Anekdoten beim HGV-Neujahrsbrunch

Pferdeäpfel unterm Hammer

+
Informativ und erheiternd war der historische Einwurf von Georg Wittenberger über die Themen einer Lokalzeitung von 1863 beim Neujahrsbrunch des Heimat- und Geschichtsvereins

Babenhausen - „Eins, zwei, drei im Sauseschritt, eilt die Zeit, wir eilen mit. “ Die berühmte Erkenntnis von Wilhelm Busch hatte Ute Wittenberger beim Neujahrsbrunch des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) in der Stadtmühle parat. Von Michael Just

Damit begann sie einen kleinen historischen Abriss über Napoleon Bonaparte, um kurz darauf klarzustellen, dass der HGV eigentlich im umgekehrten Sinne eilt: nämlich nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit. Doch ganz ohne die Zukunft kommen auch Historiker und Geschichtsfreunde nicht aus. Zumindest bei der Vorlage des Jahresprogramms 2013 fiel der Blick auf Tage und Ereignisse, die noch bevorstehen.

Doch der Reihe nach: Zu Beginn begrüßte HGV-Vorsitzender Reinhard Rupprecht die Mitglieder. Er bezeichnete 2012 als erfolgreiches Jahr für den Verein und führte dabei die Vorträge von Richard Simonis, Holger Köhn, Marion Roehmer sowie Walter Fehrensen an. Gut präsentiert habe sich der Verein beim Ostermarkt, am Altstadtfest sowie auf den Weihnachtsmärkten in Babenhausen und Buchsweiler. Einen unerwartet hohen Zuspruch hätte der elsässisch-hessische Abend im Oktober unter Beteiligung des Wanderclubs verzeichnet. „2012 sind die Arbeiten am künftigen Territorialmuseum sehr zügig vorangeschritten. Nach deren Abschluss wird es dem Verein obliegen, das Museum mit Leben zu erfüllen“, sagte Rupprecht.

Ihren Neujahrsbrunch ließen die Mitglieder des HGV gemütlich angehen. Der begann mit einem Frühstück, danach wartete ein Buffet mit Vor-, Haupt-, und Nachspeise. Zwischen den einzelnen Gängen blieb genügend Zeit für einen gepflegten Austausch über Verein und Privates.

Mit historischen Einwürfen sorgten Ute und Georg Wittenberger zweimal für Information und Unterhaltung zugleich. Georg Wittenberger warf einen Blick in das „Anzeige-Blatt für die Kreise Dieburg und Neustadt“ vor 150 Jahren, in dem auch Babenhausen abgehandelt wurde. 1863 erreichten die Leser Nachrichten aus Amerika über den Kampf der Nord- gegen die Südstaaten, Beförderungen in der Heimat oder die Ankündigung, dass jeweils mittwochs Pferdeäpfel meistbietend versteigert werden. Auch Pistolen wurden für fünf Goldtaler gehandelt.

Unter „Gemeinnütziges“ tauchte Medizinisches auf. Etwa Kreosot. Das wird durch die Destillation von Kohlenteer gewonnen und bei Zahnschmerzen empfohlen. Mit Kollodium gemixt soll es Zahnöffnungen verschließen. „Die damalige Medizin muss grauslich gewesen sein“, schlussfolgerte Wittenberger.

Seine Frau erinnerte an die Zeit vor 200 Jahren, als sich Napoleon Bonaparte in der Region aufhielt. Sein gescheiterter Russlandfeldzug brachte ihn 1813 auf dem Rückweg nach Frankreich in unserer Gegend. Als Napoleon in der Schlacht von Hanau von der österreichisch-bayerischen Armee angegriffen wurde, erwies er sich als cleverer Stratege und siegte trotz Unterzahl. Sein letzter Sieg auf deutschem Boden ist auf dem Triumphbogen in Paris festgehalten.

Nicht ums Gewinnen, sondern um Informationen geht es 2013 bei vielen HGV-Veranstaltungen. Bereits am 25. Januar wartet ein Vortrag von Reinhard Munzel mit digitalen Rekonstruktionen, die den Wandel der Wehrtechnik bei Burgen und Schlössern zeigen. Dr. Richard Simonis berichtet am 12. April über die Seidenstraße. Mit dem Leben und Wirken des Babenhäuser Oberförsters Martin Faustmann steht am 18. Oktober ein lokales Thema an.

Dramatisch dürfte es am 15. November werden, wenn Karl-Heinz Bader über Stalingrad berichtet. Dort begab sich der Langstädter auf die Spuren seines im Krieg getöteten Vaters. Nachdem 2012 keine Eisenbahnfahrt anstand, geht’s für den HGV am 26. Mai wieder auf die Schienen. Geplant ist die Strecke von Hungen nach Bad Salzhausen.

Die Mehrtagesfahrt geht vom 30. Juli bis 4. August nach Graz und damit in die Heimat vom Vorsitzenden Reinhard Rupprecht. In Graz aufgewachsen und dort immer noch drei- bis viermal im Jahr zu Besuch, ist von ihm reichlich Wissenswertes aus erster Hand zu erwarten. Die südlichste, deutschsprachige Großstadt war Kulturhauptstadt Europas und zeichnet sich durch reichlich Flair aus.

Mit 15 Veranstaltungen präsentiert der HGV einen gut gefüllten Terminkalender für 2013. Da passt das Zitat von Verleger Jakob Rachor, das Georg Wittenberger aus dem oben besagtem Anzeigenblatt als Neujahrsgruß entnahm. Der wünschte sich am 2. Januar 1863 eine kräftige Entfaltung und Mannigfaltigkeit für seine Zeitung. Ganz der Tatsache verbunden, dass zum Fortschritt stets die Zeit mahnt.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare