Ausflugstipp für Schaafheim

Zwei Kilo schwere Ostereier auf der Straußenfarm

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Endlich im Freien! Nach den kalten Wintermonaten freuen sich die Strauße, dank des schönen Wetters ihren wieder Stall verlassen zu können. Länger hätten sie es ohne Auslauf kaum ausgehalte, erklärte Bäuerin Stephanie Roth den Teilnehmern an einer der ersten diesjährigen Führungen über die Straußenfarm Tannenhof.

Schaafheim - Die einzige Straußenfarm in Südhessen ist der Tannenhof bei Schaafheim – ein exotisches Ausflugsziel mit Hofladen und Führungen, für die sich Neugierige seit Frühlingsbeginn wieder anmelden können. Von Sebastian Richter 

„Wir sind froh, dass die Stallpflicht aufgehoben ist“, freut sich Stefanie Roth, die Straußenbäuerin vom Tannenhof bei Schaafheim. „Wir können also pünktlich zum Saisonbeginn auch wieder mit unseren Führungen beginnen.“ Außerdem hatte die Straußenfarm eine Ausnahme-Genehmigung vom Veterinäramt. „Das war gut so, denn für Strauße wäre der Zwangsaufenthalt im Stall mit so viel Stress verbunden gewesen, dass die Tiere daran möglicherweise sogar gestorben wären oder sich beim Randalieren verletzt hätten“, unterstreicht Roth.

Der Tannenhof zwischen Schaafheim und dem Ortsteil Radheim ist die einzige Straußenfarm in Südhessen, deshalb ein Ausflugsziel von gewisser Exotik, mit einem Hofladen voller Kunsthandwerk und Führungen an jedem Sonn- und Feiertag. Einmal im Monat ist auch frisches Straußenfleisch erhältlich, Vorbestellungen sind erwünscht. Außerdem kann das Fleisch im Falkenhof probiert werden, einem Restaurant in Schaafheim, das ebenfalls von Familie Roth betrieben wird. Dass man die „süßen Kleinen“ auch essen kann, empört gelegentlich die „süßen Kleinen“ unter den Besuchern. Beim späteren Biss in den Straußenburger ist das aber längst wieder vergessen.

Bis vor acht Jahren war der Hof noch ein Schweinemastbetrieb wie so viele andere, doch Bauer Roland Roth hatte schon länger Ausschau nach anderen Marktnischen gehalten, die komfortableres Wirtschaften versprechen. Strauße waren da auch ins Blickfeld geraten. 2009 war es so weit: „Meine Eltern sind an einer Straußenfarm im bayerischen Flintsberg am Inn vorbeigekommen und haben Kontakt aufgenommen. Die dortige Farm wurde aufgelöst, und wir konnten vier Zuchttiere übernehmen – einen Hahn und drei Hennen“, berichtet Stefanie Roth.

Dann sammelt sie die Besucher zur nächsten Führung und zeigt ihnen zunächst einmal ein Straußenei. Diese Eier können bis zu zwei Kilo schwer sein, haben eine entsprechend dicke Kalkschale, die sich kunsthandwerklich auf vielfältige Weise herausputzen lässt – gerade um die Osterzeit ein passendes Mitbringsel vom Besuch bei den flugunfähigen Laufvögeln, die ausgewachsen bis zu 130 Kilo auf die Waage bringen und bis zu 70 Stundenkilometer schnell sind.

Überhaupt steckt das meiste in den Beinen – auch das Essbare. Kenner schwärmen vom roten Fleisch, das mehr an Rinderfilet erinnert als an Geflügel und aus dem Oberschenkel stammt. Der ist fast gänzlich im Rumpf verborgen, zusätzlich hängen Federn darüber, aus denen feine Staubwedel für Flächen mit Hochglanz-Klavierlack zusammengestellt werden.

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Die Anatomie macht klar: Flucht ist für diese Tiere die beste Verteidigung. Man merkt das auch auf dem Hof: Bei der kleinsten Irritation brausen die Laufvögel davon. Und eine Minute später sind sie wieder da. Sie sind nämlich auch neugierig, und der Widerspruch zwischen diesen beiden Polen macht ihr Verhalten schwer kalkulierbar. Werden sie erschreckt und finden nicht sofort einen Fluchtweg, können sie auch treten – manchmal mit tödlichen Konsequenzen.

Wie die Neugier aussieht, demonstriert Roth mit einem kurzen Aufenthalt im Gehege der erwachsenen Tiere. Kaum ist sie drin, wird sie von den Langhälsen flankiert. Schließlich hat sie ja immer auch ein wenig Futter dabei. Mindestens genauso gern picken die Vögel jedoch im roten Haar ihrer Bäuerin. „Alles wird angepickt“, sagt diese und warnt, den Tieren mit Mobiltelefonen und Brillen nicht zu nahe zu kommen.

120 Tiere zähle der Bestand derzeit, berichtet die Bäuerin und weist darauf hin, dass die Brutzeit gerade erst begonnen hat. Sie hofft, um Ostern herum die ersten Küken präsentieren zu können. Der Tannenhof (Anfahrt über die Straße zwischen Schaafheim und Radheim, oben auf dem Kamm bei der Bushaltestelle auf den asphaltierten Feldweg nach Westen, erster Hof links) verfügt auch über einen Hofladen. Er ist an jedem Samstag, Sonn- und Feiertag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die Führungen beginnen immer um 14.30 Uhr. Zu haben sind frisches Filet, Steak, Braten, Gulasch, Hals, Innereien und Knochen, Burger und Bratwurst.

Quelle: op-online.de

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