„Passt wie die Faust aufs Auge“

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Das Gebiet „In den Rödern“ sei ideal für die Wildpferde, sagt Christoph Göbel (kleines Bild) vom Bundesforst.

Babenhausen - Sie haben eine Stehmähne, ein weißes „Mehlmaul“, Streifen wie Zebras an den Beinen, einen löwenähnlichen Schwanz sowie einen langgezogenen, schwarzen Aalstrich auf dem Rücken. Die Rede ist von den Przewalski-Pferden. Von Michael Just

So einzigartig wie die Rasse, die sich vor 240 .000 Jahren von unserem Hauspferd abspaltete, ist auch das Projekt, das vorsieht, dass die letzten Wildpferde ihrer Art auf dem Natura-2000-Gebiet hinter der ehemaligen Kaserne ihre Gattung retten.

Christoph Göbel vom Bundesforst.

Am Mittwoch lud die Stadtverwaltung zu einer Info-Veranstaltung für alle, die in der Pferdestadt direkt oder indirekt mit Vierbeinern zu tun haben. Bürgermeisterin Gabi Coutandin wollte damit die lokalen Pferdeexperten über das Projekt informieren. Zum Thema referierte Christoph Göbel vom Bundesforst. Die Bundesanstalt im oberhessischen Oberaula ist sowohl Eigentümer des Natura-2000-Gebiets als auch einer der Partner für das Auswilderungsprojekt. Zuerst ging Göbel auf das Babenhäuser Schutzgebiet ein. „So etwas wie hier habe ich überhaupt noch nicht gesehen“, sagte er über die steppenartigen, sandigen Flächen, die trotz ihres mageren Bewuchses Heimat für zahlreiche geschützte Tier- und Pflanzenarten sind. So gebe es alleine sieben Brutpaare der Heidelerche.

„Das klingt nicht viel, Ornithologen fallen aber in Ohnmacht wenn sie diese Zahl hören“, führte er an. Seine wichtigste Aussage: Das Areal kann man nicht wie andere Naturschutzgebiete sich selbst überlassen. „Greift man nicht ein, breitet sich Wald aus.“ Das würde das Ende der heideartigen Landschaft bedeuten. „Bisher übernehmen Schafe eine Rasenmäherfunktion. Besser sind aber Przewalski-Pferde, da sie durch ihr Zahnwerk eine breitere Pflanzenzahl abfressen“, erklärte der Förster.

Nur noch 2000 Exemplare

Insgesamt sind nur vier bis sechs Przewalski-Pferde auf den 40 Hektar vorgesehen. Die geringe Population ist abgestimmt auf die Vegetation im Schutzgebiet. Beides ergibt am Ende eine Symbiose, die sowohl zum Erhalt der Pferde als auch der Flora und Fauna beiträgt. Die mongolischen Wildpferde finden hinter der Kaserne eine Lebensgrundlage vor, die einzigartige Parallelen zu ihrer Heimat aufweist.

Ins Staunen versetzte Göbel seine Zuhörer, welche Dimension der Schutz der Rasse, von denen es nur noch 2000 Exemplare gibt, einnimmt: So besitzt diese wie Tiger, Nashorn oder Eisbär eine eigene Abteilung beim Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP). An dem weltweiten Artenschutz des EEP sind zahlreiche deutsche zoologische Gärten beteiligt. Der Frankfurter Zoo wird die Tierärzte für Przewalski-Pferde in Babenhausen stellen. Hauptpartner wäre aber der Zoo Hellabrunn in München, da dieser die Pferde entsendet.

„Das wird kein Streichelzoo. Vielmehr sprechen wir hier von einem international angelegten und hochwissenschaftlichen Projekt“, hob Göbel heraus. Die Tiere, die in der freien Wildbahn bereits ausgestorben sind, seien scheu, aber durch ihren Aufenthalt im Zoo an Menschen gewöhnt.

„Wissenschaftliche Distanz“ sei nötig

Laut dem Förster nehme der Mensch bei der Ansiedlung der Wildpferde in jeder Hinsicht eine Schlüsselstellung ein: „Was wir nicht brauchen sind Leute, die streicheln oder füttern wollen.“ Stattdessen sei eine „wissenschaftliche Distanz“ nötig. Gänzlich außen vor blieb der Mensch aber nicht: „Wir brauchen Öffentlichkeit und einen sozialen Aspekt für das Projekt. Jeder Babenhäuser wird die Gelegenheit bekommen, die Pferde zu sehen und zu unterstützen.“ Dafür würden Wege entlang des Zauns und ein Aussichtspunkt eingerichtet.

Für den Erfolg baut Göbel auf ein ganzheitliches Konzept. Das fängt bei einem Konsens in der Kommunalpolitik für die Ansiedlung der Pferde an und endet bei der Identifizierung durch die Bevölkerung. Die Stadt Hanau, wo ein ähnliches Wildpferd-Projekt bereits läuft, geht dabei mit bestem Beispiel voran. Dort wurde ein Umweltzentrum etabliert, das ökologische Zusammenhänge erläutert. Die Führungen sind zum Teil auf Monate ausgebucht. Auf Babenhausen kommen - obwohl es sich um ein kostspieliges Forschungsprojekt handelt - erstmal keine Ausgaben zu. Auf 30 Jahre angelegt, werden diese von der Wissenschaft getragen. Eventuell bedarf es Personen, die nach den Pferden schauen. In Hanau übernimmt das eine 400-Euro-Kraft.

„Projekt passt zu Babenhausen wie die Faust aufs Auge“

Die lokalen Reiterhöfe zeigten sich von den Ausführungen Göbels als auch von der Rolle Babenhausens fasziniert, die man bei dem globalen Projekt einnimmt und an dessen Ende die erfolgreiche Auswilderung der Pferde in der Steppe Kasachstans stehen soll. „Was ich bisher über die Pläne mit den Wildpferden hörte, klang stets befremdlich. Versteht man die Zusammenhänge, passt das Projekt zu Babenhausen wie die Faust aufs Auge“, bilanziert der Babenhäuser Hans-Jürgen Göbel.

Silvia Hartmann-Hesse vom gleichnamigen Reiterhof in Harreshausen sieht die Sache genauso: „Mit dem nötigen Hintergrundwissen ist es keine Frage, dass wir bei dem Erhalt dieser Pferde helfen müssen.“

Quelle: op-online.de

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