Ausflug ins Krimi-Milieu

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Peter Ripper las bei Herigar aus seiner Krimi-Reihe.

Hergershausen - „Die Frau stach ihm sofort ins Auge. Irgendetwas alarmierte Karlo: Es waren die seltsam verkrampfte Haltung, die weit aufgerissenen Augen, das angelaufene Gesicht und der aus dem Mund ausgetretene Schaum. Diese Frau war tot..." Von Michael Just 

Karlo, ein sympathischer Ex-Knacki, macht sich nun auf, diesen heiklen Fall zu lösen. Karlo Kölner ist der Protagonist des Autors Peter Ripper, der bei der Krimi-Lesung am Donnerstagabend bei Herigar seine Gäste mit auf Mörderjagd nahm. Und Ripper, dessen Name sich kaum besser zum Schreiben von Krimis eignet, war nicht alleine gekommen: Zusammen mit Frank Demant konnte Herigar gleich zwei Schriftsteller ansagen, die ihre aktuellen Werke vorstellten und damit die Alte Schule quasi zum Tatort machten.

Wie bereits die Titel „Das Grauen im Bembelparadies“ und „Liebe, Tod und Apfelsekt“ verraten, sind die Taschenbücher alles andere als mit Bierernst angelegt und weisen jede Menge Humor auf. Das Besondere: Beide Autoren sind echte Frankfurter, die Krimis spielen immer an Plätzen in der Mainmetropole, die allesamt wirklich existieren. Als kleiner Clou brachte Ripper sogar jenen Rotwein zur Verkostung mit, der in einem seiner Bücher Bedeutung hat.

Die Veranstaltung organisierte Herigar-Rechnerin Isabell Dupke-Ziegenhals. Sie hatte die Idee und stellte auch den Kontakt zu den Autoren her. Dazu bereicherte sie musikalisch den Abend als „Fine Smart Music“ mit ihrem Kollegen Berni Seitz. Vor und zwischen den Lesungen durften sich die Besucher auf die einnehmende Stimme der Hergershäuserin freuen. Bei Herigar war es die erste Krimi-Lesung: „Wir hatten schon Vorträge in hessischer Mundart, Gartenthemen oder Wanderungen. Ein Ausflug ins Krimi-Milieu ist neu“, weiß Vorstandsmitglied Maren Gatzemeier.

Mit den beiden 55- und 60-jährigen Autoren präsentierte der rührige Verein zwei besonders interessante Charaktere. Frank Demant war jahrelang Taxifahrer und verschlang, während er auf Kundschaft wartete, unzählige Krimis. „Irgendwann weißt du dann, wie es gehen könnte“, sagte er lachend über das Autorenhandwerk. Mittlerweile tragen bereits elf Bücher seinen Namen, bei Ripper sind es sieben. Beiden Autoren ist gemein, dass sie nicht nur aus Fechenheim stammen, sondern dass sie auch die „ausgetretenen“ Krimi-Pfade verlassen. So gibt es keine Super-Kommissare, die die Morde lösen. In Demants Fall ist es ein korpulenter, älteren Herr, der das Kneipenleben liebt, sowie bei Ripper der bereits erwähnte Karlo Kölner. Die Schauplätze in den Krimis sind bewusst nicht erfunden: Das Bembelparadies ist beispielsweise eine Töpferei in Sachsenhausen. „Ich frage natürlich vorher, ob die Besitzer etwas gegen die Verwendung des Namens haben“, erklärt Demant. Dass vor allem nach dem Bestseller von Dan Brown („Der Da Vinci Code“) viele Leseratten vor Ort auf den Spuren der Krimis wandeln wollen, versteht sich von selbst.

So sind Begeisterte schon im Vereinsheim des von Ripper angeführten Motorradclubs aufgetaucht. Demant blickt mit seiner Lektorin bereits auf zwei gut besuchte Stadtführungen, in der man die Schauplätze der Bücher ablief. Laut den beiden Schriftstellern ist Literatur mit lokalem Bezug gemein, dass diese hauptsächlich in der Region verkauft wird. Es gibt aber auch Ausnahmen: So lieferte Ripper schon an die Forschungsstation am Südpol und Demant an einen deutschen Professor in Bangkok.

Quelle: op-online.de

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