„Ohne Disziplin geht gar nichts“

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Markenzeichen rotes Stirnband: Christian Bischoff besuchte die Offene Schule und machte mit den Schülern auch einige Übungen.

Babenhausen - Über 400 Schüler der siebten und achten Klassen der Offenen Schule füllen lärmend die Stuhlreihen in der Stadthalle. Von Petra Grimm

Kurze Zeit später sind ihre Augen auf den Zweimetermann mit dem roten Stirnband gerichtet, der ihre Konzentration bei einem interaktiven Spiel fordert. „Immer Blickkontakt halten“, schärft er ihnen ein. Nur wer genau seinen Anweisungen folgt, kommt bei diesem Wettbewerb um den Titel des Konzentrationsmeisters weiter. Mit Spaß sind alle bei der Sache. Eine Lehrerin gewinnt. „Das gab´s noch nie“, ruft Motivationstrainer Christian Bischoff lachend in den Saal.

Gleich zu Beginn des zwei Schulstunden dauernden Trainings, das vom Schulelternbeirat organisiert und vom Schulförderverein Impuls finanziert wurde, macht der Mentalcoach deutlich, dass er sich nicht auf der Nase herum tanzen lässt. Unter dem Applaus der übrigen Schüler geht er auf eine handvoll Störer zu und droht ihnen, dass sie gehen müssen, wenn sie weiter für Unruhe sorgen und die anderen ablenken. Das wirkt. Störungen gibt es nicht mehr bei dem temperamentvollen Vortrag, der durch spielerische Aktivitäten aufgelockert wird und den er im Anschluss auch noch vor den neunten und zehnten Klassen hält. Sein Ziel sei es „die Lehrer im Schulalltag zu stärken und das Selbstvertrauen der Kinder aufzubauen“. Der Schulelternbeirat hat den Besuch von Bischoff initiiert, „um ein neues Bewusstsein zu schaffen für den Umgang mit dem neuen Schulgebäude und im Zusammenleben der ganzen Schulgemeinde“, sagte Sabine Hottner vom Organisationsteam.

Die Botschaften des mehrfachen Buchautors, der mit 16 Jahren der jüngste Basketball-Bundesligaspieler seiner Zeit und mit 25 der jüngste Cheftrainer in der Basketball-Bundesliga war, sind nicht neu. Aber er versteht es, sie den jungen Menschen mit Enthusiasmus zu vermitteln. Er wirkt authentisch und überzeugend, wenn er ihnen erklärt, dass ein freundlicher Mensch, der sein Gegenüber im Gespräch interessiert anlächelt weiterkommt, als ein vermeintlich cooler Null-Bock-Typ.

Dirk Nowitzki als positives Beispiel

Die Basis seiner „Mach den positiven Unterschied“-Pyramide, die die Kinder auf der Leinwand sehen, ist Selbstdisziplin. „Die braucht man, um sein Ziel zu erreichen“, sagt er und zeigt ein altes Foto der deutschen Basketball-Jugendnationalmannschaft, auf dem er neben dem NBA-Star Dirk Nowitzki zu sehen ist. „Was meint ihr, warum er es soweit gebracht hat?“, fragt er die Jugendlichen. „Er hatte ein klares Ziel und hat alles dafür getan, es zu erreichen.“

Als er über den voll gepackten Tagesablauf des heute hoch bezahlten Basketball-Profis Nowitzki während der Schulzeit redet, geht ein Raunen durch den Saal. „Man sieht bei den Prominenten oft nur ihren Erfolg, aber davor steht jahrelange Disziplin.“ Er verrät „das Geheimnis für einen guten Schulabschluss“: „Frag dich mal, wie viel Zeit du täglich mit Hausaufgaben und dem Lernen für die Schule verbringst. Und dann lerne ab heute jeden Tag zehn Minuten mehr.“ Das sei auch auf andere Ziele, wie das Erlernen eines Instruments, übertragbar. Neben seinem Tipp Nummer eins „Trainiere deine Konzentration und halte Blickkontakt im Gespräch“ war das sein zweiter Tipp: „Jeden Tag mit Disziplin zehn Minuten an deinem Ziel arbeiten.“ Bei Tipp Nummer drei ging es um das menschliche Miteinander. Dazu nahm Bischoff auf der Bühne einen roten Eimer in die Hand. Jeder Mensch habe einen unsichtbaren Eimer voll mit Selbstvertrauen. „Wir können unser volles Potenzial ausschöpfen, wenn unsere Eimer überlaufen, wenn sie leer sind, können wir keine Leistung bringen.“ Außerdem habe jeder eine Schöpfkelle, mit der er den Eimer des anderen leeren oder füllen kann. Um selbst besser dazustehen, würden manche Menschen den Eimer der anderen leeren, indem sie sie kritisieren oder verspotten. „Aber nur, wer den Eimer der anderen mit ehrlichem Lob, Respekt oder einem Danke füllt, erfährt selbst Nähe und Freundschaft. Wenn wir uns dafür entscheiden, die Eimer der anderen zu füllen, füllen wir damit gleichzeitig unseren eigenen“, schärfte er den Kindern ein und forderte sie auf, ihren Freunden im Saal jetzt einmal zu sagen, was sie an ihnen mögen. Darauf hin sah man sich umarmende Mädchen und Jungs, die sich die Hände schüttelten und sich ihrer Freundschaft versicherten.

Am Ende des Vortrags, der die meisten Kinder sichtlich bewegte, veranschaulichte Bischoff mit einem eindrucksvollen Film, in dem ein ohne Arme und Beine geborener Australier zu Wort kam, was es heißt, auch bei Tiefschlägen nicht aufzugeben und sein Leben zu meistern.

Quelle: op-online.de

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