfjährigen an ihrer Geschichte gefeilt hat. Ilaydas Publikum sind zwar nur Lehrer, Mitschüler oder die Familie, aber für sie hat es sich trotzdem gelohnt, am Schulschreiber-Projekt der Offenen Schule Babenhausen mitgemacht zu haben. Seit zehn Jahren schon bringt Deutschlehrer Wolfgang Seidl motivierte und talentierte Fünftklässler mit dem Mainzer Buchautor Jens Schumacher zusammen, der ihnen in vier Workshops hilfreiche Schreibtipps gibt. Gemeinsam mit dem Profi erarbeiten sie sich eine Kurzgeschichte, die dann jeder zu Hause fertig schreiben kann. Das Ergebnis wird in einem kleinen, gebundenen Heft festgehalten.

Ilayda hat mit vielen anderen im vergangenen Jahr am Projekt teilgenommen. Jetzt sind die neuen Fünftklässler der Offenen Schule dran: Aus jeder der sieben Klassen dürfen jeweils drei Kinder in diesem Jahr mit Schumacher zusammenarbeiten. Um einen Vorgeschmack zu bekommen auf das, was sie in den Workshops erwarten wird, haben nun die Teilnehmer des letzten Jahres eine Kostprobe aus ihren Geschichten gegeben.

Geschichte über ein versunkenes Land

„Abenteuer“ lautete der Oberbegriff, unter dem alle Texte vereint werden. „Es haben sich ganz individuelle und unterschiedliche Handlungen ergeben“, freut sich Wolfgang Seidl über das Ergebnis. Ilaydas Geschichte handelt von einem versunkenen Land, das nach einem Erdbeben neben der Küste Italiens auftauchte, Theresa beschreibt Abenteuer im Internat und Katharina versetzt ihre Hauptperson ins „Wischi-Waschi-Wunderland“, ein Fantasieland, in das man mit der Waschmaschine geschleudert wird. Den Herrscher des fremden Örtchens bezeichnet die Elfjährige als König Bauknecht, angelehnt an die Waschmaschinenfirma.

Während die Schulschreiber den Fünftklässlern Auszüge aus ihren Geschichten vorlasen, war es ganz still in der Aula der Offenen Schule. Die talentierten, jungen Schreiber haben bereits erkannt, was es zu einer guten Geschichte braucht: Eine alltägliche Situation, in der auf einmal etwas Unvorhergesehenes geschieht.

Auch Jungs fürs Schreiben begeistert

„Ich habe mir schon immer gerne Geschichten ausgedacht“, erzählt Ilayda, „meist habe ich aber einfach drauf los geschrieben und wusste irgendwann nicht mehr weiter.“ Dieses Problem kennt auch Jens Schumacher, der in den vergangenen 20 Jahren bereits über 60 Bücher veröffentlicht hat. Bei dem 40-jährigen Autor lernen die Schüler eine wichtige Regel: „Zuerst müsst ihr eure Geschichte im Kopf fertig haben und Stichpunkte dazu machen. Erst danach legt ihr mit Schreiben los.“

Obwohl eher Mädchen dazu neigen, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, schaffte es Schumacher mit seinem Abenteuer-Thema auch, Jungs fürs Schreiben zu begeistern. „Vielleicht bleibt ja was hängen und sie machen weiter, sei es mit eigenen Geschichten oder in der Schülerzeitung“, hofft auch Seidl, der den Kontakt zwischen Schumacher und den Kindern herstellt. Für das neue Thema sind alle bereits Feuer und Flamme: „Fantasy“ lautet die Aufgabe, der sie sich ab Mitte Juni stellen werden. Und mal sehen: Vielleicht entsteht bald in Babenhausen ein zweites Mittelerde.

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Quelle: op-online.de

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