Orientierung für Investoren

+
Die denkmalgeschützten Häuser könnten als Büros, Praxen, Ateliers oder für „besonderes Wohnen“ dienen.

Babenhausen ‐ Werden Investoren abgeschreckt, wenn man ihnen vor Augen hält, was sich die Stadt auf dem Kasernengelände wünscht und was nicht? Oder ist es so, dass Unternehmen eher angezogen werden, wenn sie wissen, was von ihnen erwartet wird. Von Stefan Scharkopf

Wenn sie wissen, dass die politisch Verantwortlichen sich mit der Konversion intensiv beschäftigt haben, sagen, was sie wollen und eine enge Abstimmung wünschen? Die Beantwortung dieser Frage nahm breiten Raum in der letzten Sitzung der Stadtverordneten in diesem Jahr ein.

Das Ergebnis vorweg: Die klare Mehrheit der Rathauspolitiker beschloss einen Kriterienkatalog, der auf den „städtischen Qualitätszielen für die Konversion des Kasernenareals“ fußt, die bereits im Oktober 2009 beschlossen und nun erweitert wurden. CDU und Grüne hatten dazu einen Antrag formuliert. Die Freien Wähler enthielten sich der Stimme, die FDP lehnte den Antrag ab.

Intention war, dass mit einer Rahmenplanung der gewünschte „ökologische und nachhaltige Charakter“ des Areals betont werden soll. Babenhausen müsse sich von anderen Standorten unterscheiden und mit einem Modellprojekt ein regionales Alleinstellungsmerkmal ausbilden, um neue Zielgruppen für Gewerbe und Wohnen zu erreichen. Mit Qualitätszielen könnte die Stadt, so CDU und Grüne, ihre Entwicklungsziele für Investoren deutlich machen. Mittlerweile wird nicht nur von diesen beiden Parteien als richtig bewertet, dass die Wohnbebauung beibehalten wird. Ohne diese sei eine Entwicklung des Kasernenareals nicht sinnvoll möglich.

„Kein Muss, sondern eine Orientierung“

Der Prozess der Konversion werde mehrere kommunalpolitische Legislaturperioden beanspruchen, heißt es im Kriterienkatalog. Die Entscheidung über Ziele, Strategien und Verfahren solle daher in einem breiten politischen Konsens getroffen werden.

Im Einzelnen gewünscht: Das südlich vom historischen Teil der Kaserne gelegene Areal soll gewerblich genutzt werden. Beim Wohnen hofft man auf Zuwanderung leistungsstarker Familien mit Blick auf Projekte, die sich dem demografischen Wandel stellen, also etwa Mehrgenerationenwohnen, sei es durch Neubau oder Nachnutzung bestehender Gebäude. Nicht fehlen dürften Einzelhandels- und Freizeitangebote, medizinische Versorgung und Sportanlagen. Für die historischen und unter Denkmalschutz stehenden Häuser von 1900/01 böte sich die Nutzung für Büros, Praxen, Kanzleien, Ateliers und besondere Wohnformen an. Der Flugplatz soll erhalten bleiben.

CDU-Fraktionschef Friedel Sahm sprach von einem Kompromisspapier, das nicht von seiner Partei und den Grünen alleine stamme, sondern von Dr. Jürgen Schmitt, Projektleiter Stadtentwicklung der Nassauischen Heimstätte, bekräftigt werde. Es sei kein Muss, sondern eine Orientierung.

„Um jede Formulierung ist gerungen worden“, sagten SPD-Fraktionschef Wulf Heintzenberg und Ingrid Schumacher („Bürger“) gleich lautend. Schon in der vergangenen Wahlperiode hätte man so weit sein können, sagte Heintzenberg, der dem Papier dennoch eine „breite Mehrheit“ wünschte.

„Wir brauchen ein Alleinstellungsmerkmal, das uns von anderen unterscheidet“, sagte Bürgermeisterin Gabi Coutandin, „sonst sind wir nur Anbieter von Flächen wie überall.“ Die Investoren fänden die Qualitätsziele gut, ebenso die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der das Areal gehört. Das Gelände werde demnächst europaweit ausgeschrieben. Erwünscht sei ein Gesamtinvestor, der alles bezahlt: Straßen, Plätze und so weiter. „Das geht aber nicht mit Gewerbe allein, wohnen muss dabei sein.“

„Katalog voller Gemeinplätze“

Ganz anderer Meinung war FWB-Fraktionschef Kurt Lambert. Der Katalog sei voller Gemeinplätze und erschwere die Diskussion mit Unternehmen. Der „gordische Knoten“ zwischen Gewerbe und Wohnen sei immer noch nicht zerschlagen. Besser sei es, einen Investor zu finden, der sagt, was er wolle, und nicht Kriterien vorlegen und dafür eine passenden Geldgeber finden. Um die Entwicklung dennoch nicht zu stören, enthielten sich die FWB.

Einen Schritt weiter ging die FDP und lehnte den Antrag ab. Im Wettbewerb der Konversionsstädte führe Nachhaltigkeit nur zu Restriktionen. Die Stadt sollte realistische Kriterien anwenden. Der Katalog der Vorgaben sei eine Gängelung für Investoren, sagte Dr. Heinrich Kolb.

Eigentlich sollte in der Sitzung am Montag auch über die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Kasernenareal gesprochen werden, um die Weichen für die Anbindung der Kaserne über eine Südumgehung zu stellen. Dieser Punkt wurde zur weiteren Debatte in den Ausschuss verwiesen.

Quelle: op-online.de

Kommentare