Pedalritter mit Leib und Seele

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Gut gerüstet für Wind und Wetter. Gerhard Weber kommt von der Arbeit - auf seinem Mountainbike.

Langstadt ‐ Im Auto zur Arbeit fahren ist seine Sache nicht. Lieber schwingt sich Gerhard Weber auf sein Zweirad und legt die Strecke von Langstadt nach Kranichstein per Muskelkraft zurück. Der 52-jährige Elektro-Ingenieur arbeitet dort im Bauamt der Kreisverwaltung. Von Stefan Scharkopf

Er und 43 Mitarbeiter des Landkreises haben sich im Rahmen der AOK-Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ abgestrampelt. Von Anfang Juni bis Ende August legten die Pedaleure auf dem Weg von ihrem Wohnort zu ihrer Dienststelle in Kranichstein oder in Dieburg insgesamt 23  470 Kilometer zurück. Anders ausgedrückt: Bei einem angenommenen Durchschnittsverbrauch von sechs Litern haben die Radler rund 1840 Euro an Benzinkosten eingespart und somit einen Beitrag zum Umweltschutz geleistet. Ganz zu schweigen vom gesundheitlichen Effekt. Die Radler mussten sich übrigens nicht verschwitzt an ihren Schreibtisch setzen, in beiden Kreishäusern stehen Duschen zur Verfügung. Allein neun Radler brachten es auf mehr als 1000 Kilometer, den Vogel abgeschossen hat Gerhard Weber mit rund 1700 Kilometern. Doch damit nicht genug: Nach der Arbeit ging es für Weber oft noch auf eine Tour durch Odenwald oder Spessart.

20 Jahre lang die Jugend des RSC Reinheim trainiert

Doch Weber ist alles andere als bloß Hobbyfahrer. Er ist Rennradler mit Leib und Seele und war lange Jahre Trainer neuer Radsporthoffnungen. Von 1985 an hat er 20 Jahre lang die Jugendlichen des RSC Reinheim trainiert und mit Holger Löw 1998 einen Weltmeister hervorgebracht. Unter seinen Fittichen fährt auch der Langstädter Handbiker Vico Merklein, der beachtliche Erfolge zu feiern hat und im Nationalkader fährt.

Im Sommer stieg Weber vom Rennrad aufs Mountainbike und nahm an einem der härtesten Rennen der Welt teil, der Bike Transalp. „Das ist für Radler etwa das, was Hawaii für Triathleten ist“, sagt Weber, „die Anmeldung kostet 625 Euro, und nach einer halben Stunde nach Bekanntgabe sind die Plätze weg.“ Bei der Transalp messen sich ambitionierte Mountainbiker mit den Profis. 550 Zweierteams machen sich auf den Weg, um die 634 Kilometer mit 22.077 Höhenmetern in acht Etappen zu bewältigen. Die Initiative dafür kam vom Langstädter Wehrführer Joachim Selzer, der vor über einem Jahr seinen ehemaligen Stellvertreter Frank Stoiber dazu überredet hatte teilzunehmen.

Training in Spanien, Holland und zuhause

Stoiber überlegte damals nicht lange und gab seine Zusage, jedoch unter der Bedingung, dass für die Tour, die nur im Team gefahren werden darf, ein passender Kollege gefunden wird. Dieses Problem wurde dann mit dem leistungsstarken Radrennfahrer Gerhard Weber gelöst, und das Zweier-Team stand. Ab Januar hatten die beiden unaufhaltsam trainiert, ob in Spanien, Holland oder im heimischen Gelände. Über 14.000 Streckenkilometer verbuchten Stoiber und Weber auf ihrem Konto.

Mit einer technisch sehr hochwertigen Ausrüstung vom kanadischen Mountainbikehersteller Rocky Mountain gingen die Langstädter an den Start und landeten in der Wertung im Mittelfeld. „Ein toller Event“, sagt Weber, „aber auch ein anstrengender, mit vielen Ausfällen. Am Abend hat es dann teils ausgesehen wie in einem Lazarett. Nicht wenige Sportler haben sich Arm oder Schlüsselbein gebrochen.“ Eingestimmt wurden die Biker bei jedem Start mit AC/DC, das gab Auftrieb.

Jetzt im Winter wird es wohl etwas ruhiger, doch im Frühjahr wird wieder Fahrt aufgenommen. Wie viele ambitionierte Radler auch, belohnt sich Gerhard Weber mit einer Trainings-Rundfahrt auf Mallorca.

Quelle: op-online.de

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