„Politisches Bewusstsein schärfen“

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Landrat Klaus Peter Schellhaas (links) mit Landtagsabgeordneten und Volker Schmitt, Abteilungsleiter Ordnungs- und Gewerberecht bei der Kreisverwaltung, beim Besuch des jüdischen Friedhofes in Babenhausen.

Babenhausen (st) ‐ Als „widerliche und schändliche Tat“ hat Landrat Klaus Peter Schellhaas die vor wenigen Tagen auf dem jüdischen Friedhof in Sickenhofen entdeckten Hakenkreuz-Schmierereien bezeichnet.

„Hier sind alle Demokraten aufgerufen, sich solchen Taten entgegenzustellen“, so der Sozialdemokrat.

Geäußert hat sich der Kreis-Chef dazu bei einem Besuch des jüdischen Friedhofs in Babenhausen. Schellhaas hat gemeinsam mit Mitgliedern des Unterausschusses für Heimatvertriebene, Aussiedler, Flüchtlinge und Wiedergutmachung des Hessischen Landtags die jüdischen Friedhöfe in Dieburg und Babenhausen besucht.

Insgesamt gibt es im Landkreis fünf jüdische Friedhöfe, neben Dieburg und Babenhausen außerdem in Alsbach, Groß-Bieberau und im Babenhäuser Stadtteil Sickenhofen.

Der Babenhäuser lag einst weit vor der Stadtmauer im Nordosten. Heute ist er von einem Neubauviertel umgeben. Der älteste erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1692, rund 230 Grabsteine sind erhalten, sie reichen bis 1937. Ein Grabstein von 1946 erinnert an ein verstorbenes Kind aus einem Displaced-Persons-Lager in Babenhausen.

Der Friedhof war nicht nur in der Pogromnacht von 1938 das Ziel von Zerstörungen – auch in zurückliegenden Jahren kam es dort zu Schändungen.

Zusammenhänge immer wieder erklären

Schellhaas erinnerte daran, dass in 31 von einst 81 Ortschaften seit dem Mittelalter Juden mit den christlichen Bewohnern in den Dörfern und Kleinstädten des heutigen Landkreises Darmstadt-Dieburg zusammenlebten. Nach 1933 aber wurde überwiegend tatenlos zugesehen, wie Juden von den Nationalsozialisten rechtlos und vogelfrei gemacht wurden, zur Auswanderung getrieben und zur Ermordung abgeholt wurden.

„Wir müssen den nachfolgenden Generationen diese Zusammenhänge immer wieder erklären, das bleibt unsere Verpflichtung“, sagte Schellhaas. Darum sei „die Schärfung des historischen Bewusstseins eine wichtige politische Aufgabe.“

Dieburg und Babenhausen leisteten mit der Betreuung der jüdischen Friedhöfe einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung dieser Aufgabe. Für den Landkreis Darmstadt-Dieburg sicherte Schellhaas zu, sich auch künftig für den Erhalt der fünf jüdischen Friedhöfe im Kreis zu engagieren: „Es gibt kein Leben ohne Erinnerung“, verwies Landrat Schellhaas an den früheren Bundespräsidenten Johannes Rau.

Der Friedhof in Dieburg gilt als der älteste jüdische Friedhof im Landkreis Darmstadt-Dieburg und als einer der ältesten in Hessen: Er stammt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der Friedhof diente bis 1889 16 jüdischen Gemeinden als Begräbnisstätte. Rund 1100 Grabsteine stehen heute noch auf dem Dieburger Friedhof. Wie fast alle jüdischen Friedhöfe wurde auch der Dieburger in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 verwüstet.

Quelle: op-online.de

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