Freude auf Ungewohntes im Gemeindehaus

Mit philippinischem Essen auf den Weltgebetstag einstimmen

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Im Erasmus-Alberus-Haus kochten die Teilnehmerinnen philippinische Gerichte nach. - Fotos: Just

Babenhausen - Über 10.000 Kilometer liegen die Philippinen von Deutschland entfernt. Die Speisen des Inselstaates wurden nun auf Initiative des Welt- ladens im evangelischen Gemeindehaus zubereitet. Von Michael Just 

Anlass ist der bevorstehende Weltgebetstag im März, der die Philippinen zum Thema hat. Fast erweckt der Versammlungsraum im zweiten Stock des Erasmus-Alberus-Haus den Eindruck, als stehe gleich ein Schau- oder Wettkampfkochen bevor: Auf den zu einem Hufeisen zusammengestellten Tischen befinden sich mehrere mobile Kochplatten. Daneben liegt jeweils ein Rezept und akkurat sortierte Zutaten. „Die Küche im Gemeindehaus wäre für alle zu klein, weshalb wir uns mit den Platten behelfen“, erklärt Renate Mertens vom Organisationsteam. Dass die Küche nicht ausreicht, wird beim Blick auf die Teilnehmerzahl deutlich: Rund 20 Anmeldungen liegen vor. Bis auf einen Mann ist die Gruppe komplett weiblich und ziemlich gespannt auf das was nun folgt: Die Zubereitung traditioneller Gerichte von den Philippinen.

Jeweils zwei bis drei Teilnehmerinnen widmen sich einem der acht Rezepte. Die tragen Namen wie „Pansit Bihon“ oder „Botche-Botche“. Hinter dem ersten steckt eine Nudelpfanne mit Hähnchenfleisch, hinter dem zweiten süße Fingerfood-Bällchen. „Die Leute auf den Philippinen sind sehr arm. Deshalb essen viele meist nur ein Gemisch aus Reis, Mais und einer Schalentierpaste“, weiß Mertens. Fleischgerichte kommen eher selten und meist nur bei wohlhabenden Familien auf den Tisch. Sämtliche Zutaten hat Mertens an einem langen Einkaufsnachmittag in verschiedenen Märkten besorgt. Was es im Weltladen gab, wurde von dort genommen. Zur Einkaufstour gehörte der Asia-Laden in Aschaffenburg. „Obwohl die Philippinen am anderen Ende der Welt liegen, verwendet die philippinische Küche viele Zutaten, die wir auch kennen“, sagt die Babenhäuserin und verweist auf Gemüse wie Weißkohl, Zwiebel oder Knoblauch. Etwas schwieriger war das „Kitanmehl“ zu bekommen. Da wusste die Verkäuferin im Asia-Laden, die vermutlich aus China oder Vietnam stammt, anfangs nicht, was gemeint ist, so Mertens. Erst mit Hilfe des Internets und diversen Erklärungen wurde das klebrige Reismehl ausgemacht.

Kulinarische Experimente mit Muscheln

Schon seit über 15 Jahren lädt der Babenhäuser Weltladen zum Kochabend als Einstimmung auf den Weltgebetstag ein. Mit den vielen Asia-Läden lassen sich exotische Zutaten leichter beschaffen als früher. Vor ein paar Jahren suchte Mertens noch das Frankfurter Bahnhofviertel auf, wo die weite Welt in kleinen Läden mit vielen exotischen Produkten zuhause ist. Unvergessen blieb ihr beim Kochabend die Herstellung eine Gewürzmischung aus Indien. Der Geruch war danach über Wochen nicht aus dem Gemeindehaus zu bekommen.

Exotischer Geschmack und das Gemeinschaftserlebnis sind die Hauptgründe für die Teilnahme beim Kochen. „In meinem Alter isst man ja fast nur deutsch. Da ist die Freude auf Ungewohntes groß“, sagt Sieglinde Leyh (79). Mit Sitta Hebeis fand sich sogar eine echte Philippina in der Runde. Ihre Nachbarin animierte die 70-Jährige zum Mitgehen. „Das kenne ich natürlich alles“, konstatierte Hebeis beim Blick auf die Rezepte lächelnd. Vor 35 Jahren kehrte sie ihrer Heimat bereits den Rücken. Mit einem deutschen Mann verheiratet, arbeitete sie über viele Jahre in der US-Kaserne. Susanne Groß (60) betrat mit dem Kochabend Neuland. Die Rödermärkerin las das Angebot in der Zeitung und war neugierig. Exotische Speisen schrecken sie ohnehin nicht ab: „Ich habe in China schon Schlangen und Skorpione probiert. Frittiert schmeckten die wie Kartoffelchips.“ Derartige Tiere wanderten im Gemeindehaus nicht in Töpfe und Wok. Die eine oder andere Überraschung gab es trotzdem: „Das Kitanmehl, was ich über Nacht einweichte, war heute morgen hart wie Beton. Das könnte man wegen seiner Stärke auch zum Spachteln verwenden“, führte Mertens lachend an. Beim Backen in Öl mit Kokosraspeln und Sesamkörnern entstand dann plötzlich doch noch eine ganz unerwartete Köstlichkeit. Die bewog die Mit-Organisatorin zu einem passenden Fazit: „Alles wird bei uns was, wenn auch anders als gedacht. Bisher konnten wir immer alles essen.“

Quelle: op-online.de

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