Stimmungsvolles Neujahrskonzert mit Detlef Steffenhagen

Ein Orgelfeuerwerk bei Kerzenschein

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Zu Beginn des neues Jahres war der Organist Detlef Steffenhagen erneut vor großem Publikum in Babenhausen zu Gast.

Babenhausen ‐ Manchmal können Zeiteinteilungen ganz einfach sein: „Mit dem Weihnachtskonzert des Konzertchores Darmstadt hört für mich das alte Jahr auf, und mit Detlef Steffenhagen beginnt das neue“, sagte ein Mann am Abend des Neujahrstages und schüttelte dabei dem Organisten für dessen gelungenen Auftritt die Hand. Von Michael Just

Bereits seit über zehn Jahren ist der 49-jährige ein jährlicher und zugleich gern gesehener Gast in der evangelischen Stadtkirche. Über die Jahre stieg der Bekanntheitsgrad von Steffenhagen in der Gersprenzstadt und damit auch die Besucherzahlen. Am Samstag folgten rund 130 Besucher der Konzertankündigung. Da die Orgel dem Altarbereich um 180 Grad gegenüberliegt, wurden die Bänke extra gedreht, sodass sich den Besuchern ein idealer Blick auf Orgel und Künstler bot.

Detlef Steffenhagen an der Orgel.

2011 stand der Auftritt unter der Überschrift „Organ Night of the Proms - Orgelfeuerwerk bei Kerzenschein“. Zwei große Kerzenständer erhellten dabei die Orgel und damit den Arbeitsplatz Steffenhagens. Der Begriff „Feuerwerk“ implizierte bereits, dass für die Zuschauer keine Kirchenmusik im klassischen Sinne zu erwarten war. In Anlehnung an die berühmte und furiose „Last Night of the Proms“ des BBC-Orchesters schickte sich der Organist an, ein ähnlich fulminantes Feuerwerk mit virtuos-festlichen Stücken zu entzünden. Nicht umsonst eilt dem ehemaligen Studenten des Hoch'schen Konservatoriums in Frankfurt und der Folkwang-Musikhochschule in Essen mittlerweile der Ruf voraus, seine Konzerte stets mit außergewöhnlichen Inhalten und Ideen zu verbinden.

Los ging es mit der „Toccata d-Moll“ von Johann Sebastian Bach, dann stand der „Der Winter“ von Antonio Vivaldi an. Im weiteren Verlauf folgte Edvard Elgars Marsch „Pomp and Circumstances“, bevor eine Improvisation britischer Volkslieder zu hören war.

Mit 14 Jahren das erste Orgelkonzert

Etwas länger als eine Stunde dauerte das Konzert, das noch weitere Stücke (unter anderem von Carlos de Seixas, Cesar Franck oder Tomaso Albinoni) zu bieten hatte. Händels „Halleluja“ hatte sich Steffenhagen für den Schluss aufgehoben. Zu guter Letzt folgten zwei Zugaben.

Auf dem Programm waren einige Stücke mit der Erklärung „brasilianische Fassung“ ergänzt. Das kommt nicht von ungefähr: Steffenhagen lebt seit geraumer Zeit in Brasilien und so verwundert es nicht, dass die dortige Musik und Lebensweise seine Arbeit beeinflusst. Er trat im letzten Jahr in Babenhausen mit „Bach goes Brasil“ auf und verband dabei auf ungewohnte Weise Klassik mit südamerikanischen Rhythmen.

Das verlangt mit der Umsetzung an einer Orgel nicht gerade wenig Vorarbeit, da für eine solche außergewöhnliche Mischung fast alle Stücke neu arrangiert werden müssen. Die Fans von Steffenhagen wissen aber, dass kaum einer als der im brasilianischen Curitiba lebende Musiker besser prädestinierter wäre, ein solche Idee umzusetzen.

Steffenhagen begann bereits im Alter von fünf Jahren seine musikalische Ausbildung und gab mit 14 sein erstes Orgelkonzert. Mehrfach trat er als Preisträger beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ in Erscheinung. Von 1988 bis 1999 war er Kantor in Frankfurts Johanniskirche. Es folgten Konzerte in Europa sowie Nord- und Südamerika. CD-Einspielungen bei Sony Classical sowie Rundfunk- und Fernsehaufnahmen brachten ihm weltweite Anerkennung ein.

Ungewohnte Orgelklänge

Heute kann der Organist von seiner Musik leben. Meist kommt Steffenhagen zweimal im Jahr nach Deutschland, wo eine Reihe von Auftritten anstehen. Dort setzt er seine Ideen um, die zuvor über einen längeren Zeitraum in Brasilien ausgearbeitet wurden. Babenhausen gehörte auch diesmal wieder zu seiner mehrmonatigen Tournee in den Wintermonaten.

Die nächsten Tage erwartet Steffenhagen seine Familie zu Besuch in Deutschland. „Meine Tochter hat noch nie Schnee gesehen“, freut sich der Musiker auf die baldige Zusammenkunft. Ende Januar geht es dann wieder zurück nach Südamerika.

Auch in diesem Jahr und damit am ersten Tag des neuen Jahres 2011 war Steffenhagen ein großer Schlussapplaus in der Stadtkirche für sein äußerst kurzweiliges Konzert mit zum Teil völlig ungewohnten Orgelklängen sicher. Ein Besuch lohnte sich aber auch noch aus einem anderen Grund: So war der Eintritt frei. Stattdessen wurde um eine Spende gebeten, die einem Heim mit geistig und körperlich behinderten Kindern in Brasilien zugute kommt.

Quelle: op-online.de

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