Oldtimer made in Sickenhofen

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Die Sickenhöfer Wolfgang Stütz mit Sohn Ben, Christian Kolb, Peter Held, Wolfgang Roth und Ursula Schaller (v.l.) mit ihren historischen Fahrzeugen. Im Vordergrund rechts das berühmte NSU-Quickly Moped, links daneben eine Horex, die NSU Sportmax und weitere historische Fahrzeuge

Sickenhofen - Liebhaber restaurieren ihre alten Motorräder und Mopeds. Mit den Zweirädern geht es auf Tour, manche nehmen auch an Rennen teil. Von Walter Kutscher 

Wer im Stadtteil aufmerksam durch die Straßen geht, sieht gelegentlich einige Leute, die in ihrem Hof und in den Garagen an alten Fahrzeugen schrauben, pinseln oder Blechteile ausbessern. Es handelt sich dann um Enthusiasten, die aus alten Zweirädern ein fast nagelneues Fahrzeug herstellen. Zu ihnen gehört unter anderen Wolfgang Roth, der erzählt, dass er schon immer Liebhaber alter Motorräder war, aber nunmehr seit 2007 am eigenen Haus die Möglichkeit hat, die Oldtimer wieder fahrtüchtig herzurichten. Zu seinem Fuhrpark gehören zurzeit acht Maschinen, darunter zwei vom Typ „Horex“ (einer ehemaligen deutschen Motorradmarke aus Bad Homburg) sowie fünf Mopeds der Marke NSU Quickly.

Mit der „Horex“ des Baujahres 1954, so schildert seine Frau Ursula Schaller, werden gelegentlich Ausfahrten unternommen und dabei viele Gleichgesinnte in nah und fern besucht. Auf einem Emailschild in der Garage steht, dass das Motorrad damals 2 385 D-Mark kostete. Heute, so Wolfgang Roth, ist das Stück bei Liebhabern rund 12 000 Euro wert.

Der ganze Stolz von Wolfgang Roth ist aber seine NSU-Sportmax, mit der er auch historische Rennen fährt; so war er mit der Maschine zuletzt auch beim Dieburger Dreiecksrennen im September im Einsatz. Dieses Krad wurde 1955 gebaut, leistet 28 PS und erreicht immerhin 200 km/h. Für den kommenden Winter hat Roth bereits ein weiteres Restaurationsobjekt in der Garage stehen. Er erzählt mit sichtbarem Stolz: „Es handelt sich um eine so genanntes Ur-Quickly vom Februar 1954, also eines der ersten Mopeds, die diesen Namen hatten – davon gibt es nicht mehr viele.“

Auch Peter Held gehört zu den Männern, die das Hobby betreiben. Er begann schon 1984 mit Motorradrennen und hegt und pflegt seit 1995 Oldtimerfahrzeuge mit zwei und vier Rädern. Die meisten seiner Objekte stehen in verschiedenen Museen. So befindet sich im Nürnberger Industriekulturmuseum ein Motorrad des Typs „Ardie“, das mit seinem Fahrer 1996 bei Fernsehaufnahmen zum Einsatz kam. Im Technikmuseum Speyer sind weitere Motorräder ausgestellt, so unter anderem eine „NSU Bullus“ mit Seitenwagen aus dem Jahre 1932, mit der Peter Held und seine Beifahrerin Conny Erbstein aus dem Taunus sechs- bis siebenmal im Jahr bei historischen Rennen teilnehmen. Auch auf international bekannten Rennstrecken war Held bereits unterwegs, so auf der Isle of Man, auf dem Salzburgring und 2006 führte ihn sein Hobby bis in die USA nach Utah. Dort fuhr er auf den Salzseen mit einem Nachbau der Weltrekordmaschine des legendären NSU-Werksfahrers Wilhelm Herz zur Erinnerung an dessen Geschwindigkeitsweltrekord von 1956 (340 km/h) einige Runden auf dem historischen Kurs.

Die beliebtesten Oldtimer

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Neben den Motorrädern restauriert Peter Held auch alte Fahrräder und Autos, wobei er oft mit seinem NSU Fahrrad (Baujahr 1952) oder einem Audi-NSU-Pkw von 1981 zu sehen ist. Zusammen mit Wolfgang Stütz, der ebenfalls ein Quickly sein eigen nennt, sind die Oldtimerfreunde auch Mitglied bei den „Eifeler NSU-Freunden“, bei denen sie sich gelegentlich treffen. Dabei werden Erfahrungen ausgetauscht, Ersatzteile gehandelt und es kommt auch mal vor, dass mit den historischen Maschinen die „Grüne Hölle“ – die Nordschleife des Nürburgrings befahren werden kann. Wie Wolfgang Roth und Peter Held unisono erklären, ist dieses Hobby faszinierend und anstrengend zugleich, da viele erforderliche Arbeiten häufig selbst gemacht werden. Auch ist sichergestellt, dass es immer wieder lohnende Objekte zum Restaurieren gibt, denn auf Oldtimermessen und in einschlägigen Zeitschriften werden Maschinen und Ersatzteile angeboten und es sind lohnende Informationen rund um das Hobby zu bekommen. Und wenn Christian Kolb mit seiner Harley Davidson von 1984 durch Sickenhofen fährt, blickt so mancher verwundert auf, denn der Sound dieses Motorrads ist unüberhörbar.

Quelle: op-online.de

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