Fruchtige Note zum „Quartetto“

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Das Publikum in der barocken Dorfkirche wurde mit Orgelmusik, Schokolade und Humor aufs Beste unterhalten. -  Fotos (2):

Hergershausen - Bei diesem Konzert war einiges anders: Das Publikum naschte, lachte viel und hörte außerdem Orgelmusik, die mit vier Händen und vier Füßen gespielt wurde. „Jeder nimmt sich jetzt ein Tütchen mit Schokoladen aus dem Korb, der herumgeht. Von Petra Grimm

Aber nicht gleich losfuttern. Denn zu jedem Stück, das wir spielen gibt es eine passende Geschmacksvariante“, sagte Carsten Lenz, bevor es los ging. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Iris bot er am Sonntagnachmittag in der evangelischen Dorfkirche in Hergershausen einen Streifzug durch vierhändige Kompositionen aus drei Jahrhunderten. Rund 70 Zuhörer waren der Einladung der evangelischen Kirchengemeinde gefolgt. Und sie bereuten es nicht, denn die Veranstaltung „Orgel und Schokolade“ war wirklich originell. Allein das Zusammenspiel zweier Organisten ist kein alltägliches Erlebnis. „Und da man nicht hören, sondern nur sehen kann, dass vierhändig gespielt wird, übertragen wir die Orgelanlage während wir spielen auf eine große Leinwand im Kirchenraum“, sagte Carsten Lenz, der das Konzert humorvoll moderierte. So genossen die Besucher mit den Ohren, Augen und dem Gaumen.

„Bereits vor 1 000 Jahren haben in England Organisten gemeinsam gespielt. Dort wurden vor 500 Jahren auch schon Orgelstücke für vier Hände komponiert. In Mitteleuropa kam das alles erst später“, erklärte Lenz, der gemeinsam mit seiner Ehefrau zur Eröffnung des Konzertes die Stücke „Praeludium“ und „Fuge C-Dur“ von Johann Georg Albrechtsberger (1736-1809) spielte. Dazu sollten sich die Zuhörer aus dem Pralinentütchen die belgische Meeresfrucht herausfischen und schmecken lassen. Zum eher beschwingten „Quartetto für zwei Personen und Pedal“ von Johann Christoph Kellner (1736-1803), „haben wir eine fruchtige Note ausgewählt“, sagte Lenz und forderte die Zuhörer zum Genuss eines Stücks „Himbeer Panna Cotta“-Schokolade auf.

Mit vier Händen und vier Füßen waren Carsten und Iris Lenz an der Orgel im Einsatz.

Man hörte allgemeines Tütenrascheln zum Klang der 1912 erbauten Steinmeyer-Orgel, die im schönen historischen Gehäuse des Orgelbauers Dauphin aus dem Jahre 1721 steht. Die Halloren-Kugel, die zum „Grand Halleluiah in the Messiah“ von John Marsh (1752-1828) verspeist werden sollte, war nicht für jeden Zuhörer auf Anhieb zu identifizieren. Aber das Orgel-Duo aus Wiesbaden lieferte zur allgemeinen Orientierung auf der Leinwand über dem Altar eine Abbildung der jeweils passenden Praline. Zum „Ländlichen Hochzeitsfest für Orgel vierhändig“ von Franz Berwald (1796) gab es Trüffel in die Mägen und zum „Ragtime“, den der Amerikaner Robin Dinda (geboren 1959) für seine Katze Max geschrieben hat, – ganz klar – Katzenzungen.

„Wenn sie mit den Tütchen richtig gearbeitet haben, ist jetzt noch eine Praline übrig, nämlich eine weiße runde Marc de Champagne Trüffel“, sagte Carsten Lenz am Ende zum lachenden Publikum, mit dem inzwischen beachtlichen Blutzuckerspiegel. Dann spielte er mit seiner Ehefrau eine Eigenkomposition mit Variationen über ein Thema von Beethoven für Orgel zu vier Händen.

Als Zugabe kündigte er mit einem Augenzwinkern einen Walzer von Chevalier Laurent de Printemps du Pédalier an, der ganz ohne Hände, ausschließlich mit vier Füßen gespielt wird. Diesen Komponisten mit dem klangvollen Namen gibt es natürlich nicht, wie er im Gespräch schmunzelnd zugibt. Das ungewöhnliche Stück hat der humorvolle Musiker selbst geschrieben. Pfarrerin Elke Becker dankte dem Orgel-Duo mit einem Geschenk und das Publikum mit lange anhaltendem Applaus.

Quelle: op-online.de

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