Grünflächen zu Parkplätzen?

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Diesen Grünstreifen wollen Bürger gerne in Parkplätze umgewandelt wissen.

Sickenhofen - „Wir dachten schon, da kommt der angekündigte Umzug zur 1025-Jahr-Feier“, sagte ein Bürger am Samstagnachmittag lachend über den Gartenzaun. Doch da irrte er sich: Unterwegs waren „nur“ die Teilnehmer der Ortsbegehung mit Bürgerbeteiligung. Von Michael Just

Diese Idee stammt vom Ortsbeirat, um mit Kritik und Anregungen die Lebensqualität in Sickenhofen zu verbessern. Dafür wurde der Stadtteil in vier Bereiche aufgeteilt. Am Wochenende stand mit dem Neubaugebiet der letzte Abschnitt an. Obwohl dort alles „neu“ ist und die Welt in Ordnung sein müsste, hatten die 25 Bürger reichlich Einwürfe parat.

Ortsvorsteher Friedel Sahm nahm Anregungen entgegen.

Der erste kam gleich beim Treffpunkt an der Kreuzung Hegerstraße/Landrat Pfeifer-Straße/Zum Sickenhöfer See: „Die 30er-Zone wird hier nicht akzeptiert. Es ist ein Wunder, dass es noch keinen schweren Unfall gab“, meinte Klaus Fengel. Mit 70 würde hier entlang gerast und zum Teil hupend das Eintreten in die Kreuzung angezeigt, um andere zu warnen. „Durch die viel zu breiten Straßen sollte ein Kreisel her. Der war übrigens schon bei der Gebietsplanung vor über 20 Jahren angedacht“, so Fengel. Dass im Neubaugebiet zu schnell gefahren wird, bestätigte auch Birgit Kroll. Selbst in der Spielstraße (Ginsterstraße), wo nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt ist, hätte man schon Außenspiegel eingebüßt. Doch was tun? Schweller befestigen? Messungen beantragen? „Geschwindigkeitskontrollen hat es schon einmal gegeben und in der Folge haben einige Sickenhöfer ihren Führerschein eingebüßt“, weiß dazu Ortsvorsteher Friedel Sahm. Blumenkübel zum Zickzackfahren sowie weitere Hinweise auf dem Boden kristallisierten sich am Ende als die favorisierte Lösung bei den Ortsbegehern heraus.

„Da wurde auch schon vorher nicht gemäht“

Ein weiteres Problem offenbarte ein unbebautes Grundstück, das nicht gemäht wird und deshalb Samenflug von Unkraut nach sich zieht. „Der Eigentümer meint, er könne nicht mähen, weil Unbekannte Bauschutt abgeladen haben“, erläuterte ein Teilnehmer. „Da wurde auch schon vorher nicht gemäht“, lautete eine andere Info. Sahm kündigte an, das Grundstück einmal mit Hilfe des Bauhofs mähen zu lassen und danach den Unrat mit Hilfe eines befreundeten Baggerführers wegschieben zu lassen. „Danach muss er mähen“, zeigte sich die Gruppe überzeugt.

Auch die vierte Sickenhöfer Ortsbegehung brachte zahlreiche Erkenntnisse und nicht selten die großen und kleinen Probleme des menschlichen Zusammenlebens ans Tageslicht. In einem Fall sprach ein Vater die Angst seiner Kinder vor frei laufenden Hunden an. „Kein Spaß, die Polizei war schon da und hat auf Vierbeiner gezielt“, berichtete er. Sein Nebenmann konnte das nicht bestätigen: „Ich sehe nur Marder, aber keine Hunde.“ Für Sahm ist eine alleinige Anleinpflicht nur für Sickenhofen schwierig. Die müsste dann für die gesamte Stadt gelten, weshalb das Anleinen auf freiwilliger Basis geschehen sollte.

Unschöne Monokultur der Bäume

Ebenfalls diskutiert: Die unschöne Monokultur der Bäume beim Anlegen des Neubaugebiets – zuviel Ahorn – und dass man nachträglich noch mehr Büsche und Hecken pflanzen könnte. „Für alle grünen Ideen braucht es Patenschaften“, machte der Ortsbeirat klar. Die Parkplatznot in der Ginsterstraße wurde ebenfalls zum Thema. Eine Frau mit drei Autos in der Familie schlug vor, dass man Teile öffentlicher Grünflächen besser in Parkplätze verwandelt. Geprüft werden soll an anderer Stelle zudem ein wilder Schuhcontainer sowie gummierte Unterlegplatten gegen die Wasserpfützen unter den Spielgeräten auf dem zentralen Spielplatz.

„Wir arbeiten alles ab und leiten es an die Verwaltung weiter“, kündigte Sahm am Ende der Runde an. Dann werde man sehen, was sich wirklich umsetzen lässt. „Viele Punkte sind schon verändert und verbessert worden“, resümierte der Sickenhöfer zu den insgesamt 97 Vorschlägen der bisherigen Begehungen. In anderen Fällen brauche die Verwaltung ziemlich lange Zeit. Die Alternative sei – sofern machbar – Eigeninitiative.

Dass es Begehungen auch künftig gebe, ist sich Sahm sicher. Wie die aussehen, stehe aber noch nicht fest. Eventuell werde man gezielt Beschwerde-Punkte aussuchen.

Quelle: op-online.de

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