„Sie ist die optimale Feuerwehr“

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Petra Palm-Hantke aus Harreshausen orientiert sich mit 57 beruflich um.

Harreshausen - Hongkong und Harreshausen – das waren für Petra Palm-Hantke und ihren Mann im vergangenen Jahrzehnt die Mittelpunkte ihrer beruflichen Selbstständigkeit. Von Jens Dörr

Schon wesentlich früher allerdings nahmen sie diese auf: „Vor 35 Jahren haben wir uns mit einer Werbeproduktionsagentur selbstständig gemacht“, blickt Palm-Hantke zurück. Seitdem lebt die gebürtige Dudenhöferin auch in Harreshausen. „Babenhausen ist meine Heimat geworden“, sagt die 57-Jährige. Und vom etwas abseits gelegenen Stadtteil aus leitet sie seit Kurzem auch ihr neues Geschäft. Doch der Reihe nach.

Die Einführung des neuen Airbus A380 lohnte sich auch für Petra Palm-Hantke. Von Deutschland aus betreute und betreut sie insbesondere Kunden aus der Luftverkehrsbranche – namhafte Unternehmen zählen dazu, die auch rund um die Präsentation des neuen Jets der Lufthansa mit Werbeartikeln versorgt werden wollten. Vor zehn Jahren bauten Palm-Hantke und ihr Mann allerdings erste Kontakte nach Fernost auf. Inzwischen laufen von dort aus die meisten Geschäfte. „Mein Mann pendelt zwischen Hongkong und Harreshausen“, sagt Palm-Hantke. Sie arbeitet vom schmucken Haus im Babenhäuser Stadtteil aus.

Nicht zu übersehen war jedoch, dass die Arbeit in deutschen Gefilden weniger wurde. Einige Kunden betreut Petra Palm-Hantke von hier aus weiterhin, genug war ihr das in letzter Zeit aber nicht mehr. „Ich habe den Freiraum zunächst genossen, ein bisschen gegammelt“, meint sie. „Ich hatte zwar nie Langeweile, war aber nicht vollumfänglich ausgelastet.“ Sich unter der Woche nachmittags um drei ins Kino zu setzen, sei ihr irgendwie komisch vorgekommen. Kurzum: Sie wollte wieder mehr arbeiten.

Scheu, mit Mitte 50 noch einmal beruflich etwas anderes zu wagen? Palm-Hantke war sie fremd. „Die Idee kam von außen, war Zufall“, sagt sie aber auch. Ihr neuer, zweiter Job: Unter Hantke Büroservice firmierend bietet die Harreshäuserin für Privat- und Geschäftskunden nun Büroorganisation, Korrespondenzen, allgemeine Sachbearbeitung, Rechnungsprüfung und Behördengänge an. Was beim ersten Hören nicht allzu aufregend klingt, stellt sich als facettenreich und durchaus ungewöhnlich heraus, wenn Palm-Hantke ins Detail geht.

Sie habe in ihrem Leben – auch im Freundes- und Bekanntenkreis – immer wieder auch „Feuerwehr“ gespielt, meint Palm-Hantke schmunzelnd. Es sei wohl „weniger mein Fachwissen als die Art, wie ich mit den Dingen umgehe“ gewesen, die ihren Rat in zig Lebenslagen als sehr geschätzten offenbart hätten. Das bestätigt ihre Freundin Ludmilla Vasata, die beim Interview in Palm-Hantkes Haus zufällig vorbeischneit. Die Malerin bestätigt: „Sie ist die optimale Feuerwehr.“

Suche nach „menschlicher Lösung“

Sie selbst, so wiederum Palm-Hantke, suche „immer eine menschliche Lösung“. Da kommt es schon mal vor, dass eine Fachanwältin für Familienrecht sie um ihre Unterstützung in Sachen Nachlass anspreche. Oftmals seien nicht die Aktenberge oder unklare Gesetzeslagen das Problem, sondern menschliche Differenzen, so die gelernte Wirtschafts- und Steuerfachgehilfin.

Erst seit einigen Monaten mit ihrem Büroservice auf dem Markt, hat sie sich schon mit unterschiedlichen Aufgaben befasst. „Ich habe unter anderem mit Flyern geworben und schnell Resonanz bekommen.“ Ein Beispiel: ein Handwerker aus Rodgau, dem der Papierkram über den Kopf wuchs. „Der ist morgens aus dem Haus gegangen, hat den ganzen Tag gearbeitet und seine Frau hatte auch keine Luft dafür“, so Palm-Hantke. Ablage? „Gab’s nicht.“ Mit ihrer Hilfe kam wieder Struktur in die Angelegenheit.

Anderes Beispiel: Ein Kleinunternehmer aus Rodgau wandte sich an die Harreshäuserin mit der Feststellung, dass der Umsatz in der jüngeren Vergangenheit immer mehr zurückgegangen sei. Nun gestaltet Palm-Hantke dessen Ladengeschäft um – Stichwort: freundlichere Selbstdarstellung. Nicht überraschend, dass die Unternehmerin dabei auf die Unterstützung von Freundin Vasata zurückgreift.

Generell habe Palm-Hantke schon nach den ersten Monaten festgestellt: „In der Regel hat man es bei Handwerkern mit sehr engagierten Leuten zu tun, die ihr Handwerk mit viel Liebe ausführen.“ Andere Dinge, scheinbar nachrangig, blieben dann aber auch mal auf der Strecke. Warum sich nicht alle Unterstützung holten, wenn das Aktenchaos überborde? „Der finanzielle Aspekt ist nachrangig gegenüber der Scheu“, so Palm-Hantke.

Arzt, Anwalt und Steuerberater seien als Vertrauenspersonen akzeptiert, darüber hinaus offenbare aber nicht jeder gerne Schwierigkeiten anderen gegenüber. Petra Palm-Hantke macht es dem Gesprächspartner allerdings leicht, sich auf sie einzulassen. Dann kann – früher oder etwas später – das wachsen, dem sie überragender Bedeutung beimisst: „Vertrauen. Das müssen wir immer erst einmal aufbauen.“

Quelle: op-online.de

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