Unterwegs mit dem Mobilitätsbeauftragten Achim Knick

Oft gefährlich und zu eng für Radfahrer in Babenhausen

Gefahrenstelle für Radfahrer: Hier verjüngt sich die B26 auf eine Geradeausspur – und der als Radweg verwendete Mehrzweckstreifen (rechts) hört ganz auf. Eine mutige Radlerin teilt sich die Abbiegespur mit Autofahrern.
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Gefahrenstelle für Radfahrer: Hier verjüngt sich die B26 in Babenhausen auf eine Geradeausspur – und der als Radweg verwendete Mehrzweckstreifen (rechts) hört ganz auf. Eine mutige Radlerin teilt sich die Abbiegespur mit Autofahrern.

Es wird einem mulmig, wenn ein 40-Tonner nur wenige Zentimeter an einem vorbeirumpelt. Ein falscher Schlenker, einmal nicht hoch konzentriert und schon könnte man unter dem Lastwagen liegen. Ort des Geschehens ist die B26 in Babenhausen, bevor es links in die Schaafheimer Straße geht. Ein Radfahrer hat dort auf dem Mehrzweckstreifen genau einen Lenker breit Platz.

Babenhausen - Kein Wunder, dass viele Radler auf den Gehweg ausweichen, gern auch mal gegen die Fahrtrichtung. Nur Mutige nutzen den Mehrzweckstreifen als Radweg oder teilen sich gar eine Bahn mit den Autos. Und beides ist gar nicht so ohne, weil sich die Fahrbahn kurz nach der Ampelkreuzung an der Esso-Tankstelle von zwei Spuren auf eine verjüngt – just da, wo der Mehrzweckstreifen abrupt aufhört. Eilige Autofahrer, die schnell noch von der endenden linken auf die rechte Spur rüberziehen, sind an der Tagesordnung. Fahrradfahrer, die auf der rechten quasi abstandsfrei überholt werden, auch.

Diese Stelle ist eine der Gefahrenstellen für Radfahrer, die dem Hergershäuser Achim Knick als prägnantes Beispiel dient. Als ehrenamtlicher Mobilitätsbeauftragter der Stadt ist ihm das Thema „Sicherheit im Verkehr“ eine Herzensangelegenheit. Als Fahrradfan versucht der 60-Jährige, möglichst alle Besorgungen mit dem Rad zu erledigen – und er ärgert sich immer wieder über unnötig risikoreiche Situationen und beschwerliche Hindernisse, die ihm als Radler im Weg sind. Manches Mal aber wird aus dem Ärger schlichtweg pure Angst, wie er sagt. Beispielsweise bei der unfreiwilligen Lastwagen-Nähe.

Achim Knick simuliert eine Radbreite auf dem Mehrzweckstreifen auf der Darmstädter Straße (B26) nahe der Schaafheimer Straße.

Nicht gefährlich, aber nervig ist die Situation am Bahnhofsvorplatz. Am Ende der bahneigenen Unterführung wird’s eng. Denn nach dem Passieren eines Absperrgitters führt der Weg entweder geradeaus über Stufen oder links um eine Ecke durch einen von Betonmauern umgebenen Gang zur B26. Die Stufen sind hoch, und der Gang so schmal, dass man sein schweres E-Bike kurz anheben muss, um es um die Ecke zu wuchten. Wer mit einem Anhänger unterwegs ist, steckt in der Falle.

Es wäre leicht, diese Problematik zu entschärfen“, meint Knick: „Aber wenn ich so etwas kritisiere, heißt es ganz oft: Nimm halt einfach einen anderen Weg. Du musst da ja nicht durch“, erzählt der passionierte Radfahrer. „Jedoch frage ich mich: Warum sollen immer Radfahrer Umwege in Kauf nehmen, während für motorisierte Verkehrsteilnehmer alles direkter und schneller zugänglich gestaltet wird?“

Selbes Spiel beim nächsten Punkt – wieder eine Gefahrenstelle für Menschen ohne schützenden Käfig, der sich Auto nennt: Die Fahrt durch die Unterführung der Hindenburgstraße. Wenn man Pech hat, hängt hier ein Laster hinter dem anderen, zusätzlich ist es dunkel. Knicks Vorschlag, der auch den Nutzern des Parkplatzes zugutekäme, der durch die Hindenburgstraße vom Bahnhof getrennt ist: Fußgängerübergänge an den Enden der Unterführung, mehr Licht und statt der zwei vorhandenen schmalen Bürgersteige auf beiden Seiten einen breiten auf nur einer Seite, der dafür gut von Radlern und Fußgängern zugleich genutzt werden kann.

Eng wird es auch auf dem Bahnhofgelände: Das E-Bike muss um die Ecke gehoben werden.

Möchte man diese Stelle umradeln, kann man die autofreie Unterführung an der Wilhelm-Leuschner-Straße nutzen, die rund 150 Meter in entfernt ist. Allerdings haben es auch Radfahrer manchmal eilig, findet Knick. Bei den Verantwortlichen der Stadt würden Radler jedoch leider immer noch hauptsächlich als freizeitliche Spazierfahrer betrachtet und nicht als Menschen, die wie ein Autofahrer ihrem Alltag nachgehen. Mit Zeitdruck und allem, was dazugehöre. Apropos Freizeitradler: Einen Fahrradweg zwischen Zellhausen und Babenhausen, hält Knick für Ausflügler zwar für eine feine Sache, dringend notwendig seien seiner Meinung nach aber Investitionen in andere Radwege. Zum Beispiel zwischen Langstadt und Babenhausen, wichtig für Arbeitnehmer und Leute, die in der Kernstadt etwas zu erledigen haben. „Bislang müssen die über schmutzige und unebene Waldwanderwege durch den dunklen Wald“, so Knick. Und was die Dunkelheit betreffe: Der Fahrradweg von Babenhausen Richtung Sickenhofen, Harpertshausen und Hergershausen könne eine Beleuchtung vertragen.

Ohne großen Kostenaufwand ließe sich generell in Babenhausen für mehr Sicherheit sorgen: Mit vermehrten Kontrollen bezüglich zugeparkter Mehrzweckstreifen. Insbesondere auf der B26 vor der Aral-Tankstelle gegenüber dem Bahnhof. „Ist der Park & Ride-Parkplatz voll, stehen hier regelmäßig Autos, und die Radfahrer müssen auf die stark befahrene Straße ausweichen“, bemängelt er. Da sei das Ordnungsamt gefragt. Am besten wäre natürlich ein innerstädtischer Fahrradweg, der den Namen verdiene. Knick hat die Hoffnung, dass sich unter Bürgermeister Dominik Stadler (parteilos) etwas tut. Denn dieser habe sich schon in den ersten vier Wochen seiner Amtszeit mit dem Thema „Fahrradwege“ auseinandergesetzt und sei ansprechbar für neue Ideen gewesen. (zkn)

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