„Orgel spielen ist wie Tanzen“

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Warum sich Organist Detlef Steffenhagen vor seinem Konzert den Anzug auszieht, Orgelspiel in Brasilien kaum bekannt ist und in der Stadtkirche die Sitzbänke um 180 Grad gedreht werden.

Babenhausen - Das Feuerwerk nach dem Feuerwerk – das stand am Neujahrstag in der evangelischen Stadtkirche an. Seit vielen Jahren ist das Neujahrskonzert von Detlef Steffenhagen der erste Termin im Veranstaltungskalender der Kirchengemeinde.

Dazu werden traditionell alle Sitzbänke um 180 Grad vom Altar weggedreht, so dass der Blick der Zuhörer direkt auf die Orgel im hinteren Bereich des Gotteshauses fällt. Der Bereich um das Instrument wird dabei mit Kerzen illuminiert, um der Wirkung der Musik noch mehr Ausdruck zu verleihen.

In diesem Jahr hatte Steffenhagen für sein Gastspiel in der Gersprenzstadt die fünfte Sinfonie von Beethoven, den Walkürenritt Wagners sowie die Sinfonia aus Händels Messias vorbereitet. Wer den Musiker vor seinem Auftritt suchte, fand ihn zurückgezogen in einer Ecke auf der Empore. Das half ihm zum einen, sich zu konzentrieren, zum anderen ruhte sich der 52-Jährige dabei ein wenig aus. Denn einen Tag zuvor, und damit am Silvesterabend, absolvierte er gleich zwei Auftritte hintereinander in Frankfurt/Bornheim. In der dortigen Johanniskirche zündete er sein erstes Orgelfeuerwerk um 20 Uhr, das zweite mit Sektanstoß um 22.30 Uhr.

Dass das anstrengend ist, versteht sich von selbst. Auffallend ist für regelmäßige Besucher, dass Steffenhagen bei seiner Begrüßung noch einen Anzug trägt, dessen er sich dann kurz darauf entledigt. Die Frage, ob sich mit Anzug schwerer Orgel spielen lässt, beantwortet der mehrfache Preisträger von „Jugend musiziert“ dezidiert: „Orgel spielen ist wie Sport und kommt der Anstrengung von Tanzen gleich. Das geht nur, wenn die Arme frei und beweglich bleiben.“

Rundfunk- und Fernsehaufnahmen

In den letzten Jahren haben CD-Einspielungen sowie Rundfunk- und Fernsehaufnahmen Steffenhagen weltweite Anerkennung eingebracht. Eine bestimmte Zeit des Jahres lebt er in seiner zweiten Wahlheimat in Brasilien. Dort zieht er sich meist auch zur Vorbereitung seiner neuen Programme zurück.

Dass Orgelkonzerte nur etwas für die kalte Jahres- oder Winterzeit sind verneint der Organist: „Im Sommer bin ich viel an der Nordsee.“ Und: „Es gibt auch Orgelkonzerte im Sommer.“ Trotzdem verfüge das Orgelspiel im Winter vor allem durch die Kerzen bei seinen Auftritten einen besonderen Reiz. Wie Steffenhagen einräumt, habe das Orgelspiel in Brasilien eine kleinere Fangemeinde, da der kulturelle Hintergrund für dieses Instrument gänzlich fehle.

Trotzdem arrangiert er auch dort Konzerte. Seine Liebe zu Brasilien zeigt sich vor allem darin, dass ein Teil der Erlöse aus seinen Konzerten an ein Kinderheim in dem größten südamerikanischen Land gehen. Das war auch in Babenhausen der Fall, weshalb aufgrund des freien Eintritts am Konzertende um eine großzügige Spende gebeten wurde. 

mj

Quelle: op-online.de

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