Pflegekräfte dringend gesucht

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Waltraud Heimbeck von der K&S Unternehmensgruppe (Mitte) erläuterte die neue Pflegeeinrichtung, die derzeit auf dem Gelände der Michelsbräu entsteht.

Babenhausen/Darmstadt-Dieburg - 1400 Plätze gibt es im Landkreis für die stationäre Pflege im Seniorenbereich. Durch mehrere neue Pflegezentren, die derzeit beispielsweise in Babenhausen im Bau sind, wird diese Zahl bald auf 2400 anwachsen. Von Michael Just

 „Ich sehe die Sache positiv, da dadurch ein breites Angebot entsteht“, kommentiert die Erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück den derzeitigen Bauboom in diesem Bereich.

Trotzdem verlaufe der nicht ganz bedenkenlos: „16 Prozent der Leute in den Heimen nehmen Sozialleistungen für ihren Aufenthalt in Anspruch. Durch den steigenden Zuwachs bedeutet das innerhalb kurzer Zeit Mehrkosten von 1,5 Millionen Euro im Jahr für den Kreis“, rechnete Lück vor. Dazu stelle die Kreisverwaltung konzeptionelle und fachliche Überlegungen an, wie die Qualitätssicherung zu gewährleisten ist. In Zeiten des Fachkräftemangels im Pflegebereich seien damit dringende Fragen verbunden.

Das führte die Erste Kreisbeigeordnete am Montagnachmittag im Rahmen der Pflegekonferenz an, die im Seniorenzentrum Bethesda in Harreshausen stattfand. Die Konferenz ist ein regelmäßig vom Kreis initiierter Informationsaustausch für die verschiedenen Institutionen und Einrichtungen, die die Pflege betreffen. Für einen intensiven Austausch wurde der Kreis dafür in Regionen unterteilt. Die Region IV b deckt die Städte und Gemeinden Babenhausen, Schaafheim, Groß-Umstadt und Otzberg ab. Die Seniorenarbeit im Kreis wird derzeit von vier ehrenamtlich agierenden Seniorenbeauftragten unterstützt. „Dass die sich jüngst alle zum Weitermachen entschieden, spricht für Kontinuität“, lobte Lück. Die Pflegekonferenz bezeichnete sie als ein gutes Modell. Mit dem neuen Arbeitskreis für eine interkommunale Seniorenarbeit, bei dem es fortan in jeder Kommune einen direkten Ansprechpartner gibt, arbeite man zukunftsorientiert für die Belange der älteren Generationen.

Gut angelassen hat sich auch der neue Pflegestützpunkt des Landkreises. Im Mai dieses Jahres in Dieburg eröffnet, bietet er allen eine Anlaufstation, die eine professionelle Beratung rund um die Pflege brauchen. Mit einer bereits recht großen Zahl an Informationsgesprächen erfüllt die Resonanz die Erwartungen. Der Pflegestützpunkt läuft unter einer gemeinsamen Trägerschaft des Kreises mit den gesetzlichen Pflege- und Krankenkassen.

Wie Lück sagte, findet der Großteil der Pflege - derzeit rund 80 Prozent - zuhause statt. Das sei für die Betroffenen meist die beste Lösung.

Dennoch werde derzeit überall evident, dass es an der Tagespflege und kurzfristigen Einrichtungen fehlt. Laut Geschäftsführer Tom Best vom Christlichen Sozialwerk Bethesda in Harreshausen ist sein Werk derzeit an der Einrichtung einer Tagespflege in Schaafheim dran. 15 Plätze seien dafür vorgesehen, die noch verdoppelt werden könnten. „Leider läuft die Umsetzung nur sehr schleppend“, führte Best an, da man Zuschüsse von dem zuständigen Ministerium benötige. Zwar könne man das Projekt auch komplett eigenfinanzieren, das hätte aber zur Folge, dass die Preise nach oben schießen. „Für die Kunden brauchen wir aber vernünftige Preise“, so der Geschäftsführer.

Auf der Pflegekonferenz gab es zudem Informationen über die neuen Pflegeheime in Groß-Umstadt und Babenhausen. In Groß-Umstandt ist die Eröffnung im Januar nächsten Jahres geplant. Für die rund 70 Bewohner soll von einer Hausgemeinschaft zur Selbstversorgung, über eine Tagespflege bis hin zu Therapieplätzen ein breites Angebot vorliegen.

Dem steht die zukünftige Einrichtung in Babenhausen nicht nach. Waltraud Heimbeck von der K&S Unternehmensgruppe stellte die Ziele des Familienunternehmens aus der Nähe von Bremen vor. Nach dem kürzlichen Baubeginn sind bei Fertigstellung 111 Betten geplant. Von null bis drei werden alle Pflegestufen erfasst. Mit einem großen Restaurantbereich, Bibliothek, Sauna, Vitalraum sowie der möglichen Praxis eines Ergotherapeuten soll es den Wohngruppen an nichts fehlen. Eingestreut wird möglicherweise auch eine Tages- beziehungsweise Kurzzeitpflege.

Sorgen macht den Teilnehmern der Konferenz derzeit die Deckelung der landesfinanzierten Schulplätze im Pflegebereich. Hier wird ein Umdenken im Sozialministerium gefordert. Es könne nicht angehen, dass Menschen in die Pflege wollen, diese aber keine Ausbildung beginnen können, da das Land Hessen derzeit nur maximal 4 000 Schulplätze für Auszubildende finanziert. Schon jetzt könnten in vielen Regionen die offenen Stellen in Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten nicht besetzt werden. Bis zum Jahr 2015 würden in Hessen zusätzlich mindestens 1 600 weitere examinierte Pflegefachkräfte benötigt. Damit reiche die bisherige Zahl an Auszubildenden bei Weitem nicht aus.

Ebenfalls moniert wurde, dass viele Pflegekräfte sich immer weniger auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können. Der Grund: Durch eine stetig wachsende Zahl an administrativen und damit verwaltungstechnischen Aufgaben falle immer mehr Zeit im Büro an. Eine weitere Herausforderung stehe zudem beim Thema Integration an: So warten viele Regelangebote im Senioren- und Pflegebereich immer noch auf eine interkulturelle Öffnung.

Quelle: op-online.de

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