Blick von heute auf Schicksale von gestern

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Die Teilnehmer des 10. Jahrgangs vor dem Besucherzentrum „Centre européen du résistant déporté Struthof“.

Babenhausen - Für das Projekt „Gegen Krieg und Gewalt“ fuhren 80 Schüler des 9. und 10. Jahrganges der Offenen Schule nach Niederbronn-les-Bains im Elsass. Das Reiseprogramm beider Gruppen erstreckte sich über jeweils drei Tage.

Die kleine Bildungsfahrt hatte Schulseelsorgerin Ruth Selzer-Breuninger in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge organisiert, der die Albert-Schweitzer-Jugendbegegnungsstätte in Niederbronn unterhält. Neben der Begegnungsstätte erstreckt sich ein großer Soldatenfriedhof mit über 15 000 Gräbern, den die jungen Babenhäuser unter fachlicher Anleitung erkundeten. Im angegliederten Museum stellt eine Ausstellung zwölf Einzelschicksale im historischen Kontext dar. Dazu zählen ein wegen Befehlsverweigerung erschossener Soldat, ein Kriegsverbrecher, ein SS-Freiwilliger, ein Hitlerjunge, ein Kriegsgefangener sowie zivile Opfer der Bombardierungen.

In Gruppen befassten sich die Schüler mit diesen einzelnen Schicksalen. Sie betrachteten die Schicksale von gestern mit dem Blick von heute. Es half ihnen, Zugang zu den persönlichen Akten der Soldaten zu haben. Zu richtigen Archiven, die Fotos, Briefe und manchmal auch persönliche Gegenstände umfassen. Besonders bewegend war es für alle, die Abschiedsbriefe Gleichaltriger zu lesen, die aus verschiedenen Gründen zum Tode verurteilt worden waren. Was schreibt man in seinem letzten Brief? Diese Frage beschäftigte die Jugendlichen. In einer zweiten Gruppenphase betrachteten die Babenhäuser Schüler die Besucherhefte von verschiedenen Kriegsgräberstätten aus der ganzen Welt. Was schreiben die Besucher dieser symbolischen Orte? Eine spannende Frage, die zu einigem Erstaunen führte: Bewegende Worte, genauso wie respektlose Schmierereien waren zu lesen.

Weiter auf dem Programm stand der Besuch der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof. Dort besichtigen die Gruppen die Überreste des Lagers und anschließend das Museum auf dem Gelände. Dort haben Menschen, die ihrer Freiheit beraubt wurden alles verloren. Bis hin zu ihrer Identität. Dort haben Menschen gelitten und dort wurden Menschen umgebracht.

Als Gegensatz zu diesen Grausamkeiten stand das Oberlin-Museum in Waldersbach. Vor zwei Jahrhunderten lebte der Pfarrer Oberlin samt Familie in Pfarrhaus im Steintal. Er nahm dort die Welt unter die Lupe und dort entstanden die Strickstuben, eine frühe Form des Kindergartens. Die Ausstellung schildert das Leben eines Menschen aus dem 18. Jahrhundert, der sowohl für die geistige wie für die materielle Entwicklung seiner Gemeinde Sorge trug.

Ein Besuch Straßburgs auf dem Rückweg fehlte auch nicht. Zuvor nutzten Schüler und Lehrer die Gelegenheit, die Festung Schoenenbourg der Maginot-Linie zu besichtigen. Die Maginot-Linie durchquerte Lothringen von West nach Ost und das Elsass von Nord nach Süd auf einer Länge von 400 Kilometern. Als letzte große Landesbefestigung Frankreichs sollte sie die Grenzen im Norden, Nordosten und in den Alpen gegen jeden feindlichen Angriff schützen. Alle Schüler waren bewegt von den vielfältigen Erlebnissen und den intensiven Eindrücken der Woche.

kat

Quelle: op-online.de

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