Opfer von politischem Kalkül?

Vereins-Vorstände beziehen Stellung zu Hallenschließungen

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Kritik im Karnevalsgewand: Der SKV Sickenhofen machte seinem Ärger über die Schließung der Friedel-Wiesinger-Halle bereits auf dem Fastnachtsumzug Luft.

Babenhausen - Die wegen brandschutztechnischer Mängel geschlossene Friedel-Wiesinger-Halle in Sickenhofen und das Bürgerhaus Hergershausen erhitzen vor der morgen Abend stattfindenden gemeinsamen Ortsbeiratssitzung weiter die Gemüter.

Mit dem TV Hergershausen hat nun auch der zweitgrößte Verein der Stadt eindeutig Position bezogen. „Mit der plötzlichen Schließung des Bürgerhauses wird dem Verein praktisch die Existenzgrundlage entzogen“, berichtet Ute Beck, Vorstandsmitglied des TV Hergershausen. Besonders ärgert es sie und ihre Vorstandsmitglieder, dass nach dem Beschluss in der Stadtverordnetenversammlung – ein Antrag der Freien Wähler fand eine Mehrheit – die Stadt Babenhausen nicht an den Vorstand heran getreten sei, um Alternativmöglichkeiten zu finden. „Dies empfinden die Hergershäuser als Missachtung und Ignoranz durch die Stadt“,sagt Beck.

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Mit 750 Mitgliedern ist der Turnverein Hergershausen der zweitgrößte Verein in der Stadt. Derzeit könnten zirka 20 Abteilungen des Vereins keinen Sport im Bürgerhaus machen. Hiervon betroffen seien nicht nur die 270 Jugendlichen des Vereins, sondern auch alle Angebote im Erwachsenen-, Senioren-, und Gesundheitssport, erklärt Beck. Der TV-Vorstand zeigt sich mehr als verwundert darüber, warum, nachdem die Mängel bereits 2008 in einem Gutachten festgehalten worden waren, nun der Argumentation der Freien Wähler gefolgt worden sei und stellt Fragen: Warum wurde bislang nicht gehandelt und jetzt so überstürzt reagiert? Was hat sich 2017 geändert, um diese Entscheidung zu begründen? Sind wir Opfer von politischem Kalkül?

Die Türen des Bürgerhauses in Hergershausen öffnen sich bis auf Weiteres nicht mehr.

Zu den Forderungen des TV gehöre eine Prüfung, ob mit kurzfristig zu realisierenden Maßnahmen eine Wiedereröffnung der Halle realisiert werden könne. Falls dies nicht machbar sei, müssten Ausweichtermine in anderen städtischen Hallen zur Verfügung gestellt werden. Allerdings müssten dann andere Vereine Übungszeiten aufgeben. Wenn eine Renovierung der beiden Hallen finanziell nicht sinnvoll sei, müsse der Bau einer gemeinsamen Halle für die beiden Stadtteile geprüft werden. Diesen Vorschlag hatte bereits die CDU ins Spiel gebrachten.

„Wir hoffen, dass die Entscheidungsträger sich ihrer Verantwortung gegenüber den Mitbürgern aus Hergershausen und Sickenhofen bewusst sind und ihnen auch weiterhin offen in die Augen schauen können, ohne sich in Grund und Boden schämen zu müssen“, endet die Stellungnahme des TV Hergershausen.

Wenig Hoffnung

„Eine ganz schnelle Wiedereröffnung der beiden Hallen wird es nicht geben“, so die Prognose des Ersten Stadtrats Reinhard Rupprecht (CDU). Nach einer Ortsbegehung mit Vertretern des Kreises Darmstadt-Dieburg (Kreisbrandinspektor) am vergangenen Donnerstag sei es nun an der Verwaltung, eine To-Do-Liste für die beiden Hallen zu erarbeiten, welche kurz-, mittel- und langfristigen Arbeiten zu tun sind, um zumindest eine eingeschränkte Nutzung zu ermöglichen. Zu den dringlichsten Maßnahmen gehöre die Elektrik, brichtet der Erste Stadtrat, der den erkrankten Bürgermeister vertrat. Rupprecht verbreitet aber ein wenig Hoffnung: „Es sieht so aus, als könnte man beide Hallen eingeschränkt nutzen.“ Dennoch stehe man erst am Anfang des Weges. Weitere Abstimmungen mit der Unteren Bauaufsicht sind nötig, bevor ein detaillierter Plan den Weg für die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen ebnet.

Nachdem bereits die CDU in der vergangenen Woche in einer Stellungnahme zu Besonnenheit und solidarischem Handeln aufgerufen hatte, fordert die SPD nun eine schnelle Übergangslösung und einen „Runden Tisch“ mit allen Beteiligten und dem Bürgermeister. Allerdings stellen die Sozialdemokraten auch noch einmal klar, dass ihre Fraktion – mit zwei Ausnahmen – nicht an der Abstimmung teilgenommen habe. Zum einen, weil keinerlei Alternativen aufgezeigt wurden. Zum anderen, da die Entscheidungshoheit ohnehin allein beim Magistrat liege. Am Ende stimmten 13 Abgeordnete von FWB und CDU für eine sofortige Schließung, neun waren dagegen. Dazu gab es zwei Enthaltungen.

Die SPD hofft nun, dass die Verwaltung in Zusammenarbeit mit dem Kreisbrandinspektor kurzfristig eine machbare Lösung aufzeigt. „Wir bauen auf den gemeinsamen Willen der Verantwortlichen, diese so zügig umzusetzen, dass der Betrieb der beiden Hallen – wenn auch eingeschränkt – bald wieder gewährleistet ist“, so die SPD. Ziel müsse es sein, eine Lösung mit den Bürgern gemeinsam zu entwickeln und umzusetzen. (ula/nkö)

Die gemeinsame und öffentliche Ortsbeiratssitzung für Sickenhofen und Hergershausen findet morgen Abend, 19.30 Uhr, in der Aula der Bachwiesenschule, Bürgerhausstraße 1, statt.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

Quelle: op-online.de

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