Polizei rätselt weiter über das Motiv

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Kriminaloberkommissar Oliver Loeb beim Studium der Akten. Die Zahl der Ordner wird größer.

Babenhausen - Der Doppelmord in der Friedrich-Ebertstraße bleibt weiterhin mysteriös. Bislang wurden über 1.000 Vernehmungen geführt, es gibt nach wie vor keinen Hinweis auf ein Motiv für die Bluttat und auch keine heiße Spur. Von Stefan Scharkopf

Dennoch arbeitet die Sonderkommission weiter auf Hochtouren, auch wenn das Team mittlerweile von 30 auf 20 Mitarbeiter reduziert wurde. Die Spuren im Haus sind gesichtet, die Wohnung ist seit ein paar Tagen für neue Mieter frei.

Wie mehrfach berichtet, waren am 18. April die Leichen des 62 Jahre alten Immobilienmaklers Klaus Toll und seiner 58 Jahre alten Ehefrau in ihrem Haus entdeckt worden. Die 37 Jahre alte Tochter wurde lebensgefährlich verletzt. Die Familie lebte sehr zurückgezogen, was das Privatleben der beiden sehr überschaubar macht und die Arbeit der Soko entsprechend schwierig.

Es gibt weder im privaten noch im geschäftlichen Bereich der Ermordeten bislang irgendwelche Auffälligkeiten“, sagte der stellvertretende Soko-Leiter, Kriminaloberkommissar Oliver Loeb gestern. Die Geschäftsbeziehungen des vor rund zehn Jahren nach Babenhausen gezogenen Immobilienmaklers und seiner Familie wurden überprüft - nichts dabei, was den Polizisten weiterhelfen könnte.

Auch von der durch Schüsse schwer verletzten Tochter des Paares sind keine Informationen zu erwarten. Körperlich hat sie sich erholt und konnte mittlerweile das Krankenhaus verlassen.

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Täter benutzte selbst gebauten Schalldämpfer

Anfang Juni hatte die Polizei nachstellen lassen, wie die Schüsse in der Nachbarschaft zu hören gewesen sein könnten. Die Hoffnung: Weitere Hinweise von den Anwohnern zu erhalten. Wie waren die Schüsse durch Mauern und Fenster zu hören? Abgefeuert wurden die Schüsse mit einer Walther P 38. Ein solches Modell gilt als die Tatwaffe. Aufgrund der Tatortspuren ist es sehr wahrscheinlich, dass der Täter einen selbst gebauten Schalldämpfer mit Dämmstoffen verwendet hat. „Mit dieser Machart haben wir es in Südhessen zum ersten Mal zu tun“, so Loeb. Noch nicht festlegen will man sich auf die Beschaffenheit des Eigenbaus und die Art des Dämmstoffs, da die labortechnischen Untersuchungen noch andauern. Experten einer Firma sind damit beschäftigt. Das Ergebnis könnte sich als weiteres kleines Mosaik in ein Gesamtbild einfügen.

Die Polizei hat in einem Umkreis von 100 Kilometern rund um Babenhausen etwa 650 legal gemeldete Pistolen des Waffen-Typs untersucht, den es schon zur Wehrmachtszeiten gab. „Die Besitzer, die die Pistolen meist vom Großvater geerbt haben, waren dabei sehr kooperativ“, sagt Kriminaldirektor Rudolf Balß.

Hilfe holt sich die Soko bei vielen ihrer Spuren auch beim Bundeskriminalamt oder von Spezialisten im Ausland. Einige kriminaltechnische Untersuchungen stehen noch aus.

Das Hinweistelefon der Darmstädter Kriminalpolizei ist weiterhin unter Tel: 06151 9694804 geschaltet. Interessant sind für die Beamten derzeit vor allem Personen, die außerhalb des Geschäftlichen mit der Familie Toll zu tun hatten.

Auch wenn die Hinweise aus der Bevölkerung derzeit abnehmen und kein Motiv erkennbar ist: Die Beamten bleiben freilich mit Intensität am Ball. „Die Soko wird erst dann aufgelöst, wenn einem nichts mehr einfällt. Soweit sind wir allerdings noch lange nicht“, sagen die Beamten. Kriminaloberkommissar Loeb: „Wir sind zuversichtlich, auch wenn die Aufklärung etwas dauert.“

Quelle: op-online.de

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