Auf Oldtimern zu den Partnern in Österreich

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Abenteuerlustige Gesellen: Auf alten Mopeds fahren gerade (von links) Gregor Barnert, Joachim Selzer, Herbert Fischer und Hans-Werner Wissel nach Trebesing in Österreich. Oliver Kaffenberger - auf dem Bild als Sozius - lenkt das Begleitfahrzeug.

Langstadt - Es gibt sie noch, die echten Kerle auf dieser Welt. Wer sie sehen will, muss nur nach Langstadt zur Feuerwehr fahren. Von Michael Just

Denn dort ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass einem Herbert Fischer (51), Hans-Werner Wissel (52), Joachim Selzer (51) und Gregor Barnert (42) über den Weg laufen. Nur nicht heute, denn in diesem Moment steuert das Quartett auf nostalgischen Mopeds durch Österreich – geradewegs auf den Ort Trebesing und ein langes Osterwochenende zu.

Seit 20 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen der Langstädter Feuerwehr und ihren Kollegen in Kärnten. Beim dortigen Osterkegeln, einem traditionellen Brauch der Region, der dem Bosseln gleicht, ist man seit 18 Jahren dabei. Mit herkömmlichen Transportmittel wie Bus, Auto und Motorrad haben sich die befreundeten Blauröcke schon etliche Male besucht, mit Oldtimer-Mopeds aber noch nie.

„Das ist ein Scheunenfund.“

„Die Idee kam im letzten Herbst aus einer Bierlaune heraus“, erzählte Joachim Selzer am Dienstagabend und damit wenige Stunden vor der Abfahrt am nächsten Morgen um 8 Uhr. Die Mopeds der Marken Zündapp und Herkules sind alle nur wenige Jahre jünger als ihre Besitzer. Nur Hans-Werner Wissel fährt mit dem chinesischen Nachbau „Jincheng“ ein neueres Modell, das an das kleinste Moped der Welt erinnert. Den ältesten fahrbaren Untersatz bewegt Gregor Barnert: „Das ist ein Scheunenfund, eine Zündapp CS 50 Super von 1974“, erklärt der Jüngste im Team, der wie fast alle anderen zuhause noch eine größere Maschine in der Garage hat. „Für den Fall der Fälle“ wurde Oliver Kaffenberger angeheuert, der das „Servicefahrzeug“ mit dem Werkzeug sowie dem Gepäck steuert.

Reisegeschwindigkeit: 45 bis 50 km/h

Technischen Pannen sieht man auf den 650 Kilometern insgesamt gelassen entgegen: „Wir sind KfZ-Mechaniker, Dachdecker, Schornsteinfeger, Maschinenschlosser und Heizungsbauer – also alles handwerklich begabte Menschen“, hebt Herbert Fischer heraus. Da die „Hobel“ des Quartetts nur 50 Kubik haben, ist die Reisegeschwindigkeit mit 45 bis 50 km/h nicht allzu schnell. Zweieinhalb Tage mit zwei Übernachtungen wurden eingeplant, die am Freitagnachmittag mit der Einfahrt in Trebesing enden sollen. Um flexibel zu bleiben - auch was schmerzendes Sitzfleisch angeht – sahen die Langstädter von vorreservierten Betten ab und haben die beiden Übernachtungen lediglich grob in Donauwörth und in Bischofshofen taxiert.

Um zügig voran zu kommen, wird sich der Mini-Korso nicht auf Neben-, sondern auf Bundesstraßen bewegen. Dies ist der einzige Grund, der die überschwängliche Gaudi ein bisschen dämpft: „Wir haben zwar Leuchtwesten, trotzdem können wir nur auf rücksichtsvolle Autofahrer hoffen.“ Auf der Strecke liegen auch zwei Pässe: Der Katschberg- und der Tauernpass. Mit bis zu 1 750 Metern werden sie den Reisenden alles abverlangen.

Trebsing muss erreicht werden

Im Feuerwehrhaus führen die Tour-Pläne bei den Kameraden schon seit Tagen zu reichlich Humor: Vom Einreiben mit „Murmeltierfett“ für geschmeidige Gelenke bis zum unfreiwilligen Ende der Vehikel („Die werden bestimmt nächste Woche irgendwo in Österreich als Ersatzteillager verkauft“) war schon alles an liebgemeintem Spott dabei. Auch die Kilometerstände wurden bereits abgeschrieben, um unfreiwillige Umwege oder Geschummeltes nachzuweisen. Für die ehrgeizigen Feuerwehrmänner ist klar, dass man unbedingt in Trebesing ankommen muss, um den Kollegen keine Steilvorlage für jahrelange Kommentare zu geben.

Bis Dienstag nach Ostern wollen die Moped-Fahrer in Österreich verweilen. Geht alles gut, sind sie vor der zweiten Langstädter „Abordnung“ da, die die bequemere Variante mit dem Bus wählt. Mit dem geht es samt Anhänger für alle dann wieder zurück nach Babenhausen. Schon jetzt sind die elf Busfahrer, bestehend aus Lebensgefährtinnen und Kameraden, regelrecht gespannt, welche abenteuerlichen Geschichten sie beim Wiedersehen erwarten und ob das Quartett – wie mehrfach voraus gesagt – unterwegs wirklich den Yeti und den Ötzi trifft.

Quelle: op-online.de

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